Samstag, 21 of Oktober of 2017

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Balkan Mugge (6)

Die letzten zwei Tage der Balkan Breslau waren dahingehend etwas „entspannter“, als dass der gesamte Rallye-Tross im Camp am Schwarzen Meer blieb und nicht noch einmal umziehen musste. Gestartet wurde jeweils direkt am Strand, „Na hoffentlich bleiben wir nicht gleich wieder im Tiefsand stecken, das wäre mehr als blöd – und irgendwie auch peinlich“, waren jeweils meine Gedanken. Aber alles ging gut. Mit anderen Reifen und etwas weniger Luftdruck kamen wir am vorletzten Tag gut vom Start weg, auch wenn es im Sand ganz schön lange dauerte, bis ich in den dritten Gang hoch schalten konnte. An mehr war gar nicht zu denken. Wir konnten in Anbetracht der vor uns liegenden Etappe, dann fernab vom Strand, unseren Reifenluftdruck ja nicht soweit absenken, dass dieser optimal für den Strand war – und einen Kompressor zum Aufpumpen nach Verlassen des Strandes hatten wir auch nicht. Also galt es einen Kompromiss für den Luftdruck zu finden, der uns half, halbwegs über den Strand zu kommen und anschließend ohne zu geringen Luftdruck über die einzelnen Spezialen. Bloß nicht stehen bleiben!

Als wir den ersten Strandkilometer überwunden und inzwischen auch etwas Speed drauf hatten, machte das „Strandsurfen“ so richtig Spaß. Mir schwante allmählich, warum es die „Afrika-Fraktion“ eben immer wieder dorthin in die Dünen zieht - irgendwie ein geiles Fahren!  Aber wehe wenn man etwas zögerlich am Gas war, dies wurde sofort bestraft, da schien hinten jemand festzuhalten! Ich war dann aber heilfroh, als wir endlich vom Strand auf einigermaßen befestigte Wege abbiegen konnten. Hier ging es zunächst wieder kreuz und quer durch den engen Küstenwald, aber immerhin waren die Wege gerade so ohne größeren Bandscheibenschaden zu befahren. Anschließend wechselnden sich sehr schnelle Feld- und Wiesenwege sowie kleinere Waldpassagen ab. Insgesamt kamen wir gut und schnell voran, bis wir gegen Ende des Tages zunehmend Schwierigkeiten beim Navigieren hatten. Zunächst wieder in einer Ortschaft. Nichts passte, wir drehten Runde um Runde durch das Dorf, fanden aber das Roadbook-Bild nicht. Bis ein anderer Teilnehmer uns mitten auf der Dorfstraße wie aus heiterem Himmel von hinten in die Seite knallte, was die „Stimmung“ im Auto urplötzlich kippen ließ. Die dabei frei werdende „Energie“ half aber irgendwie eine Lösung des Navigationsknotens herbei zu führen und wir kamen wieder einige Kilometer bzw. Roadbook-Seiten voran – bis ich nach längerem Schweigen von rechts plötzlich den Satz „Ich bin raus!“ hörte. Uups, und das gerade mal zwei oder drei Kilometer vor dem Tagesziel …

Und damit wir nicht aus der Übung kamen, ging es am nächsten, letzten Tag bei uns im Auto genauso navigations-chaotisch los. Als wir vom Strand abbogen, erwischten wir offensichtlich eine „Abfahrt“, also einen Weg durch die Düne zu früh – wir folgten fälschlicherweise irgendwie reflexartig einigen tief ausgefahrenen Spuren im Sand und einem anderen Teilnehmerfahrzeug, das neben einem gut einsehbaren Weg nach oben durch die Dünen stand. Das dies der falsche Weg sein musste wurde uns erst ziemlich spät bewusst, noch länger dauerte es bis wir dann wieder zurück auf Roadbook-Kurs waren. Meine anfängliche große Hoffnung, aufgrund unserer aktuellen Platzierung auf Platz 13, des nur geringen Zeitrückstandes auf die drei unmittelbar vor uns liegenden Plätze sowie einiger bekannter technischer Probleme mancher vor uns liegender Teams, am letzten Tag noch ein wenig an der Platzierung zu verbessern, löste sich damit im herrlich blauen bulgarischen Himmel zunehmend in Luft auf.

Unabhängig davon bot die Etappe durch Weinberge, über Sonnenblumenfelder und riesige ausgetrocknete Wiesen eine herrliche Landschaft mit manch traumhaftem Ausblick auf das Schwarze Meer – auch wenn wir diese oft nur kurz aus den Augenwinkeln oder im Rückspiegel registrieren konnten. Im weiteren Verlauf gab es zum Glück keine weiteren Probleme, am Nachmittag erreichten wir dann endlich und einigermaßen erschöpft das letzte Tagesziel.

Nun war sie Geschichte, die Balkan-Breslau 2013! Wir hatten das Ziel erreicht, unser YellowRacer hat uns ohne ernsthafte Probleme über die insgesamt knapp 1.800 Kilometer gebracht! Ich denke das ist bemerkenswert, in den vergangenen Jahren waren wir solche Entfernungen insgesamt nie gefahren: sehr anstrengend, aber doch machbar. Platzierung? Naja, Platz 14. Gutes Mittefeld. Nicht das, was ich erwartet hatte, aber da waren immerhin mehr Teams hinter uns als vor uns. Was hätten wir besser machen können? Besser navigieren – sicher. Und schneller fahren natürlich. Aber dann hätten wir sicher so manche Nacht geschraubt, geflext  und geschweißt, wie so viele der anderen Teams. Und wir wären höchstwahrscheinlich mit einem „zerknitterten“ Auto angekommen, wenn wir angekommen wären. Wie so viele der anderen Teams. Hätten wir dabei mehr Spaß gehabt, als wir jetzt schon hatten? Sicher nicht. Also waren wir ganz zufrieden, die Spaß- und Erlebnisbilanz sah positiv aus. Hatte ich nicht vor einigen Wochen hier gebloggt „wir sind Erlebnissammler“? Ziel erreicht!

Bleibt abschließend zu bemerken, dass die Balkan-Breslau seitens der Organisation hochgradig professionell vorbereitet und durchgeführt wurde. Alle Achtung, die Orga hat hier eine richtig gute Veranstaltung – vom Roadbook über Streckenposten, Camps mit Duschen und (meist) WLAN, Hotels, (manchmal) Möglichkeiten der Fahrzeugwäsche bis hin zur landestypischen Abschlussparty mit Feuerwerk und allem Pipapo – hingezaubert. Respekt! Und danke an alle einzelnen Orga-Leute, die sicher oft wenig Schlaf – aber nach meinem Eindruck meist auch viel Spaß hatten!

Start am Strand …
… bloß nicht wieder eingraben!
Verlockender, aber leider falscher Weg!
Dann aber mit Speed quer durch Weinberge …
… Wald …
… und Felder
Gute Stimmung …
… am Abend im Camp
Bulgarische Abschlussparty
Danke Orga!!
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Balkan Mugge (5)

Von Sliven aus ging es am nächsten Tag weiter in Richtung Schwarzes Meer. Direkt am Strand sollte das Tagesziel sein, was uns später noch etwas zu schaffen machen sollte. Zunächst ging es in die erste Speziale und wieder in den Wald! Kurz vor dem Start gab es ein kurzes Briefing, da es wohl einen Roadbook-Fehler gab. Dennoch irrten anschließend einige Teilnehmer durchs Gelände und wir fanden uns auf einmal vor Teilnehmern wieder, die einige Minuten vor uns gestartet waren. Wir selbst hatten eigentlich keine Navigationsprobleme und kamen daher ganz optimistisch im ersten Ziel an. Hier herrschte dann zunächst Ratlosigkeit, es war die Rede dass diese Speziale nicht gewertet werden sollte. Keiner wusste genaues. Nachdem die am Start der nächsten Speziale stehenden Orga-Leute darüber heftig mit den Teams diskutierten, wurden wir dann in der gleichen Startreihenfolge wie am Morgen in die nächste Speziale geschickt. Am Abend wurde dann offiziell von der Rennleitung mitgeteilt, dass die Morgen-Speziale nicht gewertet wurde. Schade!

Nach der gecancelten, oder besser gesagt nicht gewerteten Morgen-Speziale ging es dann auf eine ziemlich „durchwachsene“ Strecke, also wieder Wald aber auch schnelle Feldwege. Auf einer kurzen Ortsdurchfahrt auf Asphalt – natürlich mit überwachter Geschwindigkeitsbegrenzung – gab es dann den ersten richtigen Roadbook-Fehler. Und der hatte es in sich! Da das Roadbook bis hierher immer sehr exakt war, stellten wir das Bild im Roadbook zunächst überhaupt nicht in Frage, sondern zweifelten ernsthaft und viel zu lange an uns selbst. Wir kreisten in dem bulgarischen Dorf hin und her, fuhren fast alle dortigen Straßen ab. Da dies auch anderen Teilnehmern genauso ging, war es ein doch recht lustiges Unterfangen. Sicher hatten manche Dorfbewohner viel Spaß, den Verrückten mit den bunten Karren zuzusehen, wie die so mit ihren „Bollerwagen“ kreuz und quer durch ihr Dorf kurvten. Und wieder zurück. Und nochmal. Und da kamen uns gerade wieder zwei Fahrzeuge entgegen. Und dann haben wir einfach mal so entschieden, dort wo das Roadbook eindeutig auf der dick eingetragenen Asphaltstraße ein Abbiegen auf Asphalt nach 90° rechts verlangte, eben mal 90° nach links abzubiegen. Da war ja auch eine Asphaltstraße. Kann man ja mal probieren. Der Mutige wird belohnt – nach wenigen hundert Metern, inzwischen schon wieder runter vom Asphalt, merkten wir dass das Roadbook ab hier wieder passte. Na so etwas ist die eigentlich Würze einer Rallye, davon könnte man mehr haben! Ja wirklich, man ärgert sich zwar in dem Moment, aber irgendwie machen es doch genau solche Schnitzer erst so richtig spannend, denn alle haben ja damit zu kämpfen.

Einigermaßen froh, dass wir wieder auf Kurs waren, ging es auch wieder mit ordentlich Speed über staubige Schotterpisten und ich hoffte hinter jedem Hügel schon bald das Schwarze Meer zu sehen. Leider sollte uns aber der davor liegende Küstenwald dann noch zum Verhängnis werden. Die Stimmung war gut, denn es gab nur noch wenige Seiten im Roadbook zu absolvieren und ich schien die See schon fast zu riechen. Auf der vorletzten Seite angekommen, standen wir dann im Wald mitten auf einem kleinen Zeltplatz, nur wenige Zentimeter vor einem Zelt und direkt auf einem Volleyballfeld. Und nichts passte zu dem Bild im Roadbook! Hier waren wir garantiert falsch. Verdammt und es waren offensichtlich nur noch zwei Kilometer bis zum Ziel! Also zurück bis zu der Stelle, an der das Roadbook noch genau passte. Berg hoch über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche. Jetzt folgten wir mit äußerster Konzentration noch einmal exakt den Bildern der vorletzten Roadbook-Seite. Berg runter über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche. Wieder standen wir genau vor dem Zelt. Das kann nicht sein, die organisieren keine Rallye-Strecke mitten über einen Zeltplatz, hier könnten Kinder sielen! Also wieder zurück. Berg hoch über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche …

Nachdem wir das Spiel (Berg hoch und runter über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche …) noch mehrmals erfolglos wiederholten und dabei auch noch andere Teilnehmer trafen, die es uns gleich taten, stieg von Minute zu Minute das Frustrationslevel im Auto. Die Stimmung war ziemlich gereizt, es schien keine Lösung dieses Problems zu geben. Also musste eine Entscheidung gefällt werden. Ich wusste, das Ziel – dass ja in unmittelbarer Nähe lag – liegt direkt am Strand. Und am Strand kann es nur in zwei Richtungen gehen.  Also suchte ich den kürzesten Weg nach unten zum Strand. Und da war er endlich! Aber in aller Aufregung und Frust machte ich jetzt zwei entscheidende Fehler, die uns richtig viel Zeit kosteten und noch viel mehr Frust einbrachten. Erstens: ich vergaß vor dem Befahren des Strandes ordentlich Luft von unseren MT Reifen abzulassen. Und zweitens: wir wussten nicht in welche Richtung das Ziel lag. Also entweder rechts oder links –ich entschied mit viel Speed nach rechts zu fahren und versuchte unmittelbar nachdem ich sah dass dies offensichtlich die falsche Richtung war, auf dem schmalen Strandabschnitt in einem Zug zu wenden. Saublöd, nach wenigen Metern änderte sich unsere Fahrtrichtung nicht wie gewollt in Richtung des Ziels sondern es ging nur noch in Richtung Erdmittelpunkt. Ende. Wir steckten fest. Und das in Sichtweite des Ziels in etwa einem Kilometer! Also raus, Luft ablassen und graben. Graben, graben und nochmals graben! Einige Fischer, die wohl gerade ihr Boot zu Wasser gelassen hatten, versuchten uns mit vereinten Kräften anzuschieben, aber es half nichts, wir mussten noch mehr graben. Vor dem Hinterachsdifferenzial hatte sich ein riesiger Sandberg zusammengeschoben. Zum Glück spendierte einer der Fischer eine große Schaufel, so dass ich einigermaßen voran kam. Dann ein nächster Anfahrversuch – und siehe da, wir lösten uns und ich kam ganz langsam voran. Jetzt nur nicht wieder wühlen und eingraben! Peter stand noch draußen – ich aber war froh dass es im Tiefsand einigermaßen voran ging. Sollte ich jetzt noch mal anhalten mit der Gefahr dass es dann wieder nicht weiter geht? Aber den (letzten) Kilometer im Tiefsand wollte ich Peter dann doch nicht laufen lassen, und ich hatte auch keine Lust für großes Gelächter am Ziel auf unsere Kosten zu sorgen, wenn unser Navigator dieses nicht im Auto sondern keuchend zu Fuß erreichen würde. Dann hätte der Rest des Fahrerlagers sicher einen lustigen Abend gehabt. Also hielt ich an und wir erreichten dann doch endlich das Ziel - gemeinsam. Man müsste eigentlich mal in Reglement schauen, was das sagt wenn Auto und Team nicht gleichzeitig über die Ziellinie kommen. Welche Zeit wird gewertet - die des Autos mit Fahrer oder die des später eintreffenden, laufenden Navigators … ?

Der Abend wurde, nach kurzem und erfrischendem Bad im Schwarzen Meer und anschließend im Pool der Strandbar „Long Beach“ dann trotzdem recht lustig – zum Glück aber gab es anderes als unsere Tiefsanderfahrung, dass für gute Stimmung sorgte. Später erfuhren wir dann auch, dass die offizielle Strecke sehr wohl mitten durch den Zeltplatz führte. Und wir erfuhren auch, dass vor allem Teams, die schon einmal die Balkan Breslau gefahren waren und damit die Zielankunft hier einschließlich der Querung des Zeltplatzes bereits kannten, nicht umhergeirrt sind und auch nicht wie wir dort fast eine halbe Stunde (unsere Grabungen mal nicht mit eingerechnet) verloren haben. “Heimvorteil” eben, da kann man nichts machen.

Kurzes Briefing vor dem Start …

… dann ging es über Wald- und Feldwege.

Hier half nur noch Graben …

… endlich ging’s weiter.

Fahrerlager direkt vor dem Strandhotel

Gute Stimmung in der Strandbar

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Balkan Mugge (4)

In Sliven starteten wir am nächsten Morgen direkt auf der Start- und Landebahn eines alten, verlassenen Flughafens. Wo früher offensichtlich bulgarische oder russische MIGs zum heroischen Kampf gegen den feindlichen Imperialismus gestartet sind. Na wenn das nicht mal was Besonderes war! Die ersten Kilometer auf Asphalt – geschätzt fast einhundert Meter breit – im Zweikampf gegen ein anderes Team. Wer die Startbahn am Ende auf einen schmalen Weg als Zweiter verlässt, muss Dreck fressen und sieht nichts. Auf der nachfolgenden Strecke wurde es staubig und kaum langsamer, diese Etappe schien ganz wie für uns gemacht! Wald sollte es wohl nicht geben, oder zumindest nicht nennenswert. Wir kamen gut voran, gewannen den Start-Zweikampf gegen einen Jeep Wrangler auch spielend. Allerdings hatte dieser uns bald wieder ein, als wir bei einem der folgenden Kompasskurse querfeldein kurz in einem Graben festhingen. Klar, Verfolger haben dann den Vorteil besser zu sehen, wo man besser doch nicht langfährt , auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht …

Weiter ging es, zum ersten Mal endlich über richtig schnell fahrbare Wege – und ohne Angriff auf die Bandscheibe. Mehrere Kilometer einfach nur Vollgas geradeaus über Schotterpisten und Feldwege! Rechts Bahndamm, links Feld. Nichts zu tun für den Navigator, aber volle Konzentration und Augen auf für eventuell auftauchende Bodenwellen oder andere böse „Fallen“ für den Fahrer. Ich denke so schnell waren wir bisher bei noch keiner Rallye unterwegs, irgendwo zwischen 130 und 150 km/h. Später berichtete die Orga, dass ein israelisches Team hier sogar so um die 180 km/h drauf hatte! Alle Achtung! Vielleicht wäre dies für uns auch drin gewesen, aber dann musste man schon hundertprozentig  darauf vertrauen, dass nichts auftaucht, was irgendwie gefährlich sein konnte. Immerhin, wir waren auf einer Art Feldweg. Einige gefährliche Bodenwellen, die bei dieser Geschwindigkeit über Leben und Tod, mindestens aber über das Schicksal des Fahrzeuges entscheiden konnten, waren im Roadbook auf den Meter genau eingetragen. Aber konnte man dem trauen? In den letzten Tagen hatten wir gelernt, dass das Roadbook sehr exakt war, auch hinsichtlich eingetragener gefährlicher Stellen. Aber es waren eben nicht alle gefährlichen Stellen drin, manchmal tauchten unangekündigt Bodenwellen auf, die wesentlich gefährlicher waren als so manche im Roadbook eingetragene Bodenwelle. Also blieb das Hirn eingeschaltet und stand die gesamten 253 Kilometer des Tages unter höchster Alarmbereitschaft!

Auf einer riesigen Hochebene lag zwischen zwei Spezialen der Service-Punkt, bei dem wir eine Stunde Zeit hatten, um Fahrzeug und Besatzung etwas Ruhe und sofern nötig technische Zuwendung zu gönnen. Die Anfahrt auf das Ziel der Speziale, das unmittelbar vor dem Service-Punkt lag und die über viele Kilometer einsehbar war, war fast schon filmreif: hinter uns eine mehrere hundert Meter lange Staubfahne, über uns voraus flog der Presse- und Notarzt-Hubschrauber mit Kameramann in der Türöffnung und vor uns, hinter dem Ziel stand der bunte Tross der Service-Fahrzeuge, deren Teams auf ihre heranrasenden „Klienten“ warteten. Rechts und links eine Art Steppenlandschaft ohne jegliche Bäume oder Sträucher oder irgendeine Bebauung. Blauer Himmel und strahlende Sonne trugen natürlich auch zur guten Stimmung und zur Freude über die soeben mit viel Fahrspaß beendete Speziale bei. Und was soll ich sagen, so ging’s dann auch weiter bis hin zum Tagesziel, das wieder auf dem Rollfeld des alten Flughafens lag, von dem wir am Morgen gestartet waren.

Was für ein Tag!

Start auf dem Rollfeld
viel Platz rechts und links
kleine Wäsche zwischendurch
Einfahrt in Ziel und Service-Camp
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Balkan Mugge (3)

Man hatte uns gesagt dass die Strecken „besser“ werden sollten. Was immer das auch heißt. Zumindest sehnte ich bessere und vor allem schnellere Abschnitte herbei, nach all der Wackelei der vergangenen Tage - kaum war ich im Wald über den zweiten Gang hinaus gekommen! Die nun folgenden Etappen schienen nicht mehr ganz so hoch ins Gebirge zu gehen, in Richtung des Schwarzen Meers wurde die Landschaft etwas flacher. Das ließ eigentlich hoffen. Aber auch hier fanden die Roadbook-Macher offensichtlich genügend enge und steinige Pfade, die sie uns auf der einen Seite der nicht mehr ganz so hohen Berge hinauf und auf der anderen Seite der wieder hinunter schickten. Und weil es offensichtlich darum ging richtig viele Kilometer ins Roadbook zu packen, damit wir auch nicht wirklich mal zeitig ins Camp kommen und dort Langeweile bekommen, ging es eben immer wieder hoch und in den Wald. Zugegeben, zwischendrin gab es dann doch mal kurz den einen oder anderen etwas „besseren“ Weg, den man etwas schneller unter die Räder nehmen konnte.

Trotz vorausgegangener Trockenheit war es in den schattigen Wäldern zum Teil ziemlich feucht und ich war froh, dass wir schon im ersten Camp MT-Reifen aufgezogen hatten. In Erinnerung der gefährlich rutschigen Gebirgs-Serpentinen von vor drei Jahren beim Balkan-Offroad-Marathon wollte ich kein Risiko eingehen. Auch wenn wir damit auf den manchmal auch trockenen Schotter- bzw. Geröll-Abschnitten sicher nicht optimal unterwegs waren. Aber hier ging es nicht um Sekunden, zunächst erst mal ums sichere Ankommen.

Die Tagesetappen waren meist in drei bis vier einzelne Special-Stages aufgeteilt, zwischen denen wiederum Überführungen – meist im öffentlichen Straßenverkehr – gefahren werden mussten. Letztere waren zeitlich ziemlich knapp bemessen und wurden darüber hinaus noch mittels im Fahrzeug eingebautem GPS-Tracker geschwindigkeitsüberwacht. Dies brachte uns einige Zeitstrafen ein, war das Fahren auf bulgarischen Straßen doch ziemlich abenteuerlich und teilweise sogar chaotisch. Eselkarren oder LKW’s blockierten plötzlich und ohne jeglichen ersichtlichen Grund eine gefühlte Ewigkeit die Straße, PKWs fuhren mit 50km/h auf gut ausgebauten Landstraßen, Überholen aber oft nicht möglich. Ortseingangsschilder waren entweder so stark verrostet dass sie nicht als solche identifizierbar waren oder sie sahen von Ort zu Ort so verschieden aus, dass man sie gar nicht ernst nehmen konnte. Möglicherweise malte hier jeder Bürgermeister sein Ortseingangsschild selbst und brachte hier und da noch so manche Verzierung an. Auch waren vermeintlich kleine Dörfer mal schnell mehr als 10 Kilometer lang, wobei über einige Kilometer keinerlei Bebauung sichtbar war. Und trotzdem galt hier noch maximal 50 km/h. Nur hielten sich die Einheimischen – bis auf die, die immer trödeln - oft selbst überhaupt nicht dran, was mich oft zusätzlich verunsicherte. Waren wir jetzt in einer Ortschaft oder nicht? Aufhebungsschilder für Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es in Bulgarien scheinbar grundsätzlich nicht. Du musst also nach eigenem Ermessen abwägen, wann die 30 oder 40 km/h wegen einer Baustelle, Fahrbahneinengung, gefährlicher Kurven oder was auch immer vorbei sind. Und das alles wenn Du unter erheblichem Zeitdruck stehst, denn die Uhr bis zur vorgegebenen Startzeit der nächsten Speziale tickt ziemlich schnell. Manchmal blieben keine zwei Minuten zwischen Ankunft am Start und der festgelegten Startzeit!

Bei der letzten Speziale des Tages in Richtung des nächsten Camps in Sliven, die nur 12 Kilometer lang war, traf uns dann leider nach einem bis dahin ganz gut gelaufenen Tag der Fehlerteufel. Nur zwei bis drei Kilometer nach dem Start – natürlich wieder bergauf durch den Wald – stieg die Temperatur unserer Maschine massiv an und drohte zu überhitzen. Gleichzeitig brachte die Maschine keine Leistung mehr, schien nur noch im Notlauf zu drehen. Mist, so kurz vor dem Tagesziel! Zum Glück fanden wir auf dem Waldweg eine Stelle, die gerade breit genug war, dass die nach uns gestarteten Teilnehmer an uns vorbei fahren konnten. Im Stand stieg die Temperatur immer weiter an, mir wurde Angst und Bange um unser Triebwerk! Offensichtlich lief irgendwo Kühlwasser weg – sofern überhaupt noch welches im System war. Zunächst konnte ich nichts erkennen, da aufgrund einer vorherigen Wasserdurchfahrt sowieso ziemlich viel nass am Auto war, doch nach wenigen Minuten sah ich dass die Wasserpumpe heftig „inkontinent“ war. Auf der einen Seite froh, dass es nicht wirklich was „Ernstes“ war – in wenigen Minuten erreichbar im Camp lag eine neue Wasserpumpe, überlegten wir fieberhaft was wir jetzt konkret tun. Vor uns lagen laut Roadbook und nach dem was wir sahen offensichtlich (nur …) noch ca. vier Kilometer steil bergauf und anschließend noch einmal ca. sechs Kilometer bergab bis zum Ziel und dann nur noch etwas Landstraße bis endlich ins Camp. Sollten wir hier aufgeben, um nicht den Exodus unseres Triebwerkes zu riskieren?

Zum Glück hatten wir einen Fünfliter-Kanister mit Wasser und einige Flaschen Mineralwasser an Bord. Ich entschied, dass wir alles verfügbare Wasser nachfüllten – offensichtlich war schon ziemlich viel weggelaufen – und dann langsam den Berg in Angriff nehmen würden. Aber trotzdem schnell genug, dass wir oben waren bevor das Wasser wieder vollständig weggelaufen ist. Wenden und zurück zu Straße Fahren war sowieso auf dem engen Waldweg kaum möglich. Sollten wir den Berg gerade so schaffen, könnten wir uns dann ohne große Motorleistung bergab rollen lassen und würden wenigstens – wenn auch spät – die Etappe finishen. Und so ging es! Als eine gefühlte Ewigkeit nach dem Wasserauffüllen die Motortemperatur allmählich wieder sank, machten wir uns auf den Weg und erklommen den Gipfel. Wann habe ich mich jemals so gefreut, mit dem Auto einen Berg hochgekommen zu sein?! Bergab sorgte der Fahrtwind offensichtlich zusätzlich für Kühlung der Maschine und wir konnten sogar wieder ordentlich Gas geben! Kurz vor dem Camp in der Stadt Sliven stoppten wir an einer Tanke und sahen, dass aus der Wasserpumpe inzwischen ein Wasserstrahl in Fingerstärke austrat - also nichts wie weg hier und schnell ins Camp und das Teil gewechselt.

Damit hat sich die verbreitete These „was man mit hat geht nicht kaputt“ leider mal nicht bewahrheitet, aber eben gut dass ich die Ersatz-Pumpe extra noch kurz vor der Rallye aufgetrieben hatte. Manchmal hat man eben so eine Vorahnung …

Fortsetzung folgt.

Es ging wieder viel durch den Wald …

… aber endlich auch mal etwas schneller!

Warten vor dem Start …

… sofern tatsächlich mal Zeit war

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Balkan Mugge (2)

Das nächste Camp in Starosel erreichten wir nach weiteren knapp 200 anstrengend holprigen Kilometern, über tief ausgewaschene und eng mit Bäumen und allen möglichen Büschen und Sträuchern bewachsene bulgarische Gebirgspfade. Spurrinnen, Bodenwellen, Steine, Wurzeln – endlos. Schmerzen in Gesäß, Wirbelsäule und Bandscheibe waren also wieder vorprogrammiert. Und wenn die Einschläge mal gerade doch nicht unmittelbar körperlich weh taten, so schmerzten auf jeden Fall rein seelisch zum einen die garantiert aufs Auto wirkenden immensen zerstörerischen Kräfte – mit schönen Grüßen ans Fahrwerk und andere Teile – sowie die auf die GFK-Karosserie und Frontescheibe massiv einschlagenden Äste. Vor meinem geistigen Auge spielte sich hundertfach ein Film der zerberstenden Frontscheibe oder der rundum zerfetzten GFK-Teile, insbesondere der seitlich vorstehenden Radläufe ab. Jeder Ast der auf uns einschlug kostete mich in Gedanken so um die 10,- EUR , und da waren viele! Nach kürzester Zeit verabschiedete sich der linke Außenspiegel, blöder Fehler, ich hätte ihn ja auch anklappen können …

Als wir durch die Schüttelei körperlich nach ca. drei Stunden so durchgewackelt und fertig waren, dass gar nichts mehr ging und auch die Konzentrationsfähigkeit dadurch gefährlich gelitten hatte, stoppten wir kurz auf einer Gebirgswiese, stiegen aus und genossen für drei Minuten die Stille und ein kleines Sandwich. Und auch mal kurz die schöne Aussicht! Was war in den vergangenen Stunden da eigentlich an unseren Makrolon-Fenstern rechts und links vorbeigezogen, ohne das wir auch nur irgendetwas davon bemerkt haben? Was machen wir eigentlich hier? Warum tun wir das? Sauplötzlich kamen mir die ersten Zeilen des BAP-Songs „Psycho-Rodeo“ in den Sinn: „Wo simmer he? Wa’s dat? He woor’mer jo noch nie, wo simmer he’ erinnjeroode ? Weshalv un wann, ey Mann, vüür allen Dingen wie …?“.

Wir wollten Spaß und die Herausforderung haben! Aber so völlig mit Tunnel- und Trance-Blick endlos durch den bulgarischen Wald rasen? Ganz vordere Plätze waren bei der Konkurrenz mit langjähriger DAKAR-Erfahrung, professionellem Budget und entsprechendem Support sowieso nicht drin. Und dann waren da auch noch – wie regelmäßig bei diesen Veranstaltungen - die Fahrer der Fraktion, die ihr Hirn am Start zurücklassen und Dir wenn Du zwischen Bäumen links und Abhang rechts nicht sofort Platz machst mit Vollgas ins Heck knallen. Ganz nach dem Motto lieber Tod als Zweiter. Also war jetzt mal drei Minuten Durchatmen und Knochenausstrecken angesagt, was uns wirklich so etwas wie Erholung bescherte und uns Kraft für die nächsten Kilometer bis zum Ziel gab.

Hier gab es dann am Abend ein traumhaftes Hotel-Schwimmbad inmitten malerischer Weinberge – endlich mal eine Stunde zum Relaxen und Abschalten. Immerhin, das halbe Camp war fast die gesamte Nacht mit schwerem Gerät beschäftigt – viele schweißten, flexten und schraubten an Rahmen und Fahrwerk, direkt neben uns maltretierte jemand sein massiv eingebeultes Fahrzeug mit einem riesigen Hammer. So gesehen waren wir und unser YellowRacer doch ganz gut über die Berge gekommen …

Gute Stimmung nach getaner “Arbeit”

Auf zur nächsten Special Stage!

Kurzer Stopp …

… zum Tanken

Schwimmbad im Camp

Auch Natur war vor Ort

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Balkan Mugge (1)

breslau-Auf was hatten wir uns da bloß eingelassen! In einer Woche fast 2.000 km Offroad quer durch Bulgarien, über tief ausgewaschene Gebirgswege, bulgarische Rüttel- und Schotterpisten, Schlaglochalleen und rutschige Waldwege. Enge Büsche und armstarke Äste rechts und links aber auch in zerstörerischer Frontscheiben- bzw. Augenhöhe. Bergauf, bergab und immer wieder hoch und wieder runter – scheinbar endlos erscheinende Tracks in dichten Wäldern. Aber da waren auch schnelle Feld- und Wiesenwege, die über große Distanzen Geschwindigkeiten weit jenseits der 100km/h zuließen: die BALKAN BRESLAU Rallye forderte Mensch und Technik und bot uns in der letzten Woche die Möglichkeit an unsere fahrerischen Grenzen zu gehen.

Die Anfahrt im Service-Truck von Leipzig bis nach Teteven (nicht weit entfernt von Sofia) verlief weitestgehend unspektakulär, lediglich die bereits vor drei Jahren hier schon einmal bemängelte Maut-Abzocke in den einzelnen osteuropäischen Ländern sowie die Warterei und lästige Diskussion mit Zöllnern an den Grenzen nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien nervte uns massiv. Hatten wir etwas verpasst oder ist Europa eben doch nicht so offen wie man uns immer suggeriert? Die findigen Bürokraten dort haben’s sogar drauf guerillamäßig eine gut ausgebaute Umgehungsstraße zu sperren und dann in der notgedrungen, mühevoll zu durchfahrenden Stadt mal eben eine Extra-Maut zu kassieren. Willkommen im Mittelalter, willkommen auf dem Balkan!

Und dann kam noch eine unangenehme Sache – Kontrolle unseres Fahrtenschreibers und unserer NATÜRLICH nicht eingehaltenen Lenk- bzw. Ruhezeiten kurz nach dem Grenzübertritt nach Bulgarien. Am liebsten hätte ich den kontrollierenden Beamten gefragt, ob die Stunde die er uns gerade gestohlen hatte jetzt als Lenkzeit oder als Ruhezeit gilt, aber in Anbetracht unserer schlechten Verhandlungsposition schien die “Ich nix verstehen“-Strategie die beste zu sein. Allerdings sprach die Ordnungsmacht dann plötzlich perfekt deutsch – autsch!

Erschreckend haben wir auf der Fahrt zu Kenntnis genommen, wie schlimm das landschaftlich schöne Bulgarien zwischen Dreck, Müll, ex-kommunistischen Industrieruinen, hässlichen Plattenbauten und anderen Bausünden radikal verkommt. Schade, hier scheint es die letzten Jahre eher bergab als bergauf gegangen zu sein!

Soweit zur Anfahrt. Dann ging es aber auch schon ziemlich bald zur Sache: erster Tag mit Prolog und anschließender 113 km Nachtetappe durch die finstere bulgarische Wildnis. Diese Etappe, genauer gesagt die heftig anspruchsvolle Strecke, sollte uns gleich zeigen wo bzw. wie heftig es die nächsten Tage lang gehen wird. Unser hartes Fahrwerk, gepaart mit offensichtlich etwas zu hohem Reifenluftdruck reichte sämtliche Schläge direkt bis zu Wirbelsäule und Bandscheibe durch – dementsprechend kaputt waren wir am Ende und ich war erstaunt, dass unser YelowRacer den Höllenritt ohne jegliche Schäden am Fahrwerk überstanden hat. In der Nachtetappe hatten sich gleich einige Teilnehmer ‚verabschiedet’ indem sie sich überschlugen, ihre Fahrzeuge in Bäume crashten oder einfach irgendwo einen Hang runter rutschten. Die am nächsten Tag folgende Etappe über 191 km mit ähnlichen „Qualitäten“ sollte daran nichts ändern. Nur bei mir stellte sich allmählich Frust über die Strecke ein, die uns und unserem YellowRacer überhaupt nicht lag. Nur Gerüttel und Geschüttel im Wald, keine Möglichkeit schneller zu fahren, nichts als Wald und immer wieder Wald. Wo waren die versprochenen schnellen Strecken, wo war schöne Landschaft? Hier jedenfalls nicht!

Fortsetzung folgt …

Go East im Service Truck

Maut-Wegelagerer überall

Schön …

… ist anders

Beim Sponsoren Aufkleber Tapezieren

Showstart auf dem Markt in Teteven

Tankstopp zwischen zwei Wertungsprüfungen

Der G läuft gut!

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Last Minute Erlebnissammler

Noch reichlich zwei Wochen sind’s bis zur Abfahrt zur Balkan Breslau Rallye, und es war bis gestern nicht klar ob wir es schaffen. Nun steht fest: wir fahren nach und durch Bulgarien!  Anmeldung in letzter Minute, die letzten Tage und Stunden bis zur Abfahrt sind gezählt und straff durchgeplant.

Viel war und ist immer noch am Auto zu tun, einige Sachen hatten sich den ganzen Sommer über hingezögert. Eine der langwierigsten „Baustellen“ dabei ist die Änderung der Luftansaugung. Erfolgte diese bisher über den Fahrzeuginnenraum – und war selbst dort (z.B. bei der MT Rallye in Polen) nicht richtig vor Feuchtigkeit geschützt, soll jetzt ein eigens für unseren YellowRacer konstruierter Schnorchel die Luft weit oben vom Dach ansaugen. Na und dann gab es da noch andere Vokabeln und Teilenummern, die auf diversen, nicht enden wollenden ToDo-Listen (und Rechnungen …) auftauchten: Zylinderkopf, Injektoren, Turbolader, … , alles unter dem Motto Vorsorgen ist besser als bei der Rallye ausfallen und bauen zu müssen. Nun, wir werden sehen, ob wir genügend vorgesorgt haben – das Budget schreit „ES REICHT, SCHON LANGE!“, der Kopf meint „Aber wir müssten doch noch dies und das - wenigstens mitnehmen!“.

Auf jeden Fall ist die Anmeldung jetzt raus und das Startgeld ist gezahlt. Nun gibt es kein Zurück. Es folgt das übliche LKW Beladen und Packen, Anhänger Organisieren, wer, wann, was, wie, wo … nur „Warum?“ fragt eigentlich keiner – zum Glück!

Auf Bulgarien freuen wir uns ganz besonders! Hier sind wir vor fast genau drei Jahren zum ersten Mal gemeinsam in ein solches (Offroad-)Abenteuer gestartet, also der Peter und ich. Damals im gelben Toyota. Zusammen mit einer lustigen „deutschen Reisegruppe“. Schade dass dieses Mal keiner der alten Truppe dabei ist, hatten wir doch zahlreiche unvergessliche Erlebnisse während der Rallye quer durch Bulgarien (und damals auch Griechenland), selbst An- und Abfahrt lieferten unvergessliche Eindrücke – sowie mehrere Seiten in diesem Blog hier (weiter unten) und knapp 700 Fotos.

Ziel ist nicht dies qualitativ oder quantitativ zu übertreffen. Aber wir sind Sammler. Erlebnissammler! Und wir wollen unsere Sammlung weiter vergrößern …

Balkan – wir kommen!

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Baja300

baja300-13-00Inzwischen ist die Baja300 Mitteldeutschland 2013 längst Geschichte. Einige Facebook-Verweigerer haben mich angesprochen wie sie denn war die Baja300: „wolltet Ihr da nicht fahren?“. In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst, dass der Blog hier überhaupt nicht up-to-date war! Im Gegensatz zu unserer Facebook-Seite, auf die wir aus dem Fahrerlager aktuelle Informationen und Bilder geladen hatten. Ich hatte in der Vergangenheit auch schon überlegt, ob neben Facebook dieser Blog hier überhaupt noch Sinn macht, schließlich ist es im Vergleich zu Facebook hier schon deutlich anstrengender, Texte und Bilder einzustellen. Geschweige denn interaktiv und zeitnah – also von unterwegs - diese Informationen mit anderen Usern zu teilen sowie Meinungen und Kommentare einzusammeln. Aber es mach doch Sinn und ich gelobe Besserung!

Im Umfeld der Baja300, sowohl davor als auch unmittelbar danach war so viel los, und ich beruflich heftig unterwegs, so dass leider keine einzige Minute Zeit für den Blog hier war. Nur wenige Stunden vor der Baja300 in Berlin von einem anstrengenden Business-Trip aus London zurück gelandet, ging es unmittelbar danach schon wieder weiter. Business as usual, mal zwischendurch eben kurz eine Schlamm-Rallye fahren mit allem Drum-und-dran! Raus aus dem feinen Zwirn, rein in die Rallye- und Schrauber-Klamotten. Und damit Du Dich nicht zu sehr daran gewöhnst, geht’s danach gleich wieder anders herum. Irgendwie ist das wie zwischen zwei Welten hin und her springen - schön aber auch anstrengend. Kleines Highlight und wirklich keine geringe Herausforderung beim Sprung zurück in die Business-Welt nach einem solchen Motorsport-Event: Hände und Fingernägel bitte wieder so sauber wie vorher! Das macht sich nicht gut im Hobbyschrauber-Styling im Kundenmeeting oder gar im Presseinterview zu sitzen …

Aber fangen wir mal von vorne an. Zum Glück hatte ich zahlreiche Wochenenden vor der Baja300 intensiv damit verbracht, unseren Service-Truck und den YellowRacer entsprechend vorzubereiten. So dass sich unser kleiner Konvoi am Himmelfahrtstag recht schnell in Richtung Tagebau in Bewegung setzen konnte. Dem Wetterbericht vertrauend hatte ich natürlich in Erwartung eines trockenen, schnellen Rennens die entsprechenden Reifen aufgezogen. Dies erwies sich unmittelbar bei Ankunft im Tagebau und der Sichtung erster Streckenabschnitte als großer Fehler. Im Fahrerlager steckten LKWs, Wohnmobile und andere Fahrzeuge im tiefschwarzen Schlamm fest und mussten anstrengend geborgen werden. Der Regen hatte alles hier unter Wasser gesetzt und in Erinnerung an vergangene Veranstaltungen sowohl hier im Tagebau oder auch in Polen schwante mir nichts Gutes. Scheinbar gibt es für uns nur die zwei Extreme: entweder die Strecke ist äußerst trocken und (lebensgefährlich) staubig wie in den vergangenen zwei Jahren oder das Rennen wird zur Schlammschlacht.

Dies bedeutete für uns gleich nach dem Aufbau unseres Zeltes und der Anmeldung im Rennbüro einen kompletten Radwechsel.: alle vier Räder und zwei Ersatzräder mit BFGoodrich Baja T/A Reifen gegen Räder mit BFGoodrich MT Reifen tauschen. Immerhin, gefroren haben wir danach erst mal nicht mehr. Und danach kam dann sogar für einige Minuten die Sonne raus! Nach der technischen Abnahme, die auf dem Marktplatz in Hohenmölsen fast volksfestähnliche Stimmung und Umsatzexplosionen bei den umliegenden Gasthäusern und Eisdielen aufkommen ließ, waren wir dann rennbereit und versprühten Optimismus für die kommenden zwei Renntage. Der hielt leider nur bis zu dem Zeitpunkt an, an dem dann unwetterartige Regeschauer und Sturmböen über dem Fahrerlager niedergingen und jede Hoffnung auf ein Abtrocknen der Strecke ertränkte. Es wurde immer feuchter und schlammiger und ganz nebenbei flogen auch noch Zelte in der Größe eines Zweifamilienhausen umher und begruben das eine oder andere Fahrzeug befreundeter Teams – zum Glück nicht unseres.

Nach ausreichend Schlaf ging es dann am Freitagmittag an den Start in die erste Wertungsprüfung. Sechs Runden á ca. 40 km galt es zu absolvieren, wobei besonders trickreich jede zweite Runde ein wenig anders angelegt war. Im Roadbook war alles bestens dokumentiert und wir wussten um die Problematik, trotzdem bogen wir in der vierten Runde falsch ab und wiederholten dummerweise die dritte Runde – dies kostete uns mindestens einen CP und damit eine Stunde Strafzeit! Verdammt, nur eine Sekunde nicht aufgepasst! Das uns das passieren muss! Na hätte ich mal nicht auf den Navigator gehört … ! Nein, ich glaube Peter hat sich in dem Moment noch mehr geärgert als ich und ich hatte genügend mit der schlammigen, rutschigen Strecke und einer extrem eingeschränkten Sicht aufgrund der schlammverschmierten Scheiben rundum zu tun. Blöd nur, dass uns dies gleich wenige Meter nach der falschen Abbiegung aufgefallen war, aber einfach umkehren und gegen die Strecke fahren war auch nicht drin. Das war mir zu gefährlich. Ich war froh, dass unser YellowRacer in dem Schlamm überhaupt meistens das machte, was ich von ihm wollte und nur manchmal Gas geben und pures Hoffen auf ein Vorankommen in die jeweils avisierte Richtung half. So kamen wir ganz gut voran, auch schien die Strecke von Runde zu Runde etwas abzutrocknen. Dafür waren einige Abschnitte schon extrem von den LKWs ausgefahren und uns half hier nur Lenkrad festhalten und maximales Drehmoment an alle vier Räder zu schicken. Erstaunlich, wie gut sich der YellowRacer durch den Schlamm grub!

Im Laufe der sechsten und letzten Runde merkte ich jedoch dann, dass sich der YellowRacer zunehmend schlechter Lenken ließ. Irgendetwas funktionierte nicht wie es sollte, jeder größere Stein oder andere Unebenheit riss mir das Lenkrad aus der Hand und verursachte eine gefährliche, plötzliche Änderung der Fahrtrichtung. Ich musste höllisch aufpassen, dass wir nicht von der Strecke kamen. Als wir dann endlich glücklich durchs Ziel rollten, war die Lenkung so fest, dass sich das Auto fast gar nicht mehr um irgendeine Kurve bewegen ließ. Aber immerhin, wir hatten die erste WP geschafft!

Und das gar nicht so schlecht! Als gegen Mitternacht die Ergebnisse veröffentlicht wurden, glaubte ich meinen Augen nicht - wir waren in unserer Klasse (T1, mache sagen dazu Profi-Klasse …) auf den dritten Platz gefahren. Mit nur 16 Minuten Rückstand auf den Zweiten (Gelder/Heimans auf Bowler Tomcat) und 1:13 auf den Ersten (Koepp auf Lennson CC). Und das alles mit einer Stunde Strafzeit aufgrund des verpassten CP’s. Heißt Platz zwei mit nur 16 Minuten Rückstand auf Platz eins wäre drin gewesen! Wenn … naja lassen wir das.

unser kleines Camp steht

nach der technischen Abnahme - noch ist er sauber …

dann ziehen Unwetter auf

Startaufstellung zur ersten WP (Foto 4×4 Club)

überall Schlamm! (Foto PDT Offroad)

matt braun anstatt glänzend gelb

Rangliste Klasse FIA T1 SCORE nach 1. WP

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Same procedure …

… as every year! Die Baja300 Mitteldeutschland rückt näher, die Tage sind gezählt – ja sogar die Stunden. Bis dahin ist wieder eine ganze Menge zu tun. Jedes Jahr dasselbe! Lange To-Do- und Checklisten sind abzuarbeiten: am, im und unter dem YellowRacer und darüber hinaus auch im Service-Truck. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Liste oben zwar von Tag zu Tag kürzer wird, aber unten kommt immer wieder was hinzu. Irgendwie gibt es immer noch was zu erledigen!

Philipp hat im Laufe des langen Winters einiges am YellowRacer repariert bzw. vorsorglich ausgetauscht: Bremsen, Kupplung, Anlasser, Lenkwelle und Antriebswellen sind nur einige der Baustellen, um die er sich professionell gekümmert hat. Und natürlich gab es da auch gleich noch die eine oder andere neue Idee, die jetzt noch auf meiner To-Do-Liste steht und die es noch bis Himmelfahrt abzuarbeiten gilt. Einige Beispiele gefällig? Bitte: Staubleuchte-Spezial gemäß dem Baja-Reglement, On-board-Kamera, RearView-Kamera (damit mir nicht wieder irgendein Bekloppter in die Seite kracht, weil ich ihn angeblich „stundenlang“ nicht vorbei gelassen hätte – obwohl er im Rückspiegel nicht zu sehen war!), Trinksystem, Luftansaugung optimieren, Kühlwasserbehälter ändern, Räder auswuchten und wechseln, Flüssigkeiten checken, einige kosmetische Verbesserungen und und und …

Und dann muss der Service-Truck noch zum TÜV (hoffentlich macht der keine Probleme!), alle Kisten, Werkzeug, Zelt, Betten usw. wieder eingeladen werden – ach ja, ich wollte ja noch da was am Aufbau ändern und dort was neues einbauen. Und ein Fenster soll auch noch in den Kofferaufbau hereinoperiert werden, damit die Herren des Teams in der First-Class Lounge frische Luft beim Schlafen bekommen. Sonst noch was?

Ach ja, die Logistik: wann holt, lädt, betankt und fährt eigentlich wer welches Fahrzeug? Der ängstliche Blick in den Kalender verrät mir, dass zwischen hektischem Business noch am Tage vor Himmelfahrt in London mit anschließend letztem Flug nach Berlin und geplanter Abfahrt des Rallye-Trosses zur Baja300 bei Leipzig nur wenige Stunden Zeit liegen. Wehe wenn da was schief läuft! Aber wir sind optimistisch, alles läuft nach Plan. Wie jedes Jahr.

Ach so, ich muss jetzt aber schnell zum Flieger …

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Donuts im Schnee

Während ich vom Polarkreis aus wieder zurück in die „Zivilisation“ fliege, fällt der Blick auf die unter uns liegenden, tausenden Eis- und Schneeflächen der kleinen und großen zugefrorenen Seen und Flüsse des Landes, aber auch auf die endlosen Wälder, die vereinzelt von verschneiten Straßen und Wegen durchzogen werden. Auf so mancher Schnee- oder Eisfläche sieht man selbst von hier oben zahlreiche Spuren, die von diversen Fortbewegungsmitteln wie Skier, Snowmobil, (Allrad-)Auto oder anderem technischem Gerät stammen. Bei uns erzeugen im kurzen Sommer einige wenige „außerirdische“ Spaßvögel mancherorts Kornkreise - hier sieht man nicht wenige, garantiert von driftenden Autos stammende runde oder wellenförmige Spuren im Schnee auf den Gewässerflächen. Da werden der See oder Fluß ganz einfach zum Trainings- oder Spaßgelände gemacht und mit dem Auto ein paar Donuts in den Schnee gemalt – sicher auch ein gutes Mittel gegen die hier wohl im langen und meist dunklen Winter häufig auftretende Depression. Kein Wunder, dass dieses sportbegeisterte Land einige gute Renn- und Rallye-Fahrer hervorgebracht hat.

Bei diesen Gedanken laufen im Kopf auch noch einmal „Filmschnipsel“ der letzten zwei Tage des Rallye-Trainings ab. So mancher gut gelungene Drift taucht da auf, aber auch viele der nicht gelungenen und am zweiten Tag in der Schneewand geendeten Kurvenfahrten. Bei den vielen gefahrenen Kurven und Kehren, insbesondere am zweiten Tag, an dem wir mit hoher Geschwindigkeit auf einer abgesperrten Rallye-Strecke unterwegs waren, fällt mir die Abschätzung der persönlichen Bilanz relativ schwer. Das Stimmungsbarometer während der Rallye-Stage schwankte extrem: war man gerade mit einigen perfekt quer genommenen Kurven zufrieden, kam dann in der nächsten Kurve oft schon der mentale Rückschlag – entweder das Auto untersteuerte stark und war nicht mehr in der Ideallinie um die Kurve zu bekommen oder schlug gleich (in die zum Glück weiche) Schneewand am Rande der Strecke ein. Mal so, mal so; alles in allem aber war ich ganz zufrieden – für’s erste Mal. Zufrieden? Naja, zumindest solange bis einer der „Fahrlehrer“ Armin Schwarz oder Mark Wallenwein zwischendurch immer mal das Steuer übernahm und mir daneben sitzend zeigte, wie Rallye-Driver ihres Schlages den Subaru über die kurvige Distanz schickten. Schluck - OK, reden wir nicht drüber …

Und trotzdem: hat riesigen Spaß gemacht und es bleibt die Hoffnung das Gelernte demnächst im Gelände auch mit dem YellowRacer – zumindest ansatzweise - umzusetzen.

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Tanz auf dem Eis

Mir ist schlecht. Nach unzähligen Pirouetten heute auf Eis und Schnee dreht es am Abend auch noch ohne im stahlblauen Subaru zu sitzen weiter und weiter. Ich kann zwar nicht sagen in welche Richtung es dreht, aber es dreht … Nein, kein Alkohol im Spiel!

Als die Profis uns das heute Morgen hier im finnischen Saariselkä demonstriert haben, sah das sooo leicht und elegant aus. Hätte man fast einen Wiener Walzer dazu abspielen können, links-zwei-drei- links-zwei-drei und drehen-drehen, rechts-zwei -drei …

Dann selbst hinterm Steuer - gar nicht so einfach der gepflegt Drift. Selbst auf Eis und Schnee braucht das einige Übung, Fehlschläge und Einschläge (in die Schneemauer) inbegriffen - wie machen die das nur auf Asphalt? Aber nach einiger Zeit ließ sich die Fahrmaschine tatsächlich zum Tanz auffordern und drehte mit mir so einige Runden auf dem Parkett - äh’ Eis. Ja, manchmal auch dorthin, wohin ich wollte …

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Let’s drift!

Dieses Wochenende steht nach dem bisher viel zu langen Winter endlich wieder mal ganz im Zeichen des gepflegten Allradvortriebs, abseits von Asphalt und Zivilisation. Eigentlich wie immer wenn man sich offroad bewegt. Aber trotzdem ganz anders. Diesmal gibt’s keinen Schlamm, kein Sand, kein Geröll, kein Wasser – naja nicht direkt Wasser. Schnee eben, nichts als endloser Schnee und Eis! Ganz weit oben am Polarkreis ist Rallyetraining angesagt. Bis zu minus 40°C kann es werden, zum Glück sind es gerade mal so um die minus 10°C. Finnland, Lappland, Allradland, Subaru-Land.

Subaru-Land? Ja, dieses Wochenende ist Fremdgehen angesagt. In der Tiefgarage des Hotels stehen acht Subaru WRX STI: Rallye-Fahrzeuge ab Werk. 300PS, 2,5 Liter, Allrad, „Rallye Monte Carlo“-Spikes. Diese blauen Fahrmaschinen werden hier von Armin Schwarz und seinem Team garantiert artgerecht gehalten und eine davon soll mir für die nächsten zwei Tage die kalten Außentemperaturen vergessen machen und kräftig einheizen.

Man(n) lernt ja bekanntermaßen nie aus und hier auf den einsamen Eis- und Schneeflächen am fast nördlichsten Punkt Europas sind ideale Verhältnisse um sich in aller Ruhe und unter Armin’s professioneller Anleitung einem Rallye-Fahrtraining zu unterziehen. Handlingstrecken, Slalom, (hoffentlich …) kontrollierte Drifts und was alles noch so dazu gehört stehen auf dem Programm. Ab morgen.

Bis dahin blieb noch genügend Zeit, um sich dem frischen weißen Puder anzunehmen und eine andere Art der Fortbewegung kennenzulernen. Snowmobil - es braucht nicht immer Räder um Fun zu haben! Nach einigen vorsichtigen Kilometern zur Eingewöhnung ließ sich das unglaublich agile Gefährt gut beherrschen und machte einen Heidenspaß. Schnelle Drifts, auch Jumps und Geschwindigkeiten bis über 100km/h auf unendlichen Schneepisten – lange nicht mehr so ein breites Grinsen im Gesicht gehabt!

Und ich schätze mal das wird morgen nicht anders …

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Anflug auf den Polarkreis

Trainingsgerät

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Grande Finale (MT Series)

Am Sonntag stand die letzte, mit ca. 60Kilometern deutlich kurze Etappe der MT Series 2012 an. Beim morgendlichen Briefing versprach man uns, dass es heute (endlich …) trockener und schneller werden sollte – und man hatte uns nicht zu viel versprochen! Vom achten Startplatz aus kamen wir gut über den zunächst doch erst mal schlammigen, dann aber zunehmend trockeneren Kurs und erreichten auf schnellen und meist weit einsehbaren Streckenabschnitten durchaus auch Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h. So ‚gepflegt’ hatten wir uns lange nicht mehr durchs Gelände bewegt! Ohne jegliche Navigationsprobleme (hatten wir ja wohl an den vorherigen Tagen genügend!) rauschte die Etappe an uns vorbei und viel schneller als erwartet waren wir zurück im Ziel. Als die ORGA-Leute uns nach der Zieleinfahrt sagten, dass wir als viertes Fahrzeug ins Ziel gekommen sind, waren wir stark begeistert. Tatsächlich hatten wir die Schlussetappe als viertschnellstes Team absolviert, konnten unsere Gesamtplatzierung jedoch nur um einen Platz, auf Platz 7 verbessern. Offensichtlich lagen wir aufgrund der beiden Patzer der vorangegangenen Etappen doch ziemlich stark im Rückstand auf die führenden Teams, so dass wir hier nicht mehr viel aufholen konnten. Aber immerhin, endlich mal wieder eine Rallye komplett durchgefahren! Keine Schäden am Fahrzeug, vier Tage Spaß pur und – für uns – kein schlechtes Ergebnis. Bleibt noch zu erwähnen, dass wir wohl – unerwartet – das schnellste deutsche Team in unserer Klasse (CrossCountry T1) waren und da die MT Series offensichtlich ohne unser Wissen als GORM-Lauf gewertet wurde, wir für diesen Lauf plötzlich auf Platz 1 standen. Das kann ja mal passieren …

Und sonst? Ende gut – alles gut! Die Zeit bis zur Abschlusszeremonie konnten wir noch gut mit einer ausgiebigen Fahrzeugwäsche und dem Verladen und Festzurren aller Utensilien in unserem Truck überbrücken. Überhaupt war ich sehr zufrieden wie sich der in den letzten Wochen vor der MT erfolgte LKW-Ausbau über die vergangenen Tage ganz gut bewährt hat. Sicher gab es hier und da noch Optimierungspotenzial, aber im Großen und Ganzen hat alles bestens funktioniert und fast alles hatte seinen richtigen Platz! Ein großer Dank an die Unterstützer und Helfer beim Ausbau ist hier unbedingt angebracht, zu erwähnen vor allem die Firma Metallbau Korff und Jörg Peter.

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Camp-Abbau und Verladen

Alles an seinem Platz

Auch unser Kran leistet seinen Beitrag

Quartier für Mensch und Räder

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Zahlendreher

mts2012-9Der zweite Tag der MT Series ging nach nur knapp vier Stunden Schlaf eindeutig zu früh los. Bereits 07:30 Uhr war Fahrerbesprechung angesetzt, und wir waren nach der Nachtetappe nicht vor 03:00 Uhr ins Bett gekommen. Warum tut man sich das eigentlich an? Am Wochenende, bei dieser Kälte hier knapp über Null Grad, rundum die ganze Nacht lärmende Stromaggregate, der Kopf schmerzt grippal, alles voller Schlamm und dann regnet es auch noch unaufhörlich! Könnte man nicht einfach Zuhause im Warmen und Trocknen ausschlafen und sich dann in aller Ruhe duftenden Bäckerbrötchen, einer gepflegten Tasse Kaffee und dann der Samstagszeitung widmen?!

NEIN! Um Gottes Willen, wer bitte will den sowas? Wir wollen die volle Ladung Adventure! Zum Glück hatten wir wenigstens ordentlichen Kaffee im Camp, damit war der Morgen einigermaßen zu ertragen. Nach dem heißen Zaubertrank standen vor allem einige Startvorbereitungen, Tanken und das Studium des Roadbooks auf dem Programm. Trotz großer Müdigkeit mussten wir dann bald an den Start der samstäglichen Wertungsprüfung, ca. 180 km sollten heute absolviert werden. Gleich die ersten 1.800 Meter davon waren in einem Kompasskurs zurück zu legen. Saublöd nur, dass Peter bei der Eingabe der Daten in unser GPS-Gerät daraus gleich mal 1.800 Kilometer gemacht hat und wir so dermaßen engagiert losgetobt waren, dass wir den Fauxpass erst ziemlich spät bemerkten, schätzungsweise drei oder vier Kilometer vom eigentlichen Endpunkt des Kompasskurses entfernt - wir waren viel weiter gefahren als nötig! Na die Etappe ging ja richtig gut für uns los …

Glücklicherweise bemerkten wir gleichzeitig, dass sich - wodurch auch immer - die Kalibrierung unseres Tripmasters verstellt hatte. Also das war das Problem der letzten Nacht! Deshalb stimmten alle Roadbook-Angaben plötzlich (für uns) nicht mehr! Durch die Verstellung der Kalibrierung des Tripmasters zeigte dieser nur ca. 2/3 der tatsächlich zurückgelegten Distanz an, was natürlich wenig hilfreich ist und uns in der letzten Nacht fast verzweifeln ließ.

Offensichtlich war Peter „in der Hitze des Gefechts“ in der vergangenen Nacht unbemerkt an eine der Tasten der Kalibrierung des Tripmasters gekommen und hatte diese dadurch total verstellt. Die sind aber auch blöd positioniert! Bei dem Gerüttelt und Geschüttel im Tiefflug über die Panzerwellen muss man da ja mal drankommen! Scheinbar ein Problem, über das die Herren Entwickler des Gerätes nicht wirklich nachgedacht haben. Aber auch wir verschwendeten nach der Wiederherstellung der richtigen Kalibrierung keinen weiteren Gedanken mehr daran und nahmen jetzt – nachdem wir das Ende des von uns vergeigten Kompasskurses leicht anhand einiger im Kreis irrender Wettbewerber schnell fanden – die ordnungsgemäße, deutsch-gründliche Abarbeitung des Roadbooks in Angriff.

Ab jetzt ging nichts mehr schief, wir fuhren ohne Probleme von Roadbook-Bild zu Roadbook-Bild dem Ziel entgegen und kamen recht zügig über die 180 Kilometer Distanz. Wenn man mal von den zahlreichen Pinkelpausen unseres Navigators absieht, die uns im regelmäßigen Abstand zum Ankern zwangen. Dabei holten uns regelmäßig andere Teilnehmer wieder ein, die wir zuvor im mühseligen Zweikampf überholt hatten. Na die werden sich auch ihren Teil über unsere Rennstrategie gedacht haben …

Und sonst? Bis auf die braune und nasse Pampe, die wieder im Fußraum unseres YellowRacers hin und her schwappte und rundum alles verschmierte. Etwas Sorge bereitete mir die Feuchtigkeit vor allem im Hinblick auf die Luftansaugung, die bei unserem Racer aus dem rechten Fußraum erfolgt. Wir hatten nach der Nachtetappe schon etwas Feuchtigkeit im Luftfilter festgestellt und ich hoffte, dass uns das hier keine weiteren Probleme machte.

Hat es nicht und es gab auch keine weiteren „Vorkommnisse“ oder Ärgerlichkeiten. Im Gegenteil, gut gelaunt aber total müde und erschöpft erreichten wir das Ziel und konnten nur wenig später im Camp Eki’s Kochkünste genießen. Und uns über den bis dahin erreichten 8. Platz in der Gesamtwertung freuen. So muss ein Rallye-Tag zu Ende gehen …

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mts2012-1
GPS Track der 2. Etappe mit Pinkelpausen (P)
Schlamm außen … (Bild 4×4 Club Leipzig)
… und innen (Bild 4×4 Club Leipzig)
Luftfilter ist naß (Bild 4×4 Club Leipzig)
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Braune Brühe überall!

Tomasz und Moli hatten am vergangenen Wochenende wie immer im Herbst zur MT Series gerufen. „MT“, inzwischen das Synonym für tiefe Panzerwellen und Sandstrecken, Nachtetappe(n) = Schlafdefizit und kalte Nächte im polnischen Wald. Aber auch für gute Organisation und für angenehme Leute rund um die Orga – zu einigen hat sich im Laufe der Zeit fast schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Daher war es nach der verletzungsbedingten Absage unserer Teilnahme an der Breslau Balkan im September kein großes Thema, die Entscheidung stand schnell fest: wir fahren zur MT!

Natürlich hatten wir unsere schmerzlichen Fahrwerks-bedingten Ausfälle mit unserem Toyota bei den letzten beiden MT-Veranstaltungen nicht vergessen und waren gespannt, wie sich unser neuer YellowRacer in diesem anspruchsvollen Gelände benehmen würde. Natürlich überwiegte der Optimismus, unterscheiden sich die beiden Fahrzeuge hinsichtlich Fahrwerkskonzept (Starrachse vs. Einzelradaufhängung), Rampenwinkel, Bodenfreiheit und Fahrzeuggewicht bzw. dessen Verteilung / Schwerpunkt doch grundsätzlich. Aber ein gesunder Respekt vor der Strecke und insbesondere vor einem jetzt möglicherweise insgesamt höheren Tempo bleib doch. Was ja nicht schlecht ist, weckt das die Aufmerksamkeit doch ganz besonders.

Auf dem Weg nach Polen lernten wir dann auch mal wieder ganz neue Fans kennen. Beim Reifendienst, der uns nach einem ziemlich lautstarken Reifenplatzer an der Hinterachse unseres Service-Trucks mitten auf dem Berliner Ring nach gut zwei Stunden Aufenthalt und um fast 300 Euro erleichtert, winkend vom Hof verabschiedete…

Man gönnt sich ja sonst nichts und ohne solche Einlagen wäre es doch glatt langweilig! Ohne weitere Ärgernisse meisterten wir dann doch noch die weitere Anfahrt ins Rallye-Camp, wo einige Freunde vom 4×4 Club Leipzig schon unser kleines, aber feines Club-Camp eröffnet hatten. So mit geheiztem Zelt und anderen snobistischen Annehmlichkeiten - bei nächtlichen Temperaturen unter Null war aber auch jede Wärmequelle begehrt! Grippal verseucht gelang es mir dann doch die Nacht mit zwei Schlafsäcken und Wollmütze im LKW-Fahrerhaus zu überstehen.

Der folgende Tag bot noch genügend Zeit für finale Checks am YellowRacer, das möglichst knitterfreie (Peter!) Anbringen der üblichen Aufkleber, technische Abnahme und dann das Warten auf den Prolog. Die knapp fünf Kilometer des Prologs hatten es hinsichtlich Schlamm und nassem Sand ziemlich in sich und ließen für die folgenden Etappen nichts Gutes erwarten. So gut wie jede Panzwerwelle war fast komplett mit Wasser oder Schlamm gefüllt! Der YellowRacer kam extrem schnell ins Rutschen und Schlingern, mit unseren BFGoodrich Baja Reifen, die uns bei der extrem trockenen Baja300 im Frühjahr einen sehr guten Dienst erwiesen hatten, waren wir hier absolut fehl am Platz. Also hieß es nach dem Prolog – den wir trotzdem ganz gut bewältigen konnten - unbedingt Radwechsel: MT-Reifen aufziehen. Aha, daher also der Begriff „MT“ = Mud Terrain = MT Rallye … oder so. Und noch was unangenehmes: Wasser und Schlamm drang von allen Seiten ins Fahrzeuginnere ein, im Fußraum stand die braune Brühe mehrere Zentimeter hoch und sogar die Frontscheibe war von innen (!!) mit Schlamm bespritzt. Wow, was sollte das erst nach mehr als 100 Kilometern werden?

Mit einiger Spannung erwartete ich auch, für wie viel Licht unsere LED-Lichtzeile auf dem Dach des YellowRacers während der anschließenden Nachtetappe über etwas mehr als 90 Kilometer tatsächlich sorgen wird und wie standfest und dreckanfällig die Konstruktion letztlich ist. Und was ist mit Ästen, den natürlichen Feinden der richtig teuren LEDs? Werden wir uns eventuell selbst blenden, entweder im Nebel oder gar über die Motorhaube? Zwar war alles in der heimischen Garage und im Gelände „vor der Haustür“ getestet, aber ein über mehrere Stunden durch viel Schlamm, Wasser und Wald verlaufendes Rennen mit verschmierten Scheiben und Scheinwerfern ist eben doch was anderes. Was soll ich sagen – besser hätte es nicht funktionieren können! Der Wald vor uns wurde taghell und offensichtlich war auch ein riesiges Wiesent – ein gigantischer schwarzer Brocken mit leuchtend grünen Augen, der direkt am Waldweg stand – so von der plötzlich auftauchenden Sonne erschrocken, dass er wie erstarrt stehen blieb. Zum Glück! Nicht auszumalen, wenn der auch nur einen Schritt in unsere Richtung gemacht hätte …

Über drei Viertel der Strecke kamen wir gut und ohne jegliche Navigationsprobleme voran. Wir waren begeistert, wie sich unser Fahrwerk mit den tiefen Panzerwellen arrangierte, nicht ein einziges mal verspürten wir so etwas wie einen Schlag oder eine Bodenberührung – wir wippten ohne Probleme über jede Welle, eine gänzlich neue „Er-Fahrung“! Von einem Roadbook-Bild auf’s andere passte dann aber plötzlich gar nichts mehr. Verdammt, wir waren total raus! Nach mehrfachem Abfahren aller möglichen und unmöglichen Varianten rund um die betreffende Stelle, bei dem fast 40 Minuten ohne jeglichen Fortschritt vergingen, entschieden wir uns dann zwangsläufig, einem anderen Teilnehmer zu folgen. Auch hier gelang es nicht wirklich, wieder unsere Fahrt mit dem Roadbook zu synchronisieren. Was war geschehen? Ohne eine Antwort darauf und ziemlich frustriert darüber – aber trotzdem zufrieden hinsichtlich der Leistungsfähigkeit unseres YellowRacers kamen wir schließlich stark übermüdet ins Ziel. Das – selbst verursachte – Problem konnten wir dann erst am folgenden Tag erkennen und zum Glück beheben …

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Da bist Du platt …
Boxenstop bei Berlin
MT Rally-Camp des 4×4 Club Leipzig
Letzte Checks am YellowRacer
Wie machen sich die LED’s auf dem Dach?
Nächtliche Irrfahrt - wir sind raus …
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Wir sind wieder da …

… also nicht nur in diesem Blog hier, aber dazu später mehr. Auch wenn es hier einige Zeit ziemlich ruhig war, so hat sich doch einiges getan in den letzten Wochen und Monaten. Leider war viel zu wenig Zeit, dies alles zu dokumentieren.

Es gäbe viel zu berichten, angefangen von unserem YellowCruiser. Der Toyo wurde inzwischen Beweisobjekt in einem garantiert spannend werdenden Gerichtsprozess. Allerdings ist hinsichtlich einer öffentlichen Berichterstattung diesbezüglich sicher (zunächst) etwas Zurückhaltung angebracht, Insider wissen aber schon worum es geht. Die gute Nachricht: unsere Rechtsschutzversicherung konnte unseren Argumenten, Beweisen und Gutachten folgen und übernimmt alle Kosten für Anwälte, Gutachter und Gericht. Na dann mal auf in die Schlacht, die Arena wechselt mal eben von der Rallye-Piste in den Gerichtssaal. Bemerkenswert ist aber, dass es hier – fernab von Staub und Schlamm – trotzdem ziemlich „schmutzig“ zuzugehen scheint …

Und dann wäre da auch der Ausbau unseres Service-Trucks: gleichzeitig mobile Werkstatt und „Rallye-Hotel“. Inzwischen ist der Innenausbau vom Doppelstockbett über Regale, Werkbank, Wassertank und Reifenlager bis hin zur Beleuchtung und Solaranlage so gut wie abgeschlossen. Und der Truck hat sich am letzten Wochenende auch bereits perfekt bewährt!

Ach ja, dann gab es auch noch die plötzliche, verletzungsbedingte Absage unserer fest geplanten Teilnahme an der Breslau Balkan Rallye im September. Zu schade, wir hatten uns auf zwei Wochen voller Abenteuer und neuer Eindrücke in Osteuropa gefreut! Mitten in den Vorbereitungen mussten wir aber leider die Reißleine ziehen und daheim bleiben.

Also, doch viel passiert in letzter Zeit. Und was ist eigentlich mit Rallye?

Wie ich schon sagte, wir sind wieder da! Am letzten Wochenende stand die aktuelle Ausgabe der MT Series Rallye in Polen auf dem Programm. Nachdem wir „dank“ der bei Gericht zu besprechenden (…) Probleme am Toyota sowohl bei der MT Series im Vorjahr als auch bei der MT Rally in diesem Frühjahr mit diversen Schäden am Fahrwerk abbrechen mussten, haben wir uns jetzt wieder nach Drawsko Pomorskie gewagt und uns dort mit dem neuen YellowRacer ins schlammige Vergnügen gestürzt. Das haben wir vorher nicht an die große Glocke gehängt, wollten wir doch erst mal ganz für uns allein sehen, wie wir uns schlagen. Wie wir dann trotz zweier massiver Navigationspatzer und „Peter’s Pinkelpausen“ durch die Rallye gekommen sind und mal nebenbei als Sieger im GORM-Finallauf gewertet wurden, lest Ihr dann aber im nächsten Blogeintrag.

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Baja300 MD - Stage 2

Zweiter Tag im Rennen um die Baja300 Mitteldeutschland. Zweiter Tag Staub und Hitze. Zweiter Tag im neuen YellowRacer. Zweiter Tag volle Konzentration. Zweiter Tag ohne Erbarmen fürs Popometer …

Zweiter Tag am Start zwischen zwei Konkurrenten, bereit zum ersten Dreikampf der Etappe um die ersten Kilometer und gleichzeitig um gute Sicht oder eben Staubwolke und Dreck voraus. Aber diesmal war ja der zweite Tag und wir wollten heute nach vorn. Somit gelang es mir spielend die zwei anderen Fahrzeuge rechts und links neben mir am Start stehen zu lassen, unser brüllendes AMG-Triebwerk schob uns kräftig an und wir hatten die ersten Kilometer die vor uns liegende Strecke für uns und somit ganz gute Sicht. Naturgemäß hielt dies nicht lange, als wir auf ein kurz vor uns gestartetes Fahrzeug aufschlossen, war es damit vorbei und wir kamen in den unschönen Genuss der vor dem Rennen lang und intensiv diskutierten, vom Reglement geforderten weißen Staubleuchten am Heck der vor uns fahrenden Fahrzeuge. Doch doch, die Forderung erschien uns jetzt vernünftig, die weißen Lichter voraus sah man deutlich besser als die üblichen roten Rückleuchten.

Die ersten zwei bis drei Runden entwickelten sich gut für uns, allerdings sahen wir die ersten ausgefallenen Fahrzeuge am Rand stehen. Dabei laufen dann immer gleichzeitig zwei durchaus widersprüchliche (Kurz-)Filme vor dem geistigen Auge ab: einerseits natürlich steigt die Hoffnung auf eine bessere eigene Platzierung, wenn als Favorit gehandelte bzw. in der Wertung weiter vorn liegende Teams ausscheiden. Andererseits fühlt man aber auch mit den ausgefallenen Teams und kann den Schmerz und die Enttäuschung über das plötzliche Aus nachvollziehen. Auch wird man selbst knallhart an die dünne Linie zwischen Ankommen auf der einen Seite und technischem Ausfall oder gar Unfall auf der anderen Seite erinnert.

Und das diese Linie ganz dünn ist durften wir zunächst in der dritten Runde erfahren, als uns ein ganz besonders unsportlicher Typ genau in einer Rechtskurve, direkt vor einer Passage, an der definitiv nur ein Auto durch passte - diese war extra mit gut sichtbaren Straßenpfosten markiert !! - , aus heiterem Himmel voll in die rechte Seite knallte, weil er wohl meinte er muss dort auch unbedingt noch mit oder gar vor uns durch. Nur wenige Sekunden später wäre über endlose breite Pistenkilometer genügend Platz gewesen und es ging bei dem Kollegen auch überhaupt nicht mehr um eine nennenswerte vordere Platzierung! Wie krank ist das denn?

Der Schreck hielt einige Zeit an, nicht zu sprechen vom heftigen Schaden an diversen GFK-Teilen unseres YellowRacers. Aber es ging trotzdem weiter! Wir waren die ersten drei Runden deutlich schneller als am Vortag unterwegs - bestätigten uns hinterher auch manche der wieder voll in Hitze, Kohlestaub und Dreck stehenden CP-Posten. Hitze und Dreck durften wir dann aber leider auch genießen - nur wenige Kilometer nach dem Zusammenstoß, konkret in der vierten Runde, stellte unser YellowRacer nach einem Gangwechsel und ohne Vorwarnung plötzlich jeglichen Vortrieb ein und ließ sich nur noch schiebend an die Seite und später durch ein Abschleppfahrzeug der ORGA von der Strecke schieben. Ich tippte auf Kupplung oder Getriebe.

Damit waren wir aus dem Rennen und durften über fast vier Stunden (3h 48min, siehe Bild oben) im glühend heißen Sand sitzend und mit massiv zur Neige gehenden Flüssigkeitsvorräten das Ende des Rennens abwarten. Death Valley in Mitteldeutschland. Schatten nur unterm Auto, die 2m hohen Birken am Streckenrand erzeugten nicht mal annähernd etwas was man Schatten nennen konnte. Überall nur Dreck und Staub, jetzt konnten wir fühlen was die Leute von der ORGA an den CPs auf der Strecke leisten. Und wir durften auch wieder erleben, wie es sich jenseits der anderen Seite der dünnen Linie anfühlt …

Insgesamt dann Platz 38 von 85 in unserer Klasse gestarteten Fahrzeugen. Ach reden wir nicht darüber!

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Vortrieb ohne Ende …
Und er fliegt
Death Valley in Mitteldeutschland …
… und kein Tropfen Wasser!
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Baja300 MD - Stage 1

Die erste Etappe im Rennen der Baja300 ließ sich für uns erstaunlich gut an. Mit solch gut gemeinten Ratschlägen zu unserem neuen YellowRacer im Ohr wie “das Auto kann mehr als Du denkst”, “Du bist das Limit, nicht das Auto” und auch “Du solltest erst mal nur 60% von dem fahren, was Deiner Meinung nach gehen würde” gingen wir am Freitag Mittag auf die Strecke im Tagebau, um die sieben geforderten Runden á ca. 35 km unter die Räder zu nehmen. Erklärte Strategie war die Sache einigermaßen ruhig anzugehen, erst mal das Auto und die Strecke kennenlernen und dann später etwas mehr Druck aufs Pedal zu schicken.

Drei Fahrzeuge am Start nebeneinander, gleich zu Beginn schien es ums Ganze zu gehen. Mir war klar, wer den Dreier-Start gewinnt, hat die ersten Kilometer mit hoher Wahrscheinlichkeit gute Sicht. Denn es war wieder extrem trocken und staubig im Tagebau und wer hinterher fährt hat die sogenannte A****-Karte gezogen und sieht nix. Allerdings hat der Gewinner des Start-Triells (sagt man doch so für ein Duell zu dritt, oder?) gleich zwei Verfolger am Heck kleben und macht sich sicher keine Freunde als “Anfänger” mit neuem Auto, der sich erst mal an dessen Fahrverhalten gewöhnen und dann auch noch während der ersten Runde  die Strecke lesen will. Also entschied ich mich kurzfristig dafür, die Kollegen los ziehen zu lassen, sollten die doch erst mal richtig los toben. Man sieht sich garantiert in der zweiten oder dritten Runde - und schon waren wir dem Sand- und Kohlenstaub ausgeliefert …

Diese Entscheidung erwies sich als gar nicht so schlecht. Bis auf den Staub kamen wir gut voran und fanden dank unseres “CP-Finders” Peter die Strecke und sämtliche Checkpoints. Die hier tätigen ORGA-Leute waren bei der Hitze und vollständig in Dreck und Kohlestaub umhüllt nicht zu beneiden, Hut ab! Peter kannte die Strecke bald wieder auswendig, einschließlich erster und zweiter mathematischer Ableitung sämtlicher Kurvenradien sowie Tiefe, Breite und geologischer Zusammensetzung fast aller Bodenwellen und Pistenlöcher und konnte mir so sehr gut den Weg weisen. Über die Bodenwellen, denen wir nicht ausweichen konnten oder wollten, hüpfte unser YellowRacer ohne Probleme und schien sogar seine Freude daran zu haben. Na wenigstens einer. Denn schon bald meldete sich mein ‘Popometer’, forderte Gnade und erinnerte mich mit zunehmender Rundenzahl an den Spruch ”Du bist das Limit, nicht das Auto”. Ich ignorierte dies jedoch bis zu letzten Runde - ganz nach dem Motto “Kleinhirn an Hintern: Schnauze, sonst fliegst Du raus!”. Hätte ich nur mal auf die Signale gehört … Aua!

Es gab viele Ausfälle, vom Gefühl her war die Strecke hinsichtlich Waschbrettpisten und Steinen deutlich anspruchsvoller als im Vorjahr, aber vielleicht war die Erinnerung auch nur schon verblasst. Jedenfalls kamen wir insgesamt gut über die Etappe und hatten am Ende nach ca. fünfeinhalb Stunden Platz 18 erreicht. Bis auf einen zum Glück harmlosen Fahrfehler, der uns im tiefen Kohlestaub in eine Situation brachte, die den kurzen Einsatz des Bergegurts (DANKE Team Walcher Nr. 604 auf Unimog, das uns hier zwei Minuten seiner Zeit opferte!!) notwendig machte und uns vielleicht 10-15 Minuten kostete, gab es keine wesentlichen Probleme. Was will man mehr?

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Es geht wieder los!

Das Stromaggregat brummt, Internet läuft, Kaffee ist heiß und lecker. Aber irgendwas ist komisch - ach so, immer diese Umgewöhnung von Apple Mac im “normalen” Leben auf Windows-Notebook im “Lagerleben”. Das Rallye-Notebook fühlt sich Jahrzehnte älter an! Aber solange ein Webbrowser verfügbar ist will ich nicht meckern, nach fünf Minuten hat man sich - zwangsläufig und unter großen Schmerzen - der Windows-Bedienphilosophie wieder unterworfen. Der Blog ist wieder an …

Verdammt kalt war es die letzte Nacht im Camp, die Eisheiligen haben ihrem Namen alle Ehre gemacht! Nachdem wir am Abend mit der wahrscheinlich kürzesten Anfahrt eines teilnehmenden Teams im Fahrerlager der Baja300 Mitteldeutschland bei Hohenmölsen südlich von Leipzig angekommen waren, war unser neuer YellowRacer schnell abgeladen und unser kleines Camp aufgebaut. Ein erster Schwatz, ein zweites Bier, na und so weiter. Und es gab dann noch ein kleines Déjà-vu mit einem “Kfz-Fachunternehmen” der Szene, der absolute Hammer! Aber dem Thema werde ich mich später widmen.

Zwei Schlafsäcke und dicke Socken halfen dann über die Nacht bei Temperaturen nahe der Frostgrenze, die erste Nacht in unserem Service-Truck! Ein Novum, aber es ging trotz Kälte super gut und die erste Nacht der Baja300 war zum Glück auch noch ziemlich leise. Noch keine Serviceteams am Flexen oder Schweißen …

Heute Morgen dann Frühstück, Papierabnahme und technischer Check - kein Thema nach guter Vorbereitung. An unserem neuen YellowRacer wurden noch Sitze eingestellt, Checks einiger Systeme und des Bordwerkzeugs - morgen kann’s dann los gehen! Aber immer schön sachte, wir müssen uns ja erst mal mit dem neuen Racer anfreunden …

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Früstück im Camp

Werkzeugcheck

Sitzwechsel

We are ready to race

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Déjà-vu im polnischen Wald

Als für uns erstes Event des Jahres sollte uns die MT Rally vom 11. bis 14. April 2012 in der Nähe von Drawsko Pomorske (Polen) auf die kommende Motorsport-Saison einstimmen. Wir hatten einige handfeste Gründe, die Rallye verhalten anzugehen und vor allem auf gewohnt sichere Navigation zu setzen, anstatt es gleich richtig krachen zu lassen. Mussten wir ja im vergangenen Herbst die MT Series im gleichen Gelände aufgrund wiederholter Defekte am neuen Fahrwerk unseres YellowCruisers leider abbrechen.

Nachdem das Fahrwerk über den Winter nochmals überarbeitet wurde und auch einige Fahrwerksteile, die es im Herbst wiederholt zerstört hatte, extra verstärkt wurden, wollten wir zunächst erst einige Erfahrungen mit dem neuen Setup machen und fuhren von Beginn an sehr defensiv. Dies war darüber hinaus auch beabsichtigt im Hinblick auf die in nur vier Wochen auf die MT Rally folgende Baja300 Mitteldeutschland. Da diese unmittelbar ‘vor unserer Haustüre’ stattfindet, wollten wir zur MT nicht unbedingt größere Schäden am Fahrzeug riskieren. Also starteten wir am Mittwoch gut gelaunt und mit einer gehörigen Portion Optimismus in den Prolog und in die anschließende erste Nachtetappe, dem eigentlichen Highlight der MT Rally. Diesmal waren bei der MT sogar zwei Nachtetappen vorgesehen - selbstverständlich ohne Abstriche bei den Tagesetappen, was in Kombination mit dem üblichen Betrieb im Fahrerlager erhebliche Schlafdefizite ankündigte. Egal, wir hatten so wie die meisten Teilnehmer für genügend Extra-Licht gesorgt, einschließlich einer Großpackung Sicherungen und Ersatzlampen für den Fall der Fälle und stürzten uns in die Dunkelheit des polnischen Waldes.

Neben dem Respekt vor den berühmt-berüchtigten, vor allem nachts sehr schwer abschätzbaren Panzerwellen auf dem NATO-Truppenübungsplatz sorgten wir uns auch etwas vor plötzlich auftauchendem Großwild, was wir in der Nacht zuvor bereits an der Strecke gesehen hatten. Die CP’s fanden wir spielend, unser neues GPS-System unterstützte uns auch perfekt bei den zum Teil unmittelbar aufeinander folgenden Kompasskursen. Ohne jegliche Navigationsfehler kamen wir im Gegensatz zu einigen anderen Teams vor allem hier sehr gut voran. Jedoch versagte etwa nach der Hälfte der Etappe ohne Vorwarnung und ohne bewusst wahrgenommene Kollision mit Boden, Baumwurzeln oder ähnlichem unser überarbeitetes Fahrwerk wieder seinen Dienst und ein zerbrochener Querlenker an der Vorderachse einschließlich abgerissener Koppelstange und in Folge aufgerissener Antriebswelle verbot uns die Weiterfahrt und machte eine Bergung durch den MAN KAT der ORGA notwendig. Letzteres erfolgte ausgesprochen zügig und sehr professionell!

Nach der Reparatur des Schadens in der zweiten Nachthälfte - danke hier an den Teamkollegen vom 4×4-Club Leipzig ! - konnten wir zum Glück am darauf folgenden Morgen in die zweite Etappe starten. Auch hier lief es zu Beginn wieder trotz selbst verordneter Langsamfahrt sehr gut, es gab einen abwechslungsreichen Gelände-Mix und wieder zahlreiche Kompasskurse. Zwar empfanden wir und manches andere Team einige Abschnitte der Strecke -  insbesondere ein tiefes Schlammloch, dass für uns nur mit Windeneinsatz zu bezwingen war - als nicht ganz passend unter der Bezeichnung ‘Cross Country’, aber insgesamt war dies dann doch zu vernachlässigen. Zumindest bescheinigte man uns hier die schnellste und professionellste Winch-Aktion, was vor allem dem Einsatz unseres Co-Piloten zu verdanken ist. Nicht zu vernachlässigen war für uns jedoch der erneute Wegfall der Dämpferwirkung unseres Fahrwerks an der Vorderachse im letzten Viertel der Etappe. Dieses Déjà-vu brachte uns zurück auf die Tatsche, dass es hier doch erhebliche Probleme zu geben scheint und die Sichtung des Schadens nach Zieleinfahrt bestätigte die erneute Zerstörung diverser Teile in diesem Bereich. In Anbetracht dieser Tatsache(n) entschieden wir uns dann, die MT Rally an dieser Stelle abzubrechen.

Unabhängig davon war die MT Rally wieder eine sehr professionell organisierte Veranstaltung, mit deutlich mehr Teilnehmern als in der Vergangenheit. Danke und Grüße an das gesamte MT Rally Orga Team um Tomasz und Moli!

Gebrochener Querlenker

"Gebrochener" Navigator ;)

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