Montag, 18 of Dezember of 2017

Balkan Mugge (3)

Man hatte uns gesagt dass die Strecken „besser“ werden sollten. Was immer das auch heißt. Zumindest sehnte ich bessere und vor allem schnellere Abschnitte herbei, nach all der Wackelei der vergangenen Tage - kaum war ich im Wald über den zweiten Gang hinaus gekommen! Die nun folgenden Etappen schienen nicht mehr ganz so hoch ins Gebirge zu gehen, in Richtung des Schwarzen Meers wurde die Landschaft etwas flacher. Das ließ eigentlich hoffen. Aber auch hier fanden die Roadbook-Macher offensichtlich genügend enge und steinige Pfade, die sie uns auf der einen Seite der nicht mehr ganz so hohen Berge hinauf und auf der anderen Seite der wieder hinunter schickten. Und weil es offensichtlich darum ging richtig viele Kilometer ins Roadbook zu packen, damit wir auch nicht wirklich mal zeitig ins Camp kommen und dort Langeweile bekommen, ging es eben immer wieder hoch und in den Wald. Zugegeben, zwischendrin gab es dann doch mal kurz den einen oder anderen etwas „besseren“ Weg, den man etwas schneller unter die Räder nehmen konnte.

Trotz vorausgegangener Trockenheit war es in den schattigen Wäldern zum Teil ziemlich feucht und ich war froh, dass wir schon im ersten Camp MT-Reifen aufgezogen hatten. In Erinnerung der gefährlich rutschigen Gebirgs-Serpentinen von vor drei Jahren beim Balkan-Offroad-Marathon wollte ich kein Risiko eingehen. Auch wenn wir damit auf den manchmal auch trockenen Schotter- bzw. Geröll-Abschnitten sicher nicht optimal unterwegs waren. Aber hier ging es nicht um Sekunden, zunächst erst mal ums sichere Ankommen.

Die Tagesetappen waren meist in drei bis vier einzelne Special-Stages aufgeteilt, zwischen denen wiederum Überführungen – meist im öffentlichen Straßenverkehr – gefahren werden mussten. Letztere waren zeitlich ziemlich knapp bemessen und wurden darüber hinaus noch mittels im Fahrzeug eingebautem GPS-Tracker geschwindigkeitsüberwacht. Dies brachte uns einige Zeitstrafen ein, war das Fahren auf bulgarischen Straßen doch ziemlich abenteuerlich und teilweise sogar chaotisch. Eselkarren oder LKW’s blockierten plötzlich und ohne jeglichen ersichtlichen Grund eine gefühlte Ewigkeit die Straße, PKWs fuhren mit 50km/h auf gut ausgebauten Landstraßen, Überholen aber oft nicht möglich. Ortseingangsschilder waren entweder so stark verrostet dass sie nicht als solche identifizierbar waren oder sie sahen von Ort zu Ort so verschieden aus, dass man sie gar nicht ernst nehmen konnte. Möglicherweise malte hier jeder Bürgermeister sein Ortseingangsschild selbst und brachte hier und da noch so manche Verzierung an. Auch waren vermeintlich kleine Dörfer mal schnell mehr als 10 Kilometer lang, wobei über einige Kilometer keinerlei Bebauung sichtbar war. Und trotzdem galt hier noch maximal 50 km/h. Nur hielten sich die Einheimischen – bis auf die, die immer trödeln - oft selbst überhaupt nicht dran, was mich oft zusätzlich verunsicherte. Waren wir jetzt in einer Ortschaft oder nicht? Aufhebungsschilder für Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es in Bulgarien scheinbar grundsätzlich nicht. Du musst also nach eigenem Ermessen abwägen, wann die 30 oder 40 km/h wegen einer Baustelle, Fahrbahneinengung, gefährlicher Kurven oder was auch immer vorbei sind. Und das alles wenn Du unter erheblichem Zeitdruck stehst, denn die Uhr bis zur vorgegebenen Startzeit der nächsten Speziale tickt ziemlich schnell. Manchmal blieben keine zwei Minuten zwischen Ankunft am Start und der festgelegten Startzeit!

Bei der letzten Speziale des Tages in Richtung des nächsten Camps in Sliven, die nur 12 Kilometer lang war, traf uns dann leider nach einem bis dahin ganz gut gelaufenen Tag der Fehlerteufel. Nur zwei bis drei Kilometer nach dem Start – natürlich wieder bergauf durch den Wald – stieg die Temperatur unserer Maschine massiv an und drohte zu überhitzen. Gleichzeitig brachte die Maschine keine Leistung mehr, schien nur noch im Notlauf zu drehen. Mist, so kurz vor dem Tagesziel! Zum Glück fanden wir auf dem Waldweg eine Stelle, die gerade breit genug war, dass die nach uns gestarteten Teilnehmer an uns vorbei fahren konnten. Im Stand stieg die Temperatur immer weiter an, mir wurde Angst und Bange um unser Triebwerk! Offensichtlich lief irgendwo Kühlwasser weg – sofern überhaupt noch welches im System war. Zunächst konnte ich nichts erkennen, da aufgrund einer vorherigen Wasserdurchfahrt sowieso ziemlich viel nass am Auto war, doch nach wenigen Minuten sah ich dass die Wasserpumpe heftig „inkontinent“ war. Auf der einen Seite froh, dass es nicht wirklich was „Ernstes“ war – in wenigen Minuten erreichbar im Camp lag eine neue Wasserpumpe, überlegten wir fieberhaft was wir jetzt konkret tun. Vor uns lagen laut Roadbook und nach dem was wir sahen offensichtlich (nur …) noch ca. vier Kilometer steil bergauf und anschließend noch einmal ca. sechs Kilometer bergab bis zum Ziel und dann nur noch etwas Landstraße bis endlich ins Camp. Sollten wir hier aufgeben, um nicht den Exodus unseres Triebwerkes zu riskieren?

Zum Glück hatten wir einen Fünfliter-Kanister mit Wasser und einige Flaschen Mineralwasser an Bord. Ich entschied, dass wir alles verfügbare Wasser nachfüllten – offensichtlich war schon ziemlich viel weggelaufen – und dann langsam den Berg in Angriff nehmen würden. Aber trotzdem schnell genug, dass wir oben waren bevor das Wasser wieder vollständig weggelaufen ist. Wenden und zurück zu Straße Fahren war sowieso auf dem engen Waldweg kaum möglich. Sollten wir den Berg gerade so schaffen, könnten wir uns dann ohne große Motorleistung bergab rollen lassen und würden wenigstens – wenn auch spät – die Etappe finishen. Und so ging es! Als eine gefühlte Ewigkeit nach dem Wasserauffüllen die Motortemperatur allmählich wieder sank, machten wir uns auf den Weg und erklommen den Gipfel. Wann habe ich mich jemals so gefreut, mit dem Auto einen Berg hochgekommen zu sein?! Bergab sorgte der Fahrtwind offensichtlich zusätzlich für Kühlung der Maschine und wir konnten sogar wieder ordentlich Gas geben! Kurz vor dem Camp in der Stadt Sliven stoppten wir an einer Tanke und sahen, dass aus der Wasserpumpe inzwischen ein Wasserstrahl in Fingerstärke austrat - also nichts wie weg hier und schnell ins Camp und das Teil gewechselt.

Damit hat sich die verbreitete These „was man mit hat geht nicht kaputt“ leider mal nicht bewahrheitet, aber eben gut dass ich die Ersatz-Pumpe extra noch kurz vor der Rallye aufgetrieben hatte. Manchmal hat man eben so eine Vorahnung …

Fortsetzung folgt.

Es ging wieder viel durch den Wald …

… aber endlich auch mal etwas schneller!

Warten vor dem Start …

… sofern tatsächlich mal Zeit war

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