Montag, 18 of Dezember of 2017

Balkan Mugge (4)

In Sliven starteten wir am nächsten Morgen direkt auf der Start- und Landebahn eines alten, verlassenen Flughafens. Wo früher offensichtlich bulgarische oder russische MIGs zum heroischen Kampf gegen den feindlichen Imperialismus gestartet sind. Na wenn das nicht mal was Besonderes war! Die ersten Kilometer auf Asphalt – geschätzt fast einhundert Meter breit – im Zweikampf gegen ein anderes Team. Wer die Startbahn am Ende auf einen schmalen Weg als Zweiter verlässt, muss Dreck fressen und sieht nichts. Auf der nachfolgenden Strecke wurde es staubig und kaum langsamer, diese Etappe schien ganz wie für uns gemacht! Wald sollte es wohl nicht geben, oder zumindest nicht nennenswert. Wir kamen gut voran, gewannen den Start-Zweikampf gegen einen Jeep Wrangler auch spielend. Allerdings hatte dieser uns bald wieder ein, als wir bei einem der folgenden Kompasskurse querfeldein kurz in einem Graben festhingen. Klar, Verfolger haben dann den Vorteil besser zu sehen, wo man besser doch nicht langfährt , auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht …

Weiter ging es, zum ersten Mal endlich über richtig schnell fahrbare Wege – und ohne Angriff auf die Bandscheibe. Mehrere Kilometer einfach nur Vollgas geradeaus über Schotterpisten und Feldwege! Rechts Bahndamm, links Feld. Nichts zu tun für den Navigator, aber volle Konzentration und Augen auf für eventuell auftauchende Bodenwellen oder andere böse „Fallen“ für den Fahrer. Ich denke so schnell waren wir bisher bei noch keiner Rallye unterwegs, irgendwo zwischen 130 und 150 km/h. Später berichtete die Orga, dass ein israelisches Team hier sogar so um die 180 km/h drauf hatte! Alle Achtung! Vielleicht wäre dies für uns auch drin gewesen, aber dann musste man schon hundertprozentig  darauf vertrauen, dass nichts auftaucht, was irgendwie gefährlich sein konnte. Immerhin, wir waren auf einer Art Feldweg. Einige gefährliche Bodenwellen, die bei dieser Geschwindigkeit über Leben und Tod, mindestens aber über das Schicksal des Fahrzeuges entscheiden konnten, waren im Roadbook auf den Meter genau eingetragen. Aber konnte man dem trauen? In den letzten Tagen hatten wir gelernt, dass das Roadbook sehr exakt war, auch hinsichtlich eingetragener gefährlicher Stellen. Aber es waren eben nicht alle gefährlichen Stellen drin, manchmal tauchten unangekündigt Bodenwellen auf, die wesentlich gefährlicher waren als so manche im Roadbook eingetragene Bodenwelle. Also blieb das Hirn eingeschaltet und stand die gesamten 253 Kilometer des Tages unter höchster Alarmbereitschaft!

Auf einer riesigen Hochebene lag zwischen zwei Spezialen der Service-Punkt, bei dem wir eine Stunde Zeit hatten, um Fahrzeug und Besatzung etwas Ruhe und sofern nötig technische Zuwendung zu gönnen. Die Anfahrt auf das Ziel der Speziale, das unmittelbar vor dem Service-Punkt lag und die über viele Kilometer einsehbar war, war fast schon filmreif: hinter uns eine mehrere hundert Meter lange Staubfahne, über uns voraus flog der Presse- und Notarzt-Hubschrauber mit Kameramann in der Türöffnung und vor uns, hinter dem Ziel stand der bunte Tross der Service-Fahrzeuge, deren Teams auf ihre heranrasenden „Klienten“ warteten. Rechts und links eine Art Steppenlandschaft ohne jegliche Bäume oder Sträucher oder irgendeine Bebauung. Blauer Himmel und strahlende Sonne trugen natürlich auch zur guten Stimmung und zur Freude über die soeben mit viel Fahrspaß beendete Speziale bei. Und was soll ich sagen, so ging’s dann auch weiter bis hin zum Tagesziel, das wieder auf dem Rollfeld des alten Flughafens lag, von dem wir am Morgen gestartet waren.

Was für ein Tag!

Start auf dem Rollfeld
viel Platz rechts und links
kleine Wäsche zwischendurch
Einfahrt in Ziel und Service-Camp
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