Samstag, 21 of Oktober of 2017

Balkan Mugge (5)

Von Sliven aus ging es am nächsten Tag weiter in Richtung Schwarzes Meer. Direkt am Strand sollte das Tagesziel sein, was uns später noch etwas zu schaffen machen sollte. Zunächst ging es in die erste Speziale und wieder in den Wald! Kurz vor dem Start gab es ein kurzes Briefing, da es wohl einen Roadbook-Fehler gab. Dennoch irrten anschließend einige Teilnehmer durchs Gelände und wir fanden uns auf einmal vor Teilnehmern wieder, die einige Minuten vor uns gestartet waren. Wir selbst hatten eigentlich keine Navigationsprobleme und kamen daher ganz optimistisch im ersten Ziel an. Hier herrschte dann zunächst Ratlosigkeit, es war die Rede dass diese Speziale nicht gewertet werden sollte. Keiner wusste genaues. Nachdem die am Start der nächsten Speziale stehenden Orga-Leute darüber heftig mit den Teams diskutierten, wurden wir dann in der gleichen Startreihenfolge wie am Morgen in die nächste Speziale geschickt. Am Abend wurde dann offiziell von der Rennleitung mitgeteilt, dass die Morgen-Speziale nicht gewertet wurde. Schade!

Nach der gecancelten, oder besser gesagt nicht gewerteten Morgen-Speziale ging es dann auf eine ziemlich „durchwachsene“ Strecke, also wieder Wald aber auch schnelle Feldwege. Auf einer kurzen Ortsdurchfahrt auf Asphalt – natürlich mit überwachter Geschwindigkeitsbegrenzung – gab es dann den ersten richtigen Roadbook-Fehler. Und der hatte es in sich! Da das Roadbook bis hierher immer sehr exakt war, stellten wir das Bild im Roadbook zunächst überhaupt nicht in Frage, sondern zweifelten ernsthaft und viel zu lange an uns selbst. Wir kreisten in dem bulgarischen Dorf hin und her, fuhren fast alle dortigen Straßen ab. Da dies auch anderen Teilnehmern genauso ging, war es ein doch recht lustiges Unterfangen. Sicher hatten manche Dorfbewohner viel Spaß, den Verrückten mit den bunten Karren zuzusehen, wie die so mit ihren „Bollerwagen“ kreuz und quer durch ihr Dorf kurvten. Und wieder zurück. Und nochmal. Und da kamen uns gerade wieder zwei Fahrzeuge entgegen. Und dann haben wir einfach mal so entschieden, dort wo das Roadbook eindeutig auf der dick eingetragenen Asphaltstraße ein Abbiegen auf Asphalt nach 90° rechts verlangte, eben mal 90° nach links abzubiegen. Da war ja auch eine Asphaltstraße. Kann man ja mal probieren. Der Mutige wird belohnt – nach wenigen hundert Metern, inzwischen schon wieder runter vom Asphalt, merkten wir dass das Roadbook ab hier wieder passte. Na so etwas ist die eigentlich Würze einer Rallye, davon könnte man mehr haben! Ja wirklich, man ärgert sich zwar in dem Moment, aber irgendwie machen es doch genau solche Schnitzer erst so richtig spannend, denn alle haben ja damit zu kämpfen.

Einigermaßen froh, dass wir wieder auf Kurs waren, ging es auch wieder mit ordentlich Speed über staubige Schotterpisten und ich hoffte hinter jedem Hügel schon bald das Schwarze Meer zu sehen. Leider sollte uns aber der davor liegende Küstenwald dann noch zum Verhängnis werden. Die Stimmung war gut, denn es gab nur noch wenige Seiten im Roadbook zu absolvieren und ich schien die See schon fast zu riechen. Auf der vorletzten Seite angekommen, standen wir dann im Wald mitten auf einem kleinen Zeltplatz, nur wenige Zentimeter vor einem Zelt und direkt auf einem Volleyballfeld. Und nichts passte zu dem Bild im Roadbook! Hier waren wir garantiert falsch. Verdammt und es waren offensichtlich nur noch zwei Kilometer bis zum Ziel! Also zurück bis zu der Stelle, an der das Roadbook noch genau passte. Berg hoch über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche. Jetzt folgten wir mit äußerster Konzentration noch einmal exakt den Bildern der vorletzten Roadbook-Seite. Berg runter über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche. Wieder standen wir genau vor dem Zelt. Das kann nicht sein, die organisieren keine Rallye-Strecke mitten über einen Zeltplatz, hier könnten Kinder sielen! Also wieder zurück. Berg hoch über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche …

Nachdem wir das Spiel (Berg hoch und runter über Wurzeln, Steine und durch enge Büsche …) noch mehrmals erfolglos wiederholten und dabei auch noch andere Teilnehmer trafen, die es uns gleich taten, stieg von Minute zu Minute das Frustrationslevel im Auto. Die Stimmung war ziemlich gereizt, es schien keine Lösung dieses Problems zu geben. Also musste eine Entscheidung gefällt werden. Ich wusste, das Ziel – dass ja in unmittelbarer Nähe lag – liegt direkt am Strand. Und am Strand kann es nur in zwei Richtungen gehen.  Also suchte ich den kürzesten Weg nach unten zum Strand. Und da war er endlich! Aber in aller Aufregung und Frust machte ich jetzt zwei entscheidende Fehler, die uns richtig viel Zeit kosteten und noch viel mehr Frust einbrachten. Erstens: ich vergaß vor dem Befahren des Strandes ordentlich Luft von unseren MT Reifen abzulassen. Und zweitens: wir wussten nicht in welche Richtung das Ziel lag. Also entweder rechts oder links –ich entschied mit viel Speed nach rechts zu fahren und versuchte unmittelbar nachdem ich sah dass dies offensichtlich die falsche Richtung war, auf dem schmalen Strandabschnitt in einem Zug zu wenden. Saublöd, nach wenigen Metern änderte sich unsere Fahrtrichtung nicht wie gewollt in Richtung des Ziels sondern es ging nur noch in Richtung Erdmittelpunkt. Ende. Wir steckten fest. Und das in Sichtweite des Ziels in etwa einem Kilometer! Also raus, Luft ablassen und graben. Graben, graben und nochmals graben! Einige Fischer, die wohl gerade ihr Boot zu Wasser gelassen hatten, versuchten uns mit vereinten Kräften anzuschieben, aber es half nichts, wir mussten noch mehr graben. Vor dem Hinterachsdifferenzial hatte sich ein riesiger Sandberg zusammengeschoben. Zum Glück spendierte einer der Fischer eine große Schaufel, so dass ich einigermaßen voran kam. Dann ein nächster Anfahrversuch – und siehe da, wir lösten uns und ich kam ganz langsam voran. Jetzt nur nicht wieder wühlen und eingraben! Peter stand noch draußen – ich aber war froh dass es im Tiefsand einigermaßen voran ging. Sollte ich jetzt noch mal anhalten mit der Gefahr dass es dann wieder nicht weiter geht? Aber den (letzten) Kilometer im Tiefsand wollte ich Peter dann doch nicht laufen lassen, und ich hatte auch keine Lust für großes Gelächter am Ziel auf unsere Kosten zu sorgen, wenn unser Navigator dieses nicht im Auto sondern keuchend zu Fuß erreichen würde. Dann hätte der Rest des Fahrerlagers sicher einen lustigen Abend gehabt. Also hielt ich an und wir erreichten dann doch endlich das Ziel - gemeinsam. Man müsste eigentlich mal in Reglement schauen, was das sagt wenn Auto und Team nicht gleichzeitig über die Ziellinie kommen. Welche Zeit wird gewertet - die des Autos mit Fahrer oder die des später eintreffenden, laufenden Navigators … ?

Der Abend wurde, nach kurzem und erfrischendem Bad im Schwarzen Meer und anschließend im Pool der Strandbar „Long Beach“ dann trotzdem recht lustig – zum Glück aber gab es anderes als unsere Tiefsanderfahrung, dass für gute Stimmung sorgte. Später erfuhren wir dann auch, dass die offizielle Strecke sehr wohl mitten durch den Zeltplatz führte. Und wir erfuhren auch, dass vor allem Teams, die schon einmal die Balkan Breslau gefahren waren und damit die Zielankunft hier einschließlich der Querung des Zeltplatzes bereits kannten, nicht umhergeirrt sind und auch nicht wie wir dort fast eine halbe Stunde (unsere Grabungen mal nicht mit eingerechnet) verloren haben. “Heimvorteil” eben, da kann man nichts machen.

Kurzes Briefing vor dem Start …

… dann ging es über Wald- und Feldwege.

Hier half nur noch Graben …

… endlich ging’s weiter.

Fahrerlager direkt vor dem Strandhotel

Gute Stimmung in der Strandbar

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