Montag, 18 of Dezember of 2017

Tag » Baja-Saxonia

Baja Saxonia: Resümee

Einige Tage nach der Baja Saxonia lässt sich mit etwas Abstand ein Resümee ziehen: insgesamt eine super Rallye, perfektes Roadbook, etwas zu trockenes Wetter, fragwürdige Entscheidung der Rennleitung nach der Unterbrechung der zweiten Etappe, interessante Leute, etwas zu wenig Party, viele Zuschauer an der Strecke, trotzdem wenig Interesse in den regionalen Medien - dafür um so mehr bei den Offroad- und Motorsport-Medien. Und wieder viel gelernt. Aber auch durchaus Zufriedenheit mit dem erreichten Ergebnis und den vielen gesammelten Eindrücken auf unserer Seite.

Und die überhaupt wichtigste Erkenntnis der Baja Saxonia 2011: Speed ist eben nicht alles! Navigation is key - oder zu gut deutsch: man muss auch die CPs finden. Für mich geht diese Erkenntnis noch deutlich weiter: was nützt ein hochgezüchtetes Fahrzeug im Wert einer Eigentumswohnung mit Sauna und Dachterrasse nebst hochprofessionellem Service-Team und Ersatzteillager-Truck, wenn letztlich die Navigation  während des Rennens nicht funktioniert? Was nützt ein ständig am Bodenblech klebendes Gaspedal, wenn durch die maximale Belastung ganze Radaufhängungen abreißen oder andere Teile auf der Strecke bersten? Nach der Navigation - oder sogar noch davor - kommt das Ankommen überhaupt. Wir haben während der zwei Etappen etliche technische Ausfälle an der Strecke gesehen, bereits nach dem ersten Tag standen zahlreiche Fahrzeuge bereits wieder auf dem Trailer - ein deutliches Zeichen dass sie nicht noch mal zum Einsatz kommen sollten.

Nach der vergangenen MT Rally hatte ich ernste Zweifel an unserem Toyo, unser Fahrwerk war für die Panzerstrecken in Polen alles andere als perfekt geeignet. Ähnliche Erfahrungen hatten wir auch schon im letzten Jahr bei einigen Rennen gesammelt. Trotzdem sind wir dort und auch bei der diesjährigen Baja Saxonia ganz gut ins Ziel gekommen. War das Zufall? War das weil der Toyo bisher insgesamt noch nicht all zu viele Rallye-Kilometer gesehen hat? War das weil ein Toyota Landcruiser von Hause aus etwas robuster ist? War das weil wir etwas umsichtiger, eher “materialschonend” gefahren sind? Über letzteres hatten sich in der Vergangenheit immer mal einige ‘Kollegen’ lustig gemacht - ach so, die sind übrigens wieder ausgefallen wegen technischer Schäden …

Vielleicht war es wirklich nur Glück, aber sicher kann die Kombination aus guter Navigation und umsichtiger, kontinuierlicher Fahrweise nicht ganz falsch sein. Vielleicht gelingt es uns zusätzlich, den YellowCruiser mit einigen Optimierungen hinsichtlich Gewicht und Federweg doch noch etwas zu verbessern. Ich hatte vor der Baja Saxonia schon mit Gedanken an ein wesentlich standfesteres Fahrzeug gespielt - wenn es das wirklich gibt. Aber die ganzen tollen Hechte  aus dem Karpfenteich - oder sagen wir besser die meisten, also die mit den Suuuper-Rallye-Boliden, haben sich während der Baja Saxonia auf die eine oder andere Art abgeschossen. Sei es aufgrund fehlerhafter Navigation oder aufgrund technischer Ausfälle.  Und dies hat uns im Prinzip mit dem alles andere als einem Rallye-Boliden geltenden YellowCruiser auf einen für uns mehr als zufrieden stellenden 13. Platz gebracht (Vorjahr Platz 35). Trotz einiger eigener Fehler. Ohne diese Fehler - 10 Minuten Zeitverlust in der ersten Etappe durch das Umkippen und dann noch einmal 17 Minuten Verlust durch Festfahren im Sand während der zweiten Etappe - wären wir vielleicht mit etwas Glück sogar unter Platz 10 gerutscht. Was will man mehr?

-

Im Fahrerlager …
… wird überall geschraubt …
… und montiert …
… und gekocht …
… und geschlafen …
… und geschrieben …
… und getrunken …
… und viel gelacht!

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: 2. Etappe & Gesamt

Am Ostersonntag gegen Mittag startete die zweite und letzte Etappe der Baja Saxonia 2011 bei sehr sonnigen und warmen Wetter. Die bereits am Vormittag von der Strecke zurückkehrenden Motorrad- und Quad-Fahrer berichteten von einer sehr schnellen Etappe. Schlamm oder Wasserlöcher, die es im Vorjahr zur Genüge gab, waren aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit nicht vorhanden. Somit gab es entweder tiefen, weichen Sand oder trockene, festgefahrene Wege. Sicher hatte der Autor des Roadbooks für diese Etappe wieder mindestens eine kleine “Gemeinheit” eingebaut, so wie es am Vortag ein etwas versteckter CP war, der nur bei sehr genauer Einhaltung eines Kompasskurses zu finden war. Wir waren eines von nur sehr wenigen Teams, die diesen CP gefunden hatten, was ja Ursache für unsere unerwartet gute 7. Platzierung im Ergebnis der ersten Etappe war. Unser darauf natürlich berechtigt stolzer Navigator Peter hätte sich am liebsten von einem im Fahrerlager anwesenden Werbeunternehmen “CP-Finder” oder “Ich hab alle CP’s gefunden!” auf sein T-Shirt drucken lassen.

Vielleicht davon etwas zu stark motiviert gingen wir gleich zu Beginn der zweiten Etappe einen Kompasskurs zu leichtfertig an. Im tiefen Sand, optisch eine Mischung aus Sahara-Dünen und sibirischem Birkenwäldchen, wurde es ziemlich eng und als der ausgefahrene Weg plötzlich weg war meinte Peter, der inzwischen ausgestiegen war um sich einen besseren Überblick über die Lage zu verschaffen, dass ich einfach mal so mit unserem gut 2,3 Tonner über einen Dünenkamm hüpfen sollte, um unten wieder auf einen ausgefahrenen Weg zu kommen. Ja nix war mit hüpfen, wir saßen komplett auf Sand und alle Räder drehten ganz nach Lust und Laune mal hier und da durch. Die Räder, die nicht in der Luft hingen, gruben uns dann noch tiefer in unsere verzweifelte, aussichtslose Lage ein. Peter begann sogleich wie wild hier und da mit der Schaufel zu graben und hoffte uns somit zu befreien. Er hat wirklich gekämpft und gegraben wie ein Mann - als wollte er seine Entscheidung hier so tief wie möglich eingraben, jedoch vergeblich. Musste uns die Winde wieder mal helfen? Leider hatten wir keine Zeit zu warten, bis aus den rund um uns stehenden, dünnen Birken mal stattliche Bäume geworden sind. Keine Möglichkeit zum Ansetzen der Winde, bis auf eine wenigstens etwas dickere Tannengruppe - aber gleich beim ersten Versuch zog es nicht etwa unseren YellowCruiser zur Tanne, sondern die Tannen kam schön langsam auf mich zu. Umsonst, Bäume fällen wollten wir hier eigentlich nicht!

Zum Glück erschien wie gerufen ein Unimog auf dem etwa drei Meter unter uns befindlichen Weg und stoppte als wir winkend auf uns aufmerksam machten - Windenseil eingehangen und nach wenigen Sekunden hatten auch wir wieder einigermaßen festen Boden unter den Rädern. Trotzdem, so 15 bis 20 Minuten waren verloren. In der dritten Runde dann ein gewaltiges Feuer vor uns, schwarzer Rauch und riesige Flammen stiegen auf. Einige Fahrzeuge hielten bereits. Eines der führenden ORC-Teams hatte sich überschlagen und das Fahrzeug war wohl nur Sekunden nach dem Überschlag sofort in Flammen aufgegangen. Zum Glück konnte sich das Team in letzter Sekunde und ohne ernste Verletzungen retten. Das Feuer sah gewaltig aus, der erste Eindruck war hier brennt eine Tankstelle! Inzwischen schlossen weitere Teams von hinten auf und auch Feuerwehr und Rettungskräfte rückten an. Jedoch war von dem brennenden Mercedes G nichts mehr zu retten, nur ein ausgebrannter Klumpen blieb übrig. Ganz schön krass - da macht man sich schon so seine Gedanken über das was wir hier so treiben …

Das Rennen wurde hier angehalten, ging aber nach einigem Warten - schätzungsweise 30…40 Minuten - wieder los. Die Rennunterbrechung sollte uns dann später jedoch noch ganz schön zu Schaffen machen, Thema Reglement …

Während der folgenden drei Tagebau-Runden häuften sich mehr und mehr Fahrzeuge, die mit technischen Defekten wie zum Beispiel komplett abgerissenen Rädern am Streckenrand standen. Ich drückte die Daumen, dass unser Toyo senkrecht und haltbar über die Strecke kommt. Abgesehen von diversen Streckenabschnitten mit Sichtweiten zwischen 50 und Null Metern aufgrund schwarzer Kohlestaub- oder Sandwolken, was einige wohl geisteskranke Teams nicht von riskanten Überholmanövern bei voller Geschwindigkeit abhielt, gab es zum Glück keine größeren Probleme.

Am Ende des Rennens fuhren wir ca. fünf Minuten nach 19:00 Uhr durch den letzten CP und nur eine Minute später durch’s Ziel, wobei man uns und all den vielen noch nach uns ankommenden Teams dort ganz relaxt mitteilte, das das Rennen planmäßig 19:00 beendet wurde. Hallo, wie bitte? Da stehen wir ewig an einer Unfallstelle, kommen dann gut durch die gesamte Etappe und dann fehlt uns plötzlich einfach mal so völlig unverschuldet ein CP (=eine Stunde Strafzeit) und die Zieldurchfahrt (= noch eine Stunde Strafzeit). Das ist ja wohl der Hammer! Großzügig hat man allen Teams 44:30 Minuten Zeitbonus für die Rennunterbrechung gutgeschrieben, aber uns und über dreißig weiteren Teams - also fast die Hälfte der bei dieser Etappe noch im Rennen befindlichen Teams -hat man quasi vor der Nase das Rennen beendet und die Strafzeiten auferlegt. Pech gehabt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wir - und auch sehr viele andere Teilnehmer, darunter echte “Rennhasen”, ja sogar Leute der ORGA sowie Mitglieder der Rennleitung selbst (!) - fanden diese Entscheidung massiv unsportlich, zumal es vom Veranstalter dazu weder im Verlaufe des Rennens noch danach eine offizielle Information gab.

Mit all den Strafzeiten kamen wir in der zweiten Etappe auf Platz 35, was ja grundsätzlich auch nicht so schlecht ist. Ohne die zwei Strafstunden sähe das aber noch deutlich besser aus. Als dann fast gegen Mitternacht die Gesamtergebnisse, also zusammengefasst aus erster und zweiter Etappe, veröffentlicht wurden, konnten wir uns trotzdem riesig und unerwartet über einen 13. Platz freuen!

Platz 13 bei dieser hochkarätigen Konkurrenz und dem riesigen Teilnehmerfeld! Etliche “alte Hasen” mit richtig hochgezüchteten Fahrzeugen, riesigen Service-Crews, tonnenweise Material im Team-eigenen Service-Truck und finanziellem Background in Größenordnungen über unserem Anfänger- und Low-Budget-Niveau, hatten wir mit unserem seriennahen YellowCruiser weit hinter uns gelassen! Und das obwohl wir in der ersten Etappe umgekippt waren und in der zweiten Etappe reichlich Zeit auf der Sanddüne im Birkenwäldchen und dann auch noch aufgrund des komischen Reglements verloren hatten!

Ist doch nicht schlecht für den Anfang, oder?

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: Luftbild

Der erste Renntag – nach sternenklarer Nacht mit heftig lauten Generatoren rundum, nicht enden wollenden Gesprächen auf allerhöchstem Bier-Niveau und ausgereizten Subwoofer-Car-HiFi-Anlagen - beginnt im Rallye-Camp der Baja Saxonia natürlich mit einem leckeren Frühstück. Und einer Email von Wolfgang. Diese hat mich sofort und spontan zum Verlassen des sonnigen Frühstückstisches und zu diesem Blogeintrag verleitet.

Wolfgang hat gestern unser Rallye-Camp von der Luft aus fotografiert – mit einem Modellflugzeug. Bei idealem Wetter und idealer Sicht – ein super Foto, mit dem man einen tollen Überblick über das Camp und den sich anschließenden Tagebau erhält. Wolfgang hat mir gestattet, sein Foto in meinem Blog zu veröffentlichen. Und das möchte ich doch meinen Bloglesern auf keinen Fall vorenthalten. Vielen Dank an Wolfgang für das Foto und wer sich für Wolfgang’s Webseite interessiert: www.luftbildstar.de

Möge der Tag heute so toll verlaufen und enden wie er begonnen hat – und Euch treuen Bloglesern ein frohes Ostern …

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: Prost auf Guttenberg

Auf Ingo K. aus S. ist eben Verlass. Pünktlich am Karfreitag stand ein Kasten Bier da – im Fahrerlager der Baja Saxonia Rallye. Wir hatten gewettet. Auf Facebook. Ob Herr KT zu Ostern noch im Amt sein würde. Wie schnell doch die Zeit vergeht – heute spricht kein Mensch mehr darüber.

Jedenfalls war ich der Meinung, dass dies wohl nicht der Fall sein würde und hatte dafür einen Kasten Bier gesetzt. Ingo setzte dagegen. Mit dem bekannten Ergebnis: KT ist weg und wir haben heute Abend einen Kasten Flensburger. Leider ist Ingo selbst nicht da, aber hat sich nicht lumpen lassen – den Kasten Bier perfekt zum Termin zugestellt. Also danke an den Spender und wir trinken auf das Wohl von Ingo. Und natürlich auf Herrn Ex-Dr. KT.

Ansonsten ist wieder Lagerleben angesagt: Fahrerlager zur Baja Saxonia bei Hohenmölsen, südlich von Leipzig. Gute Stimmung rundum, zahlreiche Wiedersehen mit guten Bekannten. Der Motorsport hat uns wieder!

Rund 130 Starter sind im hochkarätig besetzten, internationalen Starterfeld. Wenn das nicht ein heißes Rennen wird! Aber heiß ist es auch schon ohne Rennen, kaum Schatten und nur Sand und Staub. Das lässt ahnen wie es morgen auf der Strecke aussehen wird – nur der Erste hat gute Sicht, aber das wohl auch nur eine Runde. Sechs Runden zu je 33km sind insgesamt am ersten Tag der Baja Saxonia zu fahren.

Und die Party geht wieder los …

-

4×4-Rally.com Camp im Fahrerlager

Anstehen zum Dokumente-Check

Knallharte technische Abnahme …

… und Teilnehmerfoto sind Pflicht

Schön die Twins wieder zu sehen …

… und auch die Freunde von der Presse

… und auch Thilo - immer ‘nen Spruch …

Daniel - Überbringer des Biers

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: Nachlese

Viel zu kalt, viel zu nass, viel zu kurz, viele Eindrücke, viele gute Gespräche, viele nette Leute, viele Fotos, viele neue Ideen. So können wir unser Fazit der Baja Saxonia ziehen. Einfach ein super Event, gut organisiert und für uns eine interessante Mischung aus Fahrzeugen und Teams verschiedenster Leistungsklassen. Erfreulich war das Feedback was wir während der Baja nicht nur von einigen Lesern dieses Blogs erhielten. Und auch das Wiedersehen mit einigen alten Bekannten hat uns sehr gefreut.

Und doch gibt es offensichtlich auch Leute, denen unser Tun nicht zu gefallen scheint: gestern erreichte mich eine etwas fragwürdige Email, unter anderem mit der Frage, ob wir das Rennen nicht mit einer Roadbook-Tour verwechselt hätten. Sind wir jemanden auf die Schnürsenkel getreten - oder besser: gefahren? Das wäre schade. Ich bin aber ziemlich sicher, dass die vielen Teilnehmer der Baja Saxonia - egal ob sie vor oder hinter uns ins Ziel gekommen sind oder aufgrund irgendwelcher Probleme ärgerlicherweise aufgeben mussten - ganz sicher nicht von einer Roadbook-Tour sprechen würden. Auch spricht unsere Platzierung nicht unbedingt dafür. Schade nur, dass der Email-Schreiber während der letzten Tage nicht eine Minute Zeit hatte, die Antwort auf diese Frage oder sein eigentliches Problem mit uns beim Bier auszudiskutieren.

Zum Glück hatten wir aber Zeit und Gelegenheit noch einige Fotos im Fahrerlager zu machen:

-

Praktischer Rallye-Bus mit Bar
Freiluft-Garderobe
Überall ist Schlamm
Rundum wird geschraubt und geschweißt
Startlisten und Zeiten am Orga-Zelt
Zelt für guten Überblick
MT Rally Chef trifft DAKTEC Chef
YellowCruiser Service
Huckepack zweifach
Die Party ist vorbei
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: 35. Platz!

Geschafft! Nach zwei Wertungsprüfungen sind wir ohne größere technische Schäden durchs Ziel der 3. Baja Saxonia gerollt!

Die erste Etappe fing am Freitag sehr viel versprechend an, zwar war es ungewöhnlich kalt für Mitte Mai aber zum Glück hielt sich der Regen (noch) zurück. Die Strecke war somit gut fahrbar und bestand aus schnellen zu fahrenden Wegen und Schotterpisten aber auch aus sandigen und sehr welligen, steinigen und garantiert Material mordenden Abschnitten. Kein Grund zur Klage, dies hatten wir irgendwie erwartet. Da im Gegensatz zum Prolog vor uns doch schon einige Fahrzeuge mehr gestartet waren, war die Navigation nicht zu kompliziert. Die vielen vor uns fahrenden Fahrzeuge hatten eindeutige Spuren auf der Piste hinterlassen und das Roadbook diente zunehmend zur Bestätigung und zur Vorbereitung auf unerwartete Abbiegungen oder andere Überraschungen. Allmählich begann es dann jedoch zu Regnen und die Strecke wurde zunehmend rutschiger. Erste Teams kamen nicht mehr durch den Schlamm, LKWs blieben an Steigungen stecken.

An einer Steigung, kurz nach dem Beginn unserer dritten ca. 20 km-Runde, kam es dann unmittelbar vor uns zu einem folgenschweren Unfall. Ein verletzter  Teilnehmer, der wohl von einem LKW übersehen und angefahren wurde, musste leider mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Eine ziemlich bedrückende Situation für uns, keiner wusste genau was wirklich passiert war und wie ernst die Situation für den Verletzten war. Den Gesichtern der sehr schnell an der Unfallstelle eintreffenden Ärzten und Orga-Leute konnte man aber deutlich den wohl bestehenden Ernst der Lage ansehen. Erinnerungen an Berichte von der DAKAR mit Toten oder schwer Verletzten kamen auf und die Befürchtung, dass sich hier etwas Ähnliches abgespielt haben könnte. Natürlich mit allen Konsequenzen für das hiesige Event aber auch für den Offroad-Motorsport insgesamt. Etwas schockiert waren wir dann jedoch, als der unmittelbar neben uns landende und bald darauf wieder mit dem Verletzten abhebende Rettungshubschrauber von einigen Teilnehmern offensichtlich als interessanten Foto- oder Video-Motiv entdeckt wurde. In Folge des Unfalls und möglicherweise auch in Anbetracht des Wetters und dessen Auswirkungen auf die Befahrbarkeit bzw. Gefährlichkeit der Strecke ließ die Orga aber dann die Etappe abbrechen. Glücklicherweise wurden wir am späten Abend beim Fahrerbriefing informiert, dass der Verletzte außer Lebensgefahr sei und dass das Rennen am nächsten Tag - mit einigen Streckenänderungen in Anbetracht des Regens - weiter gehen wird.

Trotzdem entschieden einige Teams am nächsten Tag nicht zu starten. Diese Entscheidungen aber auch einige explizite Hinweise der Orga auf sehr glatte Streckenabschnitte brachten uns am späten Abend schon etwas zum Grübeln. Aber jetzt aufgeben? Nein, dafür waren wir nicht hier. Die Zahl derer, die am nächsten Tag starten wollten, war deutlich größer als die Zahl der Abbrecher und damit war unsere Entscheidung klar - wir starten zur zweiten Etappe! Unser Platz nach der ersten Etappe war übrigens Nr. 49. Und damit waren wir mehr als zufrieden.

Nach einer weiteren sehr kalten und lauten Nacht im Fahrerlager reihten wir uns gegen Samstagmittag in die Reihe der Starter zur zweiten Etappe ein. Die ersten drei Runden der Strecke, die nicht weniger anspruchsvoll war als die des Vortages, waren schnell und ohne Probleme gefahren. Die tiefer und tiefer zerwühlten und nicht großräumig umfahrbaren Schlammabschnitte in zwei Waldpassagen aber auch auf einer riesigen sumpfartigen Wiese machten uns jedoch zunehmend Angst, dass wir uns garantiert irgendwann hier fest fahren würden. Gleichzeitig wurde aber unser Kampfgeist wach. Und mit jeder dann doch erfolgreichen Vollgas-Durchquerung dieser Abschnitte unter Einsatz beider Sperren wuchs unser Respekt vor der Kraft und Traktion, die unser YellowCruiser in unaufhörlichen Vortrieb umsetzte.

Im Verlaufe der fünften Runde schien mit dem plötzlichen Aufleuchten einer roten Warnleuchte der kraftvolle Vortrieb doch noch unverhofft enden zu wollen. Schrecklich! Die Warnleuchte signalisierte eine überhöhte Temperatur des Automatik-Öls und ich befürchtete Schlimmes für die verbleibenden Kilometer. Letztlich forderte die Warnleuchte zum Glück aber nur eine deutliche Entlastung und Abkühlung des Getriebes, was wir auf den langen und geraden Streckenabschnitten realisierten konnten, indem wir unser Triebwerk nicht zu stark forderten und eher mit wenig Druck aufs Gaspedal eine einigermaßen erzielbar hohe Geschwindigkeit zur Kühlung des Aggregates wählten. Dieses Problem beschäftigte uns kontinuierlich bis zum Schluss der Etappe, die damit allerdings dann wie im Fluge verging. Ziemlich abgekämpft aber dennoch hocherfreut rollten wir dann nach sechs Runden und einer Fahrzeit von ca. 4,5 Stunden ohne technische Probleme durchs Ziel. Aus dem 41. Platz für die zweite Etappe entwickelte sich dann in der Gesamtwertung insgesamt der 35. Platz, was uns schon etwas stolz machte. Immerhin haben wir damit mehr als 60 Teams hinter uns gelassen, darunter garantiert Teams mit deutlich mehr Rallye-Erfahrung und teilweise technisch weit überlegenen Fahrzeugen.

-

Zweikampf
Unimog im Tiefsand
YellowCruiser …
… mit Schlammkruste
schneller Waldtransporter

Am CP
Freude am Ziel
Autowäsche am Tagebau
Abendessen und Abschied
Siegerehrung
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Baja Saxonia: Prolog

„Prolog“, laut Wikipedia: … (griechisch πρόλογος /prólogos/ „das Vor-Wort, die Vor-Rede“) bedeutet so viel wie „Vorwort“. … Ein Prolog ist eine Einleitung, Vorrede oder auch ein Vorwort. Im Drama dient diese Vorrede der Erläuterung des Sinnes des Stücks …

Drama? Also bis jetzt nicht und hoffentlich wird dieses Stück auch nicht dramatisch. Ganz im Gegenteil. Die Stimmung am zweiten Tag im Baja Saxonia Fahrerlager und in unserem Team ist bestens, unter anderem auch aufgrund der Tatsache, dass sich die seit zwei Tagen über uns drohenden dunklen Wolken bisher noch nicht entleert haben. Und hoffentlich bleibt das so!

Eine Rallye gewinnt man nicht im Prolog. Hatte man uns gesagt. Wir haben aber trotzdem gewonnen: jede Menge neue und wichtige Erfahrungen, handfestes Vertrauen in unseren YellowCruiser, Erkenntnisse über den Willen (einiger ganz „harter“ Typen) eine Rallye unbedingt und ohne Rücksicht auf irgendetwas gewinnen zu wollen und nicht zuletzt auch einige neue Freunde. Was will man mehr bei einem Rallye-Debüt?

Da wir beim Prolog – aufgrund unserer zeitigen Anmeldung für die Baja Saxonia – als zehntes Fahrzeug starten durften, mussten wir schnell lernen mit einigen ganz speziellen Herausforderungen umzugehen. Waren auf der einen Seite an manch komplizierter Wegegabelung noch keine ausgefahrenen und die Navigation etwas erleichternde Spuren zu sehen, hatte ich mit einem Auge wachsam den Rückspiegel zu beobachten. Ich musste Ausschau halten nach heran fliegenden Rallye-Boliden, die sich zwar später angemeldet hatten aber 120%ig auf Sieg fuhren. Und aus zutiefst eigennützigem Interesse an unser beider Leben und Gesundheit wollten wir diese entweder sehr erfahrenen oder kopflosen Kollegen natürlich an uns vorbei lassen. Aber damit nicht genug. Das Platzmachen kostete wertvolle Sekunden. Schlimmer noch aber war das was sich danach abspielte: aufgrund der sich nach dem Überholvorgang vor uns aufbauenden undurchsichtigen und nicht wieder weichen wollenden Staubfahne, der wir aufgrund der Streckenführung aber auch nicht ausweichen konnten, mussten wir unsere Geschwindigkeit mehrmals fast bis auf Null reduzieren.

Trotzdem haben wir insgesamt eine ganz gute Linie gefunden und sind letztlich auf Platz 77 von fast 120  Startern gelandet. Nicht das schlechteste Ergebnis für einen Rallye-Auftakt – sagen wir uns.

Und wie gesagt, eine Rallye gewinnt man nicht im Prolog.

Fortsetzung folgt!

-

Navigator-Job: Roadbook auswendig lernen
Sammeln vor dem Start
Gleich geht’s los!
Geschafft! Fahrzeuge warten auf Service-Check
Check-Liste: keine Schäden am YellowCruiser!
Mach mal die Masse, Volker!
Rallye Candle Light Dinner
Rallye Junior bei Drift-Übungen im Camp
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Fahnenappell

06:30 Uhr war die Nacht das zweite Mal zu ende. Das erste Mal muss irgendwann gegen 04:00 Uhr gewesen sein, als sich die gefühlten Null Grad allmählich aber doch zielstrebig durch den Schlafsack durchgearbeitet hatten. Gepaart mit dem lebensgefährlichen Sägegeräusch aus dem Nachbarzelt (ich werde dem Kollegen mal eine Nacht zur medizinischen Beobachtung im Schlaflabor nahe legen …) wirkte diese Mischung heftig erwachend. Also raus aus dem Zelt zum Fahnenappell oder so ähnlich – nur außer uns war noch keiner wach …

Angefangen hatte die Nacht so gegen 03:00 Uhr, nachdem die Stromgeneratoren der Servicefahrzeuge und die fröhlichen Menschen nebenan dann so langsam verstummt sind. Der lautstark erzeugte Strom wurde aber am Aufbautag - oder besser in der Aufbaunacht - des Camps nicht etwa für echte Rallye-Services benötigt, sondern für Zwecke der Bierkühlung und für bunte Partybeleuchtung am Daktec Servicetruck. Hier herrschen das Team von Matthias Krüger und garantiert allzeit gute Stimmung!

Wir haben also überlebt! Die erste kalte Nacht im Fahrerlager der Baja Saxonia 2010, das ist doch schon mal was. Nachdem wir gestern unseren YellowCruiser das erste Mal auf dem Trailer und am Rallye-Bus hängen hatten, sind wir mit der gesamten Fuhre gut im Camp gelandet. Damit hat der Rallye-Bus seine eigentliche Feuertaufe gut bestanden!

Anmeldung, Zeltaufbau, Sponsorenaufkleberanbringen, technische Abnahme gingen dann bis zum Einbruch der Dunkelheit schnell voran. Zeit zum schlaue Sprüche machen war da noch nicht. Aber mit Einbruch der Dunkelheit und der verteilten Menge entsprechender Getränke wurde dann der „gesellige“ Teil des Abends eingeläutet. Und man konnte wieder beobachten, wie sich Lautstärke und inhaltlicher Anspruch diverser Kommunikation umgekehrt proportional verhalten, wobei Zeit und die erste Ableitung des Getränkekonsums mindestens quadratisch in diese Formel eingehen.

Beim Frühstück waren wir außer dem ORGA-Team die ersten Kaffeetrinker von 344 Teams! Wieso wird dies eigentlich nicht im Rallye-Reglement bewertet? Hier hätten wir eine gute Chance etwas Zeit gut zu machen …

Jetzt müssen wir erst einmal das Roadbook studieren und uns mental auf den Prolog einstimmen.

Fortsetzung folgt!

-

Rallye-Zug
Die Auswilderung des YellowCruisers beginnt
DAKTEC Rallye-Rummel-Service-Truck
Spielzeugladen für Männer
Volker kann sich nicht entscheiden
Oldie but Goldie
Großes Schiff mit Beiboot
Tri-tra-trullala; drei Trucks aus Holland sind da
Im Rallye-Camp …
… ist viel Betrieb
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Let’s rally!

Das wird unser Jahr! Ganz sicher! Gerade einige Stunden alt, zeigt sich das Jahr bereits von seiner besten Seite und produziert neben einigen Schneekrümeln auch interessante Neuigkeiten. Übrigens, Schneekrümel sorgen ja allgemein in Deutschland für Chaos auf den Straßen und neuerdings auch bei der Bahn. Man kann ja im Winter auch nicht damit rechnen, dass es mal kalt wird und dann auch noch schneit. Vorteil 4×4 - vier angetriebene Räder helfen zum Glück nicht nur offroad in Sand und Schlamm sondern auch inmitten der weißgezuckerten Zivilisation.

Apropos Neuigkeiten - nur einen Beitrag weiter unter hatte ich das Thema Schumi und das abgeblasene Formel-1 Comeback erwähnt. Da sieht man, wie schnelllebig die Zeit ist. Rechtzeitig vor Weihnachten gab es hier ja inzwischen neue Nahrung für das Medienspektakel. Alle Achtung, er will es doch noch mal wissen. Viel interessanter für uns wird aber garantiert die heute anlaufende DAKAR in Südamerika werden. Hier geht es zwar letztendlich auch fast nur um eine gigantische Materialschlacht, zumindest bei den Profis. Aber es gibt auch Teams mit kleineren Budgets, und das ist doch die eigentliche Würze für die DAKAR. Undenkbar im Formel-1 Zirkus. Also schauen wir mal, wie sich die einzelnen Teams bei der Andenüberquerung schlagen.

Dieses Jahr sind auch wieder einige Toyota Landcruiser J12 (Prado), unterstützt vom Reifenhersteller Cooper-Tires in Argentinien am Start. Genau unser Fahrzeugtyp, genau unsere Reifen. Laut marathonrally.com aber eine ‘außergewöhnliche Reifenwahl’. Bisher hatten wir jedoch nur gutes über die auf unserem YellowCruiser montierten Cooper STT Reifen gelesen, gehört und auch selbst erfahren. Daher ist das Thema für uns besonders spannend. Viele Australier schwören auf Cooper STT Reifen, sollte die südamerikanische Wüste hier andere Anforderungen stellen?

Aber zurück zu den Neuigkeiten: gemeinsam mit unseren Freunden von MT Rally (Polen) werden wir in diesem Jahr einen gemeinsamen Messestand auf der Automesse AMI im April in Leipzig bestreiten. Informationen aus erster Hand für alle Rallye-Interessierte! Und in diesem Zusammenhang wird es gemeinsam mit unseren Partnern und der Messe einige äußerst interessante Preise zu gewinnen geben - etwas, was man sich garantiert nicht kaufen kann. Aber die Katze lass’ ich heute und hier mal noch nicht aus dem Sack, wir wollen doch schön neugierig bleiben …

Sonst noch was? Na klar, heute ist die Anmeldung für die BAJA-SAXONIA Rallye rausgegangen! Also bitte schon mal vormerken: 13.-15.05.2010 in der Nähe von Leipzig. Und in wenigen Tagen wird die Registrierung für die MT Rally in Polen (24.04.-01.05.2010) möglich sein und definitiv erfolgen. Nicht schlecht für den ersten Tag des Jahres, oder?

Na dann - Euch allen ein gesundes, maximal interessantes und erfolgreiches Jahr 2010! Und - Let’s rally!

  • Facebook
  • Share/Bookmark