Samstag, 21 of Oktober of 2017

Tag » Fahrwerk

Baja Saxonia: Resümee

Einige Tage nach der Baja Saxonia lässt sich mit etwas Abstand ein Resümee ziehen: insgesamt eine super Rallye, perfektes Roadbook, etwas zu trockenes Wetter, fragwürdige Entscheidung der Rennleitung nach der Unterbrechung der zweiten Etappe, interessante Leute, etwas zu wenig Party, viele Zuschauer an der Strecke, trotzdem wenig Interesse in den regionalen Medien - dafür um so mehr bei den Offroad- und Motorsport-Medien. Und wieder viel gelernt. Aber auch durchaus Zufriedenheit mit dem erreichten Ergebnis und den vielen gesammelten Eindrücken auf unserer Seite.

Und die überhaupt wichtigste Erkenntnis der Baja Saxonia 2011: Speed ist eben nicht alles! Navigation is key - oder zu gut deutsch: man muss auch die CPs finden. Für mich geht diese Erkenntnis noch deutlich weiter: was nützt ein hochgezüchtetes Fahrzeug im Wert einer Eigentumswohnung mit Sauna und Dachterrasse nebst hochprofessionellem Service-Team und Ersatzteillager-Truck, wenn letztlich die Navigation  während des Rennens nicht funktioniert? Was nützt ein ständig am Bodenblech klebendes Gaspedal, wenn durch die maximale Belastung ganze Radaufhängungen abreißen oder andere Teile auf der Strecke bersten? Nach der Navigation - oder sogar noch davor - kommt das Ankommen überhaupt. Wir haben während der zwei Etappen etliche technische Ausfälle an der Strecke gesehen, bereits nach dem ersten Tag standen zahlreiche Fahrzeuge bereits wieder auf dem Trailer - ein deutliches Zeichen dass sie nicht noch mal zum Einsatz kommen sollten.

Nach der vergangenen MT Rally hatte ich ernste Zweifel an unserem Toyo, unser Fahrwerk war für die Panzerstrecken in Polen alles andere als perfekt geeignet. Ähnliche Erfahrungen hatten wir auch schon im letzten Jahr bei einigen Rennen gesammelt. Trotzdem sind wir dort und auch bei der diesjährigen Baja Saxonia ganz gut ins Ziel gekommen. War das Zufall? War das weil der Toyo bisher insgesamt noch nicht all zu viele Rallye-Kilometer gesehen hat? War das weil ein Toyota Landcruiser von Hause aus etwas robuster ist? War das weil wir etwas umsichtiger, eher “materialschonend” gefahren sind? Über letzteres hatten sich in der Vergangenheit immer mal einige ‘Kollegen’ lustig gemacht - ach so, die sind übrigens wieder ausgefallen wegen technischer Schäden …

Vielleicht war es wirklich nur Glück, aber sicher kann die Kombination aus guter Navigation und umsichtiger, kontinuierlicher Fahrweise nicht ganz falsch sein. Vielleicht gelingt es uns zusätzlich, den YellowCruiser mit einigen Optimierungen hinsichtlich Gewicht und Federweg doch noch etwas zu verbessern. Ich hatte vor der Baja Saxonia schon mit Gedanken an ein wesentlich standfesteres Fahrzeug gespielt - wenn es das wirklich gibt. Aber die ganzen tollen Hechte  aus dem Karpfenteich - oder sagen wir besser die meisten, also die mit den Suuuper-Rallye-Boliden, haben sich während der Baja Saxonia auf die eine oder andere Art abgeschossen. Sei es aufgrund fehlerhafter Navigation oder aufgrund technischer Ausfälle.  Und dies hat uns im Prinzip mit dem alles andere als einem Rallye-Boliden geltenden YellowCruiser auf einen für uns mehr als zufrieden stellenden 13. Platz gebracht (Vorjahr Platz 35). Trotz einiger eigener Fehler. Ohne diese Fehler - 10 Minuten Zeitverlust in der ersten Etappe durch das Umkippen und dann noch einmal 17 Minuten Verlust durch Festfahren im Sand während der zweiten Etappe - wären wir vielleicht mit etwas Glück sogar unter Platz 10 gerutscht. Was will man mehr?

-

Im Fahrerlager …
… wird überall geschraubt …
… und montiert …
… und gekocht …
… und geschlafen …
… und geschrieben …
… und getrunken …
… und viel gelacht!

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Der Bus kommt!

Wir brauchen unbedingt einen Bus!
Zum Ziehen des YellowCruisers per Anhänger vom “Hauptquartier” zu den diversen Veranstaltungs-Locations. Zum Transportieren von Mensch und Material. Flexibel soll er sein, unseren Toyo komfortabel von der Stelle bekommen, Platz soll er bieten und - natürlich was her machen! Und das alles am besten ohne riesiges Budget. Naja, das wäre die Quadratur des Kreises. Aber man kann sich vielleicht annähern. Ein Fahrzeug war zunächst schnell gefunden, in der Woche geschäftlich genutzt und am Wochenende zum Rallye-Bus umgeflaggt. Das klingt gut und nach sorgenfreiem Leben - und wäre daher hier vielleicht überhaupt nicht berichtenswert. Aber weit gefehlt! Denkt man ein Problem gelöst zu haben, tun sich sofort mindestens zwei neue Probleme auf - die natürlich noch komplizierter zu lösen sind, wenn überhaupt. Mathematisch würde man das wohl als exponentiell wachsenden Problemraum bezeichnen. Aber wer spricht denn hier von Problemen - wir haben doch in diversen Management-Seminaren gelernt: we don’t have problems, there are challenges only! Zu gut-deutsch: nichts haut uns um.

Challenge Nr.1: zulässige Anhängelast ändern

Unser Rallye-Bus - ein Volkswagen T5 Gebrauchtimport mit gepflegter holländischer (!!) Handwerkerhistorie - bietet mit der Kraft von 174 deutschen Pferden ordentlich Leistung. Laut Angabe im Fahrzeugschein dürfen die vielen Gäule einen maximal 2.500 kg schweren Anhänger ziehen. Nun ergibt unsere Additionsaufgabe (Leermasse YellowCruiser ca. 2.100 kg + Leermasse PKW-Anhänger ca. 800 kg) aber leider eine Gesamtanhängelast von ca. 2.900 kg. Also auf zur Behörde und eine höhere Anhängelast eintragen lassen!
Behörde sagt: “musst Du Gutachten von TÜV vorlegen”.
TÜV sagt: “musst Du Dokument von Volkswagen vorlegen”.
Volkswagen sagt: erst mal gar nichts und auf penetrante Nachfrage: “geht nicht”.

Dumm gelaufen! Aber “geht nicht” gibt’s ja bekanntlich bei uns nicht und laut einigen Foren im Internet gibt es da wohl ‘diverse Möglichkeiten’. Eine legale Möglichkeit sieht die Erhöhung der zulässigen Nutzlast per Gutachten (gegen Geld natürlich) vor und anschließend die Erhöhung der zulässigen Anhängelast einschließlich verstärkter Anhängekupplung inklusive Gutachten (gegen noch mehr Geld selbstverständlich). Das funktioniert laut dem Kleingedruckten des teuren Gutachtens aber leider nur mit einem serienmäßigen Fahrwerk. Der holländische Vorbesitzer unseres Rallye-Busses muss aber wohl ein kleiner Möchtegern-Schumi gewesen sein und hatte das Serienfahrwerk gegen ein tiefer gelegtes Gewindefahrwerk ausgetauscht: super Straßenlage hat er ja, aber eben keine Chance bei TÜV und Behörden. Also:

Challenge Nr.2: Fahrwerk ändern

In der Bucht von Ebay lag zum Glück ein so gut wie nicht genutztes Original-Fahrwerk und ließ sich für ein gerade noch vertretbares Investment ersteigern. Mit Renés Hilfe war das Fahrwerk dann in einer Nachtschicht auch gleich gewechselt. Damit sollten alle Voraussetzungen für die Eintragung einer höheren Anhängelast geschaffen sein. Nach einigem Hin- und Her hat der gute Mann von der DEKRA dann auch seinen Stempel darunter gesetzt. Na wer sagt’s denn!

Challenge Nr.3:  Sonn- und Feiertagsfahrverbot

Unser Rallye-Bus ist als LKW zugelassen. Na und? Es gibt da ja ein Fahrverbot für LKW an Sonn- und Feiertagen und dann gibt es noch eine Fernreiseverordnung, nach der LKW auch in der Urlaubs- und Reisezeit an Samstagen nicht auf bestimmten Autobahnen fahren dürfen. Das alles gilt zum Glück wie man so weiß nur für “große” LKW - Brummis eben, also LKW mit mehr als 3,5t Gewicht. Darüber freut man sich normalerweise als PKW-Fahrer am Wochenende und auf der Fahrt in den Urlaub. Und uns trifft das alles sowieso nicht, da unser “LKW” ja eben ein Gewicht von weniger als 3,5t hat. Es wäre auch zu blöd, wenn wir mit dem Rallye-Bus nicht am Wochenende fahren dürften, da ja viele Motorsport-Events logischerweise am Wochenende stattfinden. Also kein Problem.

Haste gedacht! Laut StVO gelten die Fahrverbote genauso auch für LKW <3,5t sobald diese mit Hänger unterwegs sind. Saublöd das! Genau das wollen wir doch aber, eben am Wochenende mit Rallye-Bus und Anhänger zum Spielen in den Sand fahren! Wieso überhaupt muss ein VW T5 “Multivan” mit fünf Sitzen als LKW zugelassen sein? Wenn ich die zahlreichen VW T5 Familienkutschen mit Mutti und mindestens vier Kindern - Malte, Thorge, Marie-Chantal, Hannah oder wie die Lieben heute so heißen - vor dem Schulhort halten sehe, glaube ich nicht an eine LKW-Zulassung. Das muss auch als PKW gehen. Schließlich bekommt der Staat für eine PKW-Zulassung mehr Steuern, sollte also gerade auf uns und eine Zulassungsänderung warten. Also wieder mal ein Gang zur Behörde.
Behörde sagt: “musst Du von TÜV abnehmen und umschlüsseln lassen”.
TÜV sagt: “geht nicht - Fahrzeugdaten in der Zulassung erlauben das nicht”.
Obwohl unser Bus vom Kopfstützenbezugstoffmuster über alle Fahrgestell-, Fahrwerks-, Bremsen- und Motorteile bis hin zum Sonnenblendenschminkspiegellämpchen identisch mit den als PKW zugelassenen Walldorfschulenzubringerbussen ist, gibt es keine Änderung - einmal LKW, immer LKW!

Letzte Möglichkeit: Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot (§30 Abs. 3 StVO) und vom Fahrverbot nach §1 der Ferienreiseverordnung für einen (Klein-)LKW mit Anhänger. So heißt das Formular. Ausgefüllt, eingereicht beim (wirklich !!) sehr freundlichen und verständnisvollen Landratsamtsmitarbeiter -
- und ab jetzt gelduldig warten auf Post …

Altes Fahrwerk raus …
… neues rein.
3070 kg Anhängelast eingetragen! :-)
Ausnahmegenehmigungserteilungsantragsformular

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Am Panzer scharf rechts!

Am nächsten Morgen ging es dann direkt ins Gelände. Natürlich erst einmal Briefing durch das MT Series Team, Papierkram unterschreiben, Roadbook fassen usw.

Das Roadbook für die erste Etappe hatte 309 Einträge, verteilt über ca. 140 km. Also 309 mal Aufpassen und die hoffentlich richtige Entscheidung treffen. 309 mal die Möglichkeit falsch abzubiegen. 309 mal Tripmaster zurücksetzen - richtige Rallyenauten sagen dazu “Nullen”. Also sagen wir ab jetzt auch “Nullen”.

Navigator Volker, der noch nie vorher ein Roadbook in der Hand gehalten hatte, geschweige denn danach gefahren war, verstand sofort, worum es ging. Und nach den ersten vier (richtigen) Ansagen waren wir ein eingespieltes Team, woran ich eigentlich vorher nie Zweifel hatte. Und es war zum Glück auch schnell klar, dass “sein” Links identisch mit “meinem” Links ist, was ja zwischen zwei Personen in einem Auto nicht immer der Fall ist. Wobei dies nach meiner Erfahrung und einer abenteuerlichen, gemeinsamen Tour mit einer netten Journalistin vor einigen Jahren rund um den Frankfurter Flughafen trotz Navigationssystem auch recht lustig sein kann. Aber wir hatten zum Glück Spaß von der anderen Sorte, eben für Männer. Manchmal war mein Gasfuß träger als Volkers “jetzt scharf rechts”, dann halfen nur Bremse und sofortiger Rückwärtsgang sowie ein gesundes Gottvertrauen, dass hinter uns kein anderes Fahrzeug stand. Zumindest ist der tote Sichtwinkel nach hinten im YellowCruiser bei mangelnder Bewegungsfreiheit - festgegurtet in den Rennsitzen - dreckverschmierten Spiegeln und schlammverkrusteter Heckscheibe ganz schön groß. Aber es ging alles gut, hatten wir doch einen ganz guten Vorsprung vor unseren Verfolgern aufgebaut.

An mancher Stelle wurde uns aber das leuchtende Gelb des YellowCruisers zum sportlichen ‘Verhängnis’ - irgendwie schienen sich die Qualitäten unseres frisch gebackenen Navigators herum gesprochen zu haben, denn die “Mitbewerber” folgen uns fast bedingungslos und hatten selbst bei großem Vorsprung und komplizierten Roadbook-Einträgen einfaches Spiel. Denn “die Gelben” waren auf dem weitläufigen Militärgelände ganz einfach zu sehen. Also einfach auf “die Gelben” draufhalten schien die Devise. “Da vorne sind die Gelben!”. Na gut, wo wir sind ist vorne!

Ich muss an dieser Stelle aber (ungern…) zugeben, dass wir uns an einem riesigen Schlammloch nicht vorne angestellt haben sondern den Bypass für Mädchen genommen haben. Wir wollten als Greenhorns den YellowCruiser nicht gleich am ersten Tag komplett im schwarzen Schlamm fluten. Mindestens ein Team der MT Series Rally hatte dort wenige Stunden vorher sein Fahrzeug verloren und rechnet damit, dass es in einigen Monaten wieder okay ist - keine Alternative für uns. Das heißt aber nicht, dass nicht genug Zeit war um das Schauspiel der Bergung von zwei festgefahrenen und beinahe abgesoffenen Jeep Cherokee zu beobachten. Einschließlich der netten und aufmunternden Kommentare der umstehenden Akteure - ja wer den Schaden hat …

Und auch um zu sehen, wie ein Kollege ganz selenruhig und mit Feingefühl mit einem (leichten …) Jeep Rubicon Zentimeter für Zentimeter durch die Passage “spazierte”. Alle Achtung!

Irgendwie verging die Zeit auf der Roadbook-Etappe insgesamt wie im Flug. Natürlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn nichts ist schöner als ein fliegender YellowCruiser. Nur - die Landung, oder besser der Aufschlag nach dem kurzen Abheben ist ganz schön hart. Zwar hat das Fahrwerk alles problemlos weggebügelt (Kompliment DAKTEC !!) , aber am Abend tat mir das Popometer und noch einiges andere ziemlich weh. Macht nichts, für ein solches Erlebnis nimmt man einige körperliche Leiden in Kauf. Und beim gemeinsamen Ansehen der Videos der anderen Teilnehmer am Abend im Camp hörten wir hier und da den Spruch “Sieh, da vorne sind die Gelben!”. Na wenn das die Schmerzen nicht vergessen lässt …

Ankunft am MT Series Camp
Die dürfen natürlich nicht fehlen …
Start der Roadbook-Etappe
Am Panzer scharf rechts!
Angreifer von hinten
Matsch voraus
Jeeps stecken im Tiefschlamm fest
Bitte mal das Kinderzimmer aufräumen!

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Yes we can!

Eigentlich ist klar, dass nur ein Fahrzeug des ur-amerikanischen Offroad-Herstellers für den harten Einsatz zwischen Moskau und Ulaan-Bator in Frage kommt. Immerhin mehr als 7.000 Kilometer quer durch sibirische Wälder, Steppe und mongolische Wüste! Seit Jahren bin ich irgendwie mit dieser Marke verheiratet und habe diverse Exemplare im rauen Gelände bewegt. Und das immer ohne Schäden und mit viel Spaß! Amerikanisch und robust - eben der Vater aller Geländewagen. Und die Marke ist Lebensinhalt: steht unter anderem für Freiheit und Natur und “The american way of life”. Fahrer dieser Marke sind irgendwie anders, vielleicht manchmal auch verrückt, halten zusammen, grüßen sich auf der Straße und manche treffen sich regelmäßig und haben gemeinsam viel Spaß. Yes we can!

Nur ist das auf dem Hof stehende Exemplar irgendwie zu klein - sicher absolut perfekt zum Klettern über Steine und spielen im großen Sandkasten.  Aber eine Marathon-Rallye? Da muss etwas Größeres her und richtig hergerichtet. Fahrwerk, Winde, Snorkel, und und und … - aber schon die gleiche Marke!

Also auf zum freundlichen Händler und mal sehen was der so auf dem Hof stehen hat. Kein Neuwagen, aber das aktuelle Modell sollte es schon sein. Schließlich werden wir auch einige PR-Unterstützung benötigen, und da ist es besser nicht  mit einem zu alten Modell unterwegs zu sein. Budget: 25.000 … 35.000 EUR. Da sollte die Auswahl groß sein.

  • Facebook
  • Share/Bookmark