Samstag, 21 of Oktober of 2017

Tag » MT Series

Braune Brühe überall!

Tomasz und Moli hatten am vergangenen Wochenende wie immer im Herbst zur MT Series gerufen. „MT“, inzwischen das Synonym für tiefe Panzerwellen und Sandstrecken, Nachtetappe(n) = Schlafdefizit und kalte Nächte im polnischen Wald. Aber auch für gute Organisation und für angenehme Leute rund um die Orga – zu einigen hat sich im Laufe der Zeit fast schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Daher war es nach der verletzungsbedingten Absage unserer Teilnahme an der Breslau Balkan im September kein großes Thema, die Entscheidung stand schnell fest: wir fahren zur MT!

Natürlich hatten wir unsere schmerzlichen Fahrwerks-bedingten Ausfälle mit unserem Toyota bei den letzten beiden MT-Veranstaltungen nicht vergessen und waren gespannt, wie sich unser neuer YellowRacer in diesem anspruchsvollen Gelände benehmen würde. Natürlich überwiegte der Optimismus, unterscheiden sich die beiden Fahrzeuge hinsichtlich Fahrwerkskonzept (Starrachse vs. Einzelradaufhängung), Rampenwinkel, Bodenfreiheit und Fahrzeuggewicht bzw. dessen Verteilung / Schwerpunkt doch grundsätzlich. Aber ein gesunder Respekt vor der Strecke und insbesondere vor einem jetzt möglicherweise insgesamt höheren Tempo bleib doch. Was ja nicht schlecht ist, weckt das die Aufmerksamkeit doch ganz besonders.

Auf dem Weg nach Polen lernten wir dann auch mal wieder ganz neue Fans kennen. Beim Reifendienst, der uns nach einem ziemlich lautstarken Reifenplatzer an der Hinterachse unseres Service-Trucks mitten auf dem Berliner Ring nach gut zwei Stunden Aufenthalt und um fast 300 Euro erleichtert, winkend vom Hof verabschiedete…

Man gönnt sich ja sonst nichts und ohne solche Einlagen wäre es doch glatt langweilig! Ohne weitere Ärgernisse meisterten wir dann doch noch die weitere Anfahrt ins Rallye-Camp, wo einige Freunde vom 4×4 Club Leipzig schon unser kleines, aber feines Club-Camp eröffnet hatten. So mit geheiztem Zelt und anderen snobistischen Annehmlichkeiten - bei nächtlichen Temperaturen unter Null war aber auch jede Wärmequelle begehrt! Grippal verseucht gelang es mir dann doch die Nacht mit zwei Schlafsäcken und Wollmütze im LKW-Fahrerhaus zu überstehen.

Der folgende Tag bot noch genügend Zeit für finale Checks am YellowRacer, das möglichst knitterfreie (Peter!) Anbringen der üblichen Aufkleber, technische Abnahme und dann das Warten auf den Prolog. Die knapp fünf Kilometer des Prologs hatten es hinsichtlich Schlamm und nassem Sand ziemlich in sich und ließen für die folgenden Etappen nichts Gutes erwarten. So gut wie jede Panzwerwelle war fast komplett mit Wasser oder Schlamm gefüllt! Der YellowRacer kam extrem schnell ins Rutschen und Schlingern, mit unseren BFGoodrich Baja Reifen, die uns bei der extrem trockenen Baja300 im Frühjahr einen sehr guten Dienst erwiesen hatten, waren wir hier absolut fehl am Platz. Also hieß es nach dem Prolog – den wir trotzdem ganz gut bewältigen konnten - unbedingt Radwechsel: MT-Reifen aufziehen. Aha, daher also der Begriff „MT“ = Mud Terrain = MT Rallye … oder so. Und noch was unangenehmes: Wasser und Schlamm drang von allen Seiten ins Fahrzeuginnere ein, im Fußraum stand die braune Brühe mehrere Zentimeter hoch und sogar die Frontscheibe war von innen (!!) mit Schlamm bespritzt. Wow, was sollte das erst nach mehr als 100 Kilometern werden?

Mit einiger Spannung erwartete ich auch, für wie viel Licht unsere LED-Lichtzeile auf dem Dach des YellowRacers während der anschließenden Nachtetappe über etwas mehr als 90 Kilometer tatsächlich sorgen wird und wie standfest und dreckanfällig die Konstruktion letztlich ist. Und was ist mit Ästen, den natürlichen Feinden der richtig teuren LEDs? Werden wir uns eventuell selbst blenden, entweder im Nebel oder gar über die Motorhaube? Zwar war alles in der heimischen Garage und im Gelände „vor der Haustür“ getestet, aber ein über mehrere Stunden durch viel Schlamm, Wasser und Wald verlaufendes Rennen mit verschmierten Scheiben und Scheinwerfern ist eben doch was anderes. Was soll ich sagen – besser hätte es nicht funktionieren können! Der Wald vor uns wurde taghell und offensichtlich war auch ein riesiges Wiesent – ein gigantischer schwarzer Brocken mit leuchtend grünen Augen, der direkt am Waldweg stand – so von der plötzlich auftauchenden Sonne erschrocken, dass er wie erstarrt stehen blieb. Zum Glück! Nicht auszumalen, wenn der auch nur einen Schritt in unsere Richtung gemacht hätte …

Über drei Viertel der Strecke kamen wir gut und ohne jegliche Navigationsprobleme voran. Wir waren begeistert, wie sich unser Fahrwerk mit den tiefen Panzerwellen arrangierte, nicht ein einziges mal verspürten wir so etwas wie einen Schlag oder eine Bodenberührung – wir wippten ohne Probleme über jede Welle, eine gänzlich neue „Er-Fahrung“! Von einem Roadbook-Bild auf’s andere passte dann aber plötzlich gar nichts mehr. Verdammt, wir waren total raus! Nach mehrfachem Abfahren aller möglichen und unmöglichen Varianten rund um die betreffende Stelle, bei dem fast 40 Minuten ohne jeglichen Fortschritt vergingen, entschieden wir uns dann zwangsläufig, einem anderen Teilnehmer zu folgen. Auch hier gelang es nicht wirklich, wieder unsere Fahrt mit dem Roadbook zu synchronisieren. Was war geschehen? Ohne eine Antwort darauf und ziemlich frustriert darüber – aber trotzdem zufrieden hinsichtlich der Leistungsfähigkeit unseres YellowRacers kamen wir schließlich stark übermüdet ins Ziel. Das – selbst verursachte – Problem konnten wir dann erst am folgenden Tag erkennen und zum Glück beheben …

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Da bist Du platt …
Boxenstop bei Berlin
MT Rally-Camp des 4×4 Club Leipzig
Letzte Checks am YellowRacer
Wie machen sich die LED’s auf dem Dach?
Nächtliche Irrfahrt - wir sind raus …
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Wir sind wieder da …

… also nicht nur in diesem Blog hier, aber dazu später mehr. Auch wenn es hier einige Zeit ziemlich ruhig war, so hat sich doch einiges getan in den letzten Wochen und Monaten. Leider war viel zu wenig Zeit, dies alles zu dokumentieren.

Es gäbe viel zu berichten, angefangen von unserem YellowCruiser. Der Toyo wurde inzwischen Beweisobjekt in einem garantiert spannend werdenden Gerichtsprozess. Allerdings ist hinsichtlich einer öffentlichen Berichterstattung diesbezüglich sicher (zunächst) etwas Zurückhaltung angebracht, Insider wissen aber schon worum es geht. Die gute Nachricht: unsere Rechtsschutzversicherung konnte unseren Argumenten, Beweisen und Gutachten folgen und übernimmt alle Kosten für Anwälte, Gutachter und Gericht. Na dann mal auf in die Schlacht, die Arena wechselt mal eben von der Rallye-Piste in den Gerichtssaal. Bemerkenswert ist aber, dass es hier – fernab von Staub und Schlamm – trotzdem ziemlich „schmutzig“ zuzugehen scheint …

Und dann wäre da auch der Ausbau unseres Service-Trucks: gleichzeitig mobile Werkstatt und „Rallye-Hotel“. Inzwischen ist der Innenausbau vom Doppelstockbett über Regale, Werkbank, Wassertank und Reifenlager bis hin zur Beleuchtung und Solaranlage so gut wie abgeschlossen. Und der Truck hat sich am letzten Wochenende auch bereits perfekt bewährt!

Ach ja, dann gab es auch noch die plötzliche, verletzungsbedingte Absage unserer fest geplanten Teilnahme an der Breslau Balkan Rallye im September. Zu schade, wir hatten uns auf zwei Wochen voller Abenteuer und neuer Eindrücke in Osteuropa gefreut! Mitten in den Vorbereitungen mussten wir aber leider die Reißleine ziehen und daheim bleiben.

Also, doch viel passiert in letzter Zeit. Und was ist eigentlich mit Rallye?

Wie ich schon sagte, wir sind wieder da! Am letzten Wochenende stand die aktuelle Ausgabe der MT Series Rallye in Polen auf dem Programm. Nachdem wir „dank“ der bei Gericht zu besprechenden (…) Probleme am Toyota sowohl bei der MT Series im Vorjahr als auch bei der MT Rally in diesem Frühjahr mit diversen Schäden am Fahrwerk abbrechen mussten, haben wir uns jetzt wieder nach Drawsko Pomorskie gewagt und uns dort mit dem neuen YellowRacer ins schlammige Vergnügen gestürzt. Das haben wir vorher nicht an die große Glocke gehängt, wollten wir doch erst mal ganz für uns allein sehen, wie wir uns schlagen. Wie wir dann trotz zweier massiver Navigationspatzer und „Peter’s Pinkelpausen“ durch die Rallye gekommen sind und mal nebenbei als Sieger im GORM-Finallauf gewertet wurden, lest Ihr dann aber im nächsten Blogeintrag.

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Erstens kommt es anders

- und zweitens als man denkt! Und dann auch noch über Nacht und ohne Vorwarnung!

Aus die Maus! Einen Tag vor der Abfahrt nach Polen zur MT Series fällt unser Navigator wegen gesundheitlicher Probleme aus. Ersatz kurzfristig nicht möglich. Alles ist gepackt, organisiert, vorbereitet, umgebaut, angebaut, Dachzelt angeschafft und montiert, Trailer gemietet, Service-Team angeheuert, Presseinformation geschrieben, Journalisten eingeladen - unser Rallye-Tross steht vollständig zur Abfahrt bereit vor der Tür. Eigentlich wären wir jetzt schon unterwegs in Richtung Nordosten …

Irgendwie ist es wie verhext, im Frühjahr fiel die MT Rallye in Polen wegen des tragischen Flugzeugunglücks des polnischen Präsidenten ins Wasser und wir verschoben unsere lange herbei gesehnte Rückkehr nach Polen auf den Herbst. Hatten wir doch im letzten Herbst im Umfeld der 2009-er MT Series und auf den riesigen Truppenübungsplätzen Nordpolens so richtig Blut geleckt und das großartige Team um Tomasz und Moli kennen und schätzen gelernt. Goldener Herbst und Cross Country Rallye in Drawsko Pommorskie, nichts Schöneres kann es geben als einen solchen Saisonabschluss!

Bunte Wälder und noch buntere Race-Cars, aufregende Drifts im Sand, Highspeed auf breiten Panzerpisten. Benzingespräche am nächtlichen Lagerfeuer, endloses Schrauben und Reparieren im Fahrerlager. Tagsüber Kampf gegeneinander und gegen die Zeit, abends gemeinsames Feiern und gute Stimmung untereinander. Diesmal leider ohne uns.

We will miss you, MT Series Rally! See you next time.

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The show must go on …

… es ist wieder Rallye-Zeit! Dabei ist der Balkan Offroad Marathon nur gerade einmal fast fünf Wochen her. Die Beulen im Blech des YellowCruisers erinnern noch an die vergangenen Abenteuer in deutlich wärmeren Gefilden. Einiges ist inzwischen wieder gerichtet und repariert, aber alles eben noch nicht. Warum auch, schließlich wollen wir mit unserem linksseitig etwas eingedrückten Toyo keinen Beauty-Contest gewinnen, sondern vor dem langen Winter noch einmal ordentlich Rallye-Feeling erleben. Und im Winter ist dann sowieso genügend Zeit um hier und da zu schrauben, zu reparieren und zu verbessern.

Ein Bekannter meinte neulich nachdem er über einen Zeitschriftenartikel in der Lokalpresse über unseren Balkan-Trip mit Foto von uns gestolpert war “Achso, Du verbrennst wieder Erdöl”! Ja was denn sonst? Einige Patrioten müssen sich doch darum kümmern, dass das Zeugs irgendwann alle ist. Sonst gäbe es doch keinen Grund für die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen, oder? Und von den Steuereinnahmen durch Betrieb und artgerechte Haltung unseres YellowCruisers wollen wir hier mal nicht reden. Oder doch? Verwendet werden diese wohl angeblich hauptsächlich zur Erhaltung des Straßennetzes. Welches wir ja eigentlich nicht benutzen. Also bitte, wir sind die Guten!

Aber zurück zur Rallye-Zeit. Die Beginnt wieder nächste Woche und führt uns nach einem Jahr endlich wieder nach Polen - zur MT Series in das ehemalige Militärgelände rund um Drawsko Pommorskie. Letztes Jahr haben wir dort schon einmal im Sand gewühlt und dabei viel Freu(n)de gefunden. Also geht es jetzt wieder los, das Packen, Planen und Organisieren von Logistik und all dem Drum und Dran. Und natürlich auch wie immer die Vorfreude und etwas Nervosität.

Wir melden uns dann wieder von unterwegs aus Polen. Denn: The show must go on!

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