Samstag, 21 of Oktober of 2017

Tag » Navigator

Erstens kommt es anders

- und zweitens als man denkt! Und dann auch noch über Nacht und ohne Vorwarnung!

Aus die Maus! Einen Tag vor der Abfahrt nach Polen zur MT Series fällt unser Navigator wegen gesundheitlicher Probleme aus. Ersatz kurzfristig nicht möglich. Alles ist gepackt, organisiert, vorbereitet, umgebaut, angebaut, Dachzelt angeschafft und montiert, Trailer gemietet, Service-Team angeheuert, Presseinformation geschrieben, Journalisten eingeladen - unser Rallye-Tross steht vollständig zur Abfahrt bereit vor der Tür. Eigentlich wären wir jetzt schon unterwegs in Richtung Nordosten …

Irgendwie ist es wie verhext, im Frühjahr fiel die MT Rallye in Polen wegen des tragischen Flugzeugunglücks des polnischen Präsidenten ins Wasser und wir verschoben unsere lange herbei gesehnte Rückkehr nach Polen auf den Herbst. Hatten wir doch im letzten Herbst im Umfeld der 2009-er MT Series und auf den riesigen Truppenübungsplätzen Nordpolens so richtig Blut geleckt und das großartige Team um Tomasz und Moli kennen und schätzen gelernt. Goldener Herbst und Cross Country Rallye in Drawsko Pommorskie, nichts Schöneres kann es geben als einen solchen Saisonabschluss!

Bunte Wälder und noch buntere Race-Cars, aufregende Drifts im Sand, Highspeed auf breiten Panzerpisten. Benzingespräche am nächtlichen Lagerfeuer, endloses Schrauben und Reparieren im Fahrerlager. Tagsüber Kampf gegeneinander und gegen die Zeit, abends gemeinsames Feiern und gute Stimmung untereinander. Diesmal leider ohne uns.

We will miss you, MT Series Rally! See you next time.

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Airforce connection

Nur noch zwei Wochen bis zur Abfahrt in Richtung Balkan. Nur noch zwei Wochen um letzte Ein-, An- bzw. Umbauten am YellowCruiser vorzunehmen und um die letzten Besorgungen zu machen. Nachdem wir letztes Wochenende noch einmal einen kurzen Exkurs im nahe gelegenen Tagebau zum finalen Fahrwerk- Check unternommen hatten, geht es jetzt in den letzten Tagen eher um die kleineren Details. Wer besorgt was, was kommt in welche Kiste oder wo und wie wird’s im Fahrzeug fest gemacht. Das Thema Listen hatte ich ja erst im letzten Beitrag behandelt - selbstverständlich gibt es auch für die kleinen und großen mitzunehmenden Dinge wie Kopfschmerztabletten, Toilettenpapier, Zelt, Ersatzzündschlüssel und Wörterbuch eine umfangreiche Liste. Und die fängt mit ADAC-Mitgliedausweis an und hört bei Zeltplane auf. Dazwischen gibt es ca. 90 Einträge, dies aber alles ohne Ersatzteile und Werkzeug usw., denn dafür gibt es ja eine andere Liste …

Für den Balkan Offroad Marathon wird mich übrigens als “Gast-” Navigator Hans-Peter Wohlfahrt aus Leipzig unterstützen, der sich bisher u.a. auch bestens mit der Steuerung und Navigation von Heißluft-Ballonen auskennt. Da oben im Ballon hat man ja meist einen ganz guten Überblick - vielleicht schicken wir während der Rallye mal eben zum schnelleren Finden der CP’s als Luftunterstützung einen Spionage-Ballon voraus ;-)

Fortsetzung folgt.

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Am Panzer scharf rechts!

Am nächsten Morgen ging es dann direkt ins Gelände. Natürlich erst einmal Briefing durch das MT Series Team, Papierkram unterschreiben, Roadbook fassen usw.

Das Roadbook für die erste Etappe hatte 309 Einträge, verteilt über ca. 140 km. Also 309 mal Aufpassen und die hoffentlich richtige Entscheidung treffen. 309 mal die Möglichkeit falsch abzubiegen. 309 mal Tripmaster zurücksetzen - richtige Rallyenauten sagen dazu “Nullen”. Also sagen wir ab jetzt auch “Nullen”.

Navigator Volker, der noch nie vorher ein Roadbook in der Hand gehalten hatte, geschweige denn danach gefahren war, verstand sofort, worum es ging. Und nach den ersten vier (richtigen) Ansagen waren wir ein eingespieltes Team, woran ich eigentlich vorher nie Zweifel hatte. Und es war zum Glück auch schnell klar, dass “sein” Links identisch mit “meinem” Links ist, was ja zwischen zwei Personen in einem Auto nicht immer der Fall ist. Wobei dies nach meiner Erfahrung und einer abenteuerlichen, gemeinsamen Tour mit einer netten Journalistin vor einigen Jahren rund um den Frankfurter Flughafen trotz Navigationssystem auch recht lustig sein kann. Aber wir hatten zum Glück Spaß von der anderen Sorte, eben für Männer. Manchmal war mein Gasfuß träger als Volkers “jetzt scharf rechts”, dann halfen nur Bremse und sofortiger Rückwärtsgang sowie ein gesundes Gottvertrauen, dass hinter uns kein anderes Fahrzeug stand. Zumindest ist der tote Sichtwinkel nach hinten im YellowCruiser bei mangelnder Bewegungsfreiheit - festgegurtet in den Rennsitzen - dreckverschmierten Spiegeln und schlammverkrusteter Heckscheibe ganz schön groß. Aber es ging alles gut, hatten wir doch einen ganz guten Vorsprung vor unseren Verfolgern aufgebaut.

An mancher Stelle wurde uns aber das leuchtende Gelb des YellowCruisers zum sportlichen ‘Verhängnis’ - irgendwie schienen sich die Qualitäten unseres frisch gebackenen Navigators herum gesprochen zu haben, denn die “Mitbewerber” folgen uns fast bedingungslos und hatten selbst bei großem Vorsprung und komplizierten Roadbook-Einträgen einfaches Spiel. Denn “die Gelben” waren auf dem weitläufigen Militärgelände ganz einfach zu sehen. Also einfach auf “die Gelben” draufhalten schien die Devise. “Da vorne sind die Gelben!”. Na gut, wo wir sind ist vorne!

Ich muss an dieser Stelle aber (ungern…) zugeben, dass wir uns an einem riesigen Schlammloch nicht vorne angestellt haben sondern den Bypass für Mädchen genommen haben. Wir wollten als Greenhorns den YellowCruiser nicht gleich am ersten Tag komplett im schwarzen Schlamm fluten. Mindestens ein Team der MT Series Rally hatte dort wenige Stunden vorher sein Fahrzeug verloren und rechnet damit, dass es in einigen Monaten wieder okay ist - keine Alternative für uns. Das heißt aber nicht, dass nicht genug Zeit war um das Schauspiel der Bergung von zwei festgefahrenen und beinahe abgesoffenen Jeep Cherokee zu beobachten. Einschließlich der netten und aufmunternden Kommentare der umstehenden Akteure - ja wer den Schaden hat …

Und auch um zu sehen, wie ein Kollege ganz selenruhig und mit Feingefühl mit einem (leichten …) Jeep Rubicon Zentimeter für Zentimeter durch die Passage “spazierte”. Alle Achtung!

Irgendwie verging die Zeit auf der Roadbook-Etappe insgesamt wie im Flug. Natürlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn nichts ist schöner als ein fliegender YellowCruiser. Nur - die Landung, oder besser der Aufschlag nach dem kurzen Abheben ist ganz schön hart. Zwar hat das Fahrwerk alles problemlos weggebügelt (Kompliment DAKTEC !!) , aber am Abend tat mir das Popometer und noch einiges andere ziemlich weh. Macht nichts, für ein solches Erlebnis nimmt man einige körperliche Leiden in Kauf. Und beim gemeinsamen Ansehen der Videos der anderen Teilnehmer am Abend im Camp hörten wir hier und da den Spruch “Sieh, da vorne sind die Gelben!”. Na wenn das die Schmerzen nicht vergessen lässt …

Ankunft am MT Series Camp
Die dürfen natürlich nicht fehlen …
Start der Roadbook-Etappe
Am Panzer scharf rechts!
Angreifer von hinten
Matsch voraus
Jeeps stecken im Tiefschlamm fest
Bitte mal das Kinderzimmer aufräumen!

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