Montag, 18 of Dezember of 2017

Tag » Orga

Balkan Mugge (6)

Die letzten zwei Tage der Balkan Breslau waren dahingehend etwas „entspannter“, als dass der gesamte Rallye-Tross im Camp am Schwarzen Meer blieb und nicht noch einmal umziehen musste. Gestartet wurde jeweils direkt am Strand, „Na hoffentlich bleiben wir nicht gleich wieder im Tiefsand stecken, das wäre mehr als blöd – und irgendwie auch peinlich“, waren jeweils meine Gedanken. Aber alles ging gut. Mit anderen Reifen und etwas weniger Luftdruck kamen wir am vorletzten Tag gut vom Start weg, auch wenn es im Sand ganz schön lange dauerte, bis ich in den dritten Gang hoch schalten konnte. An mehr war gar nicht zu denken. Wir konnten in Anbetracht der vor uns liegenden Etappe, dann fernab vom Strand, unseren Reifenluftdruck ja nicht soweit absenken, dass dieser optimal für den Strand war – und einen Kompressor zum Aufpumpen nach Verlassen des Strandes hatten wir auch nicht. Also galt es einen Kompromiss für den Luftdruck zu finden, der uns half, halbwegs über den Strand zu kommen und anschließend ohne zu geringen Luftdruck über die einzelnen Spezialen. Bloß nicht stehen bleiben!

Als wir den ersten Strandkilometer überwunden und inzwischen auch etwas Speed drauf hatten, machte das „Strandsurfen“ so richtig Spaß. Mir schwante allmählich, warum es die „Afrika-Fraktion“ eben immer wieder dorthin in die Dünen zieht - irgendwie ein geiles Fahren!  Aber wehe wenn man etwas zögerlich am Gas war, dies wurde sofort bestraft, da schien hinten jemand festzuhalten! Ich war dann aber heilfroh, als wir endlich vom Strand auf einigermaßen befestigte Wege abbiegen konnten. Hier ging es zunächst wieder kreuz und quer durch den engen Küstenwald, aber immerhin waren die Wege gerade so ohne größeren Bandscheibenschaden zu befahren. Anschließend wechselnden sich sehr schnelle Feld- und Wiesenwege sowie kleinere Waldpassagen ab. Insgesamt kamen wir gut und schnell voran, bis wir gegen Ende des Tages zunehmend Schwierigkeiten beim Navigieren hatten. Zunächst wieder in einer Ortschaft. Nichts passte, wir drehten Runde um Runde durch das Dorf, fanden aber das Roadbook-Bild nicht. Bis ein anderer Teilnehmer uns mitten auf der Dorfstraße wie aus heiterem Himmel von hinten in die Seite knallte, was die „Stimmung“ im Auto urplötzlich kippen ließ. Die dabei frei werdende „Energie“ half aber irgendwie eine Lösung des Navigationsknotens herbei zu führen und wir kamen wieder einige Kilometer bzw. Roadbook-Seiten voran – bis ich nach längerem Schweigen von rechts plötzlich den Satz „Ich bin raus!“ hörte. Uups, und das gerade mal zwei oder drei Kilometer vor dem Tagesziel …

Und damit wir nicht aus der Übung kamen, ging es am nächsten, letzten Tag bei uns im Auto genauso navigations-chaotisch los. Als wir vom Strand abbogen, erwischten wir offensichtlich eine „Abfahrt“, also einen Weg durch die Düne zu früh – wir folgten fälschlicherweise irgendwie reflexartig einigen tief ausgefahrenen Spuren im Sand und einem anderen Teilnehmerfahrzeug, das neben einem gut einsehbaren Weg nach oben durch die Dünen stand. Das dies der falsche Weg sein musste wurde uns erst ziemlich spät bewusst, noch länger dauerte es bis wir dann wieder zurück auf Roadbook-Kurs waren. Meine anfängliche große Hoffnung, aufgrund unserer aktuellen Platzierung auf Platz 13, des nur geringen Zeitrückstandes auf die drei unmittelbar vor uns liegenden Plätze sowie einiger bekannter technischer Probleme mancher vor uns liegender Teams, am letzten Tag noch ein wenig an der Platzierung zu verbessern, löste sich damit im herrlich blauen bulgarischen Himmel zunehmend in Luft auf.

Unabhängig davon bot die Etappe durch Weinberge, über Sonnenblumenfelder und riesige ausgetrocknete Wiesen eine herrliche Landschaft mit manch traumhaftem Ausblick auf das Schwarze Meer – auch wenn wir diese oft nur kurz aus den Augenwinkeln oder im Rückspiegel registrieren konnten. Im weiteren Verlauf gab es zum Glück keine weiteren Probleme, am Nachmittag erreichten wir dann endlich und einigermaßen erschöpft das letzte Tagesziel.

Nun war sie Geschichte, die Balkan-Breslau 2013! Wir hatten das Ziel erreicht, unser YellowRacer hat uns ohne ernsthafte Probleme über die insgesamt knapp 1.800 Kilometer gebracht! Ich denke das ist bemerkenswert, in den vergangenen Jahren waren wir solche Entfernungen insgesamt nie gefahren: sehr anstrengend, aber doch machbar. Platzierung? Naja, Platz 14. Gutes Mittefeld. Nicht das, was ich erwartet hatte, aber da waren immerhin mehr Teams hinter uns als vor uns. Was hätten wir besser machen können? Besser navigieren – sicher. Und schneller fahren natürlich. Aber dann hätten wir sicher so manche Nacht geschraubt, geflext  und geschweißt, wie so viele der anderen Teams. Und wir wären höchstwahrscheinlich mit einem „zerknitterten“ Auto angekommen, wenn wir angekommen wären. Wie so viele der anderen Teams. Hätten wir dabei mehr Spaß gehabt, als wir jetzt schon hatten? Sicher nicht. Also waren wir ganz zufrieden, die Spaß- und Erlebnisbilanz sah positiv aus. Hatte ich nicht vor einigen Wochen hier gebloggt „wir sind Erlebnissammler“? Ziel erreicht!

Bleibt abschließend zu bemerken, dass die Balkan-Breslau seitens der Organisation hochgradig professionell vorbereitet und durchgeführt wurde. Alle Achtung, die Orga hat hier eine richtig gute Veranstaltung – vom Roadbook über Streckenposten, Camps mit Duschen und (meist) WLAN, Hotels, (manchmal) Möglichkeiten der Fahrzeugwäsche bis hin zur landestypischen Abschlussparty mit Feuerwerk und allem Pipapo – hingezaubert. Respekt! Und danke an alle einzelnen Orga-Leute, die sicher oft wenig Schlaf – aber nach meinem Eindruck meist auch viel Spaß hatten!

Start am Strand …
… bloß nicht wieder eingraben!
Verlockender, aber leider falscher Weg!
Dann aber mit Speed quer durch Weinberge …
… Wald …
… und Felder
Gute Stimmung …
… am Abend im Camp
Bulgarische Abschlussparty
Danke Orga!!
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Baja300 MD - Stage 2

Zweiter Tag im Rennen um die Baja300 Mitteldeutschland. Zweiter Tag Staub und Hitze. Zweiter Tag im neuen YellowRacer. Zweiter Tag volle Konzentration. Zweiter Tag ohne Erbarmen fürs Popometer …

Zweiter Tag am Start zwischen zwei Konkurrenten, bereit zum ersten Dreikampf der Etappe um die ersten Kilometer und gleichzeitig um gute Sicht oder eben Staubwolke und Dreck voraus. Aber diesmal war ja der zweite Tag und wir wollten heute nach vorn. Somit gelang es mir spielend die zwei anderen Fahrzeuge rechts und links neben mir am Start stehen zu lassen, unser brüllendes AMG-Triebwerk schob uns kräftig an und wir hatten die ersten Kilometer die vor uns liegende Strecke für uns und somit ganz gute Sicht. Naturgemäß hielt dies nicht lange, als wir auf ein kurz vor uns gestartetes Fahrzeug aufschlossen, war es damit vorbei und wir kamen in den unschönen Genuss der vor dem Rennen lang und intensiv diskutierten, vom Reglement geforderten weißen Staubleuchten am Heck der vor uns fahrenden Fahrzeuge. Doch doch, die Forderung erschien uns jetzt vernünftig, die weißen Lichter voraus sah man deutlich besser als die üblichen roten Rückleuchten.

Die ersten zwei bis drei Runden entwickelten sich gut für uns, allerdings sahen wir die ersten ausgefallenen Fahrzeuge am Rand stehen. Dabei laufen dann immer gleichzeitig zwei durchaus widersprüchliche (Kurz-)Filme vor dem geistigen Auge ab: einerseits natürlich steigt die Hoffnung auf eine bessere eigene Platzierung, wenn als Favorit gehandelte bzw. in der Wertung weiter vorn liegende Teams ausscheiden. Andererseits fühlt man aber auch mit den ausgefallenen Teams und kann den Schmerz und die Enttäuschung über das plötzliche Aus nachvollziehen. Auch wird man selbst knallhart an die dünne Linie zwischen Ankommen auf der einen Seite und technischem Ausfall oder gar Unfall auf der anderen Seite erinnert.

Und das diese Linie ganz dünn ist durften wir zunächst in der dritten Runde erfahren, als uns ein ganz besonders unsportlicher Typ genau in einer Rechtskurve, direkt vor einer Passage, an der definitiv nur ein Auto durch passte - diese war extra mit gut sichtbaren Straßenpfosten markiert !! - , aus heiterem Himmel voll in die rechte Seite knallte, weil er wohl meinte er muss dort auch unbedingt noch mit oder gar vor uns durch. Nur wenige Sekunden später wäre über endlose breite Pistenkilometer genügend Platz gewesen und es ging bei dem Kollegen auch überhaupt nicht mehr um eine nennenswerte vordere Platzierung! Wie krank ist das denn?

Der Schreck hielt einige Zeit an, nicht zu sprechen vom heftigen Schaden an diversen GFK-Teilen unseres YellowRacers. Aber es ging trotzdem weiter! Wir waren die ersten drei Runden deutlich schneller als am Vortag unterwegs - bestätigten uns hinterher auch manche der wieder voll in Hitze, Kohlestaub und Dreck stehenden CP-Posten. Hitze und Dreck durften wir dann aber leider auch genießen - nur wenige Kilometer nach dem Zusammenstoß, konkret in der vierten Runde, stellte unser YellowRacer nach einem Gangwechsel und ohne Vorwarnung plötzlich jeglichen Vortrieb ein und ließ sich nur noch schiebend an die Seite und später durch ein Abschleppfahrzeug der ORGA von der Strecke schieben. Ich tippte auf Kupplung oder Getriebe.

Damit waren wir aus dem Rennen und durften über fast vier Stunden (3h 48min, siehe Bild oben) im glühend heißen Sand sitzend und mit massiv zur Neige gehenden Flüssigkeitsvorräten das Ende des Rennens abwarten. Death Valley in Mitteldeutschland. Schatten nur unterm Auto, die 2m hohen Birken am Streckenrand erzeugten nicht mal annähernd etwas was man Schatten nennen konnte. Überall nur Dreck und Staub, jetzt konnten wir fühlen was die Leute von der ORGA an den CPs auf der Strecke leisten. Und wir durften auch wieder erleben, wie es sich jenseits der anderen Seite der dünnen Linie anfühlt …

Insgesamt dann Platz 38 von 85 in unserer Klasse gestarteten Fahrzeugen. Ach reden wir nicht darüber!

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Vortrieb ohne Ende …
Und er fliegt
Death Valley in Mitteldeutschland …
… und kein Tropfen Wasser!
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Baja Saxonia: 35. Platz!

Geschafft! Nach zwei Wertungsprüfungen sind wir ohne größere technische Schäden durchs Ziel der 3. Baja Saxonia gerollt!

Die erste Etappe fing am Freitag sehr viel versprechend an, zwar war es ungewöhnlich kalt für Mitte Mai aber zum Glück hielt sich der Regen (noch) zurück. Die Strecke war somit gut fahrbar und bestand aus schnellen zu fahrenden Wegen und Schotterpisten aber auch aus sandigen und sehr welligen, steinigen und garantiert Material mordenden Abschnitten. Kein Grund zur Klage, dies hatten wir irgendwie erwartet. Da im Gegensatz zum Prolog vor uns doch schon einige Fahrzeuge mehr gestartet waren, war die Navigation nicht zu kompliziert. Die vielen vor uns fahrenden Fahrzeuge hatten eindeutige Spuren auf der Piste hinterlassen und das Roadbook diente zunehmend zur Bestätigung und zur Vorbereitung auf unerwartete Abbiegungen oder andere Überraschungen. Allmählich begann es dann jedoch zu Regnen und die Strecke wurde zunehmend rutschiger. Erste Teams kamen nicht mehr durch den Schlamm, LKWs blieben an Steigungen stecken.

An einer Steigung, kurz nach dem Beginn unserer dritten ca. 20 km-Runde, kam es dann unmittelbar vor uns zu einem folgenschweren Unfall. Ein verletzter  Teilnehmer, der wohl von einem LKW übersehen und angefahren wurde, musste leider mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Eine ziemlich bedrückende Situation für uns, keiner wusste genau was wirklich passiert war und wie ernst die Situation für den Verletzten war. Den Gesichtern der sehr schnell an der Unfallstelle eintreffenden Ärzten und Orga-Leute konnte man aber deutlich den wohl bestehenden Ernst der Lage ansehen. Erinnerungen an Berichte von der DAKAR mit Toten oder schwer Verletzten kamen auf und die Befürchtung, dass sich hier etwas Ähnliches abgespielt haben könnte. Natürlich mit allen Konsequenzen für das hiesige Event aber auch für den Offroad-Motorsport insgesamt. Etwas schockiert waren wir dann jedoch, als der unmittelbar neben uns landende und bald darauf wieder mit dem Verletzten abhebende Rettungshubschrauber von einigen Teilnehmern offensichtlich als interessanten Foto- oder Video-Motiv entdeckt wurde. In Folge des Unfalls und möglicherweise auch in Anbetracht des Wetters und dessen Auswirkungen auf die Befahrbarkeit bzw. Gefährlichkeit der Strecke ließ die Orga aber dann die Etappe abbrechen. Glücklicherweise wurden wir am späten Abend beim Fahrerbriefing informiert, dass der Verletzte außer Lebensgefahr sei und dass das Rennen am nächsten Tag - mit einigen Streckenänderungen in Anbetracht des Regens - weiter gehen wird.

Trotzdem entschieden einige Teams am nächsten Tag nicht zu starten. Diese Entscheidungen aber auch einige explizite Hinweise der Orga auf sehr glatte Streckenabschnitte brachten uns am späten Abend schon etwas zum Grübeln. Aber jetzt aufgeben? Nein, dafür waren wir nicht hier. Die Zahl derer, die am nächsten Tag starten wollten, war deutlich größer als die Zahl der Abbrecher und damit war unsere Entscheidung klar - wir starten zur zweiten Etappe! Unser Platz nach der ersten Etappe war übrigens Nr. 49. Und damit waren wir mehr als zufrieden.

Nach einer weiteren sehr kalten und lauten Nacht im Fahrerlager reihten wir uns gegen Samstagmittag in die Reihe der Starter zur zweiten Etappe ein. Die ersten drei Runden der Strecke, die nicht weniger anspruchsvoll war als die des Vortages, waren schnell und ohne Probleme gefahren. Die tiefer und tiefer zerwühlten und nicht großräumig umfahrbaren Schlammabschnitte in zwei Waldpassagen aber auch auf einer riesigen sumpfartigen Wiese machten uns jedoch zunehmend Angst, dass wir uns garantiert irgendwann hier fest fahren würden. Gleichzeitig wurde aber unser Kampfgeist wach. Und mit jeder dann doch erfolgreichen Vollgas-Durchquerung dieser Abschnitte unter Einsatz beider Sperren wuchs unser Respekt vor der Kraft und Traktion, die unser YellowCruiser in unaufhörlichen Vortrieb umsetzte.

Im Verlaufe der fünften Runde schien mit dem plötzlichen Aufleuchten einer roten Warnleuchte der kraftvolle Vortrieb doch noch unverhofft enden zu wollen. Schrecklich! Die Warnleuchte signalisierte eine überhöhte Temperatur des Automatik-Öls und ich befürchtete Schlimmes für die verbleibenden Kilometer. Letztlich forderte die Warnleuchte zum Glück aber nur eine deutliche Entlastung und Abkühlung des Getriebes, was wir auf den langen und geraden Streckenabschnitten realisierten konnten, indem wir unser Triebwerk nicht zu stark forderten und eher mit wenig Druck aufs Gaspedal eine einigermaßen erzielbar hohe Geschwindigkeit zur Kühlung des Aggregates wählten. Dieses Problem beschäftigte uns kontinuierlich bis zum Schluss der Etappe, die damit allerdings dann wie im Fluge verging. Ziemlich abgekämpft aber dennoch hocherfreut rollten wir dann nach sechs Runden und einer Fahrzeit von ca. 4,5 Stunden ohne technische Probleme durchs Ziel. Aus dem 41. Platz für die zweite Etappe entwickelte sich dann in der Gesamtwertung insgesamt der 35. Platz, was uns schon etwas stolz machte. Immerhin haben wir damit mehr als 60 Teams hinter uns gelassen, darunter garantiert Teams mit deutlich mehr Rallye-Erfahrung und teilweise technisch weit überlegenen Fahrzeugen.

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Zweikampf
Unimog im Tiefsand
YellowCruiser …
… mit Schlammkruste
schneller Waldtransporter

Am CP
Freude am Ziel
Autowäsche am Tagebau
Abendessen und Abschied
Siegerehrung
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