Samstag, 21 of Oktober of 2017

Tag » Polen

Déjà-vu im polnischen Wald

Als für uns erstes Event des Jahres sollte uns die MT Rally vom 11. bis 14. April 2012 in der Nähe von Drawsko Pomorske (Polen) auf die kommende Motorsport-Saison einstimmen. Wir hatten einige handfeste Gründe, die Rallye verhalten anzugehen und vor allem auf gewohnt sichere Navigation zu setzen, anstatt es gleich richtig krachen zu lassen. Mussten wir ja im vergangenen Herbst die MT Series im gleichen Gelände aufgrund wiederholter Defekte am neuen Fahrwerk unseres YellowCruisers leider abbrechen.

Nachdem das Fahrwerk über den Winter nochmals überarbeitet wurde und auch einige Fahrwerksteile, die es im Herbst wiederholt zerstört hatte, extra verstärkt wurden, wollten wir zunächst erst einige Erfahrungen mit dem neuen Setup machen und fuhren von Beginn an sehr defensiv. Dies war darüber hinaus auch beabsichtigt im Hinblick auf die in nur vier Wochen auf die MT Rally folgende Baja300 Mitteldeutschland. Da diese unmittelbar ‘vor unserer Haustüre’ stattfindet, wollten wir zur MT nicht unbedingt größere Schäden am Fahrzeug riskieren. Also starteten wir am Mittwoch gut gelaunt und mit einer gehörigen Portion Optimismus in den Prolog und in die anschließende erste Nachtetappe, dem eigentlichen Highlight der MT Rally. Diesmal waren bei der MT sogar zwei Nachtetappen vorgesehen - selbstverständlich ohne Abstriche bei den Tagesetappen, was in Kombination mit dem üblichen Betrieb im Fahrerlager erhebliche Schlafdefizite ankündigte. Egal, wir hatten so wie die meisten Teilnehmer für genügend Extra-Licht gesorgt, einschließlich einer Großpackung Sicherungen und Ersatzlampen für den Fall der Fälle und stürzten uns in die Dunkelheit des polnischen Waldes.

Neben dem Respekt vor den berühmt-berüchtigten, vor allem nachts sehr schwer abschätzbaren Panzerwellen auf dem NATO-Truppenübungsplatz sorgten wir uns auch etwas vor plötzlich auftauchendem Großwild, was wir in der Nacht zuvor bereits an der Strecke gesehen hatten. Die CP’s fanden wir spielend, unser neues GPS-System unterstützte uns auch perfekt bei den zum Teil unmittelbar aufeinander folgenden Kompasskursen. Ohne jegliche Navigationsfehler kamen wir im Gegensatz zu einigen anderen Teams vor allem hier sehr gut voran. Jedoch versagte etwa nach der Hälfte der Etappe ohne Vorwarnung und ohne bewusst wahrgenommene Kollision mit Boden, Baumwurzeln oder ähnlichem unser überarbeitetes Fahrwerk wieder seinen Dienst und ein zerbrochener Querlenker an der Vorderachse einschließlich abgerissener Koppelstange und in Folge aufgerissener Antriebswelle verbot uns die Weiterfahrt und machte eine Bergung durch den MAN KAT der ORGA notwendig. Letzteres erfolgte ausgesprochen zügig und sehr professionell!

Nach der Reparatur des Schadens in der zweiten Nachthälfte - danke hier an den Teamkollegen vom 4×4-Club Leipzig ! - konnten wir zum Glück am darauf folgenden Morgen in die zweite Etappe starten. Auch hier lief es zu Beginn wieder trotz selbst verordneter Langsamfahrt sehr gut, es gab einen abwechslungsreichen Gelände-Mix und wieder zahlreiche Kompasskurse. Zwar empfanden wir und manches andere Team einige Abschnitte der Strecke -  insbesondere ein tiefes Schlammloch, dass für uns nur mit Windeneinsatz zu bezwingen war - als nicht ganz passend unter der Bezeichnung ‘Cross Country’, aber insgesamt war dies dann doch zu vernachlässigen. Zumindest bescheinigte man uns hier die schnellste und professionellste Winch-Aktion, was vor allem dem Einsatz unseres Co-Piloten zu verdanken ist. Nicht zu vernachlässigen war für uns jedoch der erneute Wegfall der Dämpferwirkung unseres Fahrwerks an der Vorderachse im letzten Viertel der Etappe. Dieses Déjà-vu brachte uns zurück auf die Tatsche, dass es hier doch erhebliche Probleme zu geben scheint und die Sichtung des Schadens nach Zieleinfahrt bestätigte die erneute Zerstörung diverser Teile in diesem Bereich. In Anbetracht dieser Tatsache(n) entschieden wir uns dann, die MT Rally an dieser Stelle abzubrechen.

Unabhängig davon war die MT Rally wieder eine sehr professionell organisierte Veranstaltung, mit deutlich mehr Teilnehmern als in der Vergangenheit. Danke und Grüße an das gesamte MT Rally Orga Team um Tomasz und Moli!

Gebrochener Querlenker

"Gebrochener" Navigator ;)

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Erstens kommt es anders

- und zweitens als man denkt! Und dann auch noch über Nacht und ohne Vorwarnung!

Aus die Maus! Einen Tag vor der Abfahrt nach Polen zur MT Series fällt unser Navigator wegen gesundheitlicher Probleme aus. Ersatz kurzfristig nicht möglich. Alles ist gepackt, organisiert, vorbereitet, umgebaut, angebaut, Dachzelt angeschafft und montiert, Trailer gemietet, Service-Team angeheuert, Presseinformation geschrieben, Journalisten eingeladen - unser Rallye-Tross steht vollständig zur Abfahrt bereit vor der Tür. Eigentlich wären wir jetzt schon unterwegs in Richtung Nordosten …

Irgendwie ist es wie verhext, im Frühjahr fiel die MT Rallye in Polen wegen des tragischen Flugzeugunglücks des polnischen Präsidenten ins Wasser und wir verschoben unsere lange herbei gesehnte Rückkehr nach Polen auf den Herbst. Hatten wir doch im letzten Herbst im Umfeld der 2009-er MT Series und auf den riesigen Truppenübungsplätzen Nordpolens so richtig Blut geleckt und das großartige Team um Tomasz und Moli kennen und schätzen gelernt. Goldener Herbst und Cross Country Rallye in Drawsko Pommorskie, nichts Schöneres kann es geben als einen solchen Saisonabschluss!

Bunte Wälder und noch buntere Race-Cars, aufregende Drifts im Sand, Highspeed auf breiten Panzerpisten. Benzingespräche am nächtlichen Lagerfeuer, endloses Schrauben und Reparieren im Fahrerlager. Tagsüber Kampf gegeneinander und gegen die Zeit, abends gemeinsames Feiern und gute Stimmung untereinander. Diesmal leider ohne uns.

We will miss you, MT Series Rally! See you next time.

  • Facebook
  • Share/Bookmark

The show must go on …

… es ist wieder Rallye-Zeit! Dabei ist der Balkan Offroad Marathon nur gerade einmal fast fünf Wochen her. Die Beulen im Blech des YellowCruisers erinnern noch an die vergangenen Abenteuer in deutlich wärmeren Gefilden. Einiges ist inzwischen wieder gerichtet und repariert, aber alles eben noch nicht. Warum auch, schließlich wollen wir mit unserem linksseitig etwas eingedrückten Toyo keinen Beauty-Contest gewinnen, sondern vor dem langen Winter noch einmal ordentlich Rallye-Feeling erleben. Und im Winter ist dann sowieso genügend Zeit um hier und da zu schrauben, zu reparieren und zu verbessern.

Ein Bekannter meinte neulich nachdem er über einen Zeitschriftenartikel in der Lokalpresse über unseren Balkan-Trip mit Foto von uns gestolpert war “Achso, Du verbrennst wieder Erdöl”! Ja was denn sonst? Einige Patrioten müssen sich doch darum kümmern, dass das Zeugs irgendwann alle ist. Sonst gäbe es doch keinen Grund für die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen, oder? Und von den Steuereinnahmen durch Betrieb und artgerechte Haltung unseres YellowCruisers wollen wir hier mal nicht reden. Oder doch? Verwendet werden diese wohl angeblich hauptsächlich zur Erhaltung des Straßennetzes. Welches wir ja eigentlich nicht benutzen. Also bitte, wir sind die Guten!

Aber zurück zur Rallye-Zeit. Die Beginnt wieder nächste Woche und führt uns nach einem Jahr endlich wieder nach Polen - zur MT Series in das ehemalige Militärgelände rund um Drawsko Pommorskie. Letztes Jahr haben wir dort schon einmal im Sand gewühlt und dabei viel Freu(n)de gefunden. Also geht es jetzt wieder los, das Packen, Planen und Organisieren von Logistik und all dem Drum und Dran. Und natürlich auch wie immer die Vorfreude und etwas Nervosität.

Wir melden uns dann wieder von unterwegs aus Polen. Denn: The show must go on!

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Don’t call it ‘coffee’!

Kaffee? Bitte nachbessern!

Letzter Tag im polnischen Offroad-Paradies. Natürlich wollen wir es zum Schluss noch mal gehörig krachen lassen. Aber zu viel nun auch wieder nicht. Sind wir doch bis hier ohne nennenswerte technische oder medizinische Probleme gekommen, so wollen wir jetzt so kurz vor Schluss den YellowCruiser nicht noch ernsthaft kaputt machen oder gar schrotten.

Andere Offroader im Team waren leider vereinzelt vom Pech verfolgt, angefangen von einem wohl liebestollen Hirsch, der offensichtlich die Flanke eines Defenders mit seiner Braut verwechselte (=Glasbruch), über einige Reifenschäden bis hin zu Motorausfällen. Also wollten wir den Teiletod nicht unbedingt noch auf der letzten Etappe herausfordern. Und wir mussten ja auch noch auf eigener Achse die knapp 500 Kilometer bis nach Hause zurücklegen.

Trotzdem war es geländemäßig ziemlich anspruchsvoll, Regen und schwarzer Lehmboden hatten sich gegen uns verbündet. Einige hatten jedoch ihre helle Freude beim Sprung in die Pampe und anschließendem Herauswinchen, wobei wir uns aus oben genannten Gründen etwas zurück hielten. An einer ziemlich ‘bösen’ Kuppe kam es dann doch zum bewussten Krachen, zumindest meldete sich irgendetwas mit lautem Knall von unten. Bei der späteren Schadensbegutachtung zeigte sich dann das Übel: beide hinteren Achsfangbänder waren gerissen! Kein Problem fürs Weiterfahren, aber irgendwie trotzdem ein ungutes Gefühl. War der Sprung über die Kuppe und die entstehenden Kräfte so mächtig, dass die dicken Drahtseile reißen? Oder ist das doch schon irgendwo vorher passiert? Hätte es uns - wenn die Fangbänder nicht gewesen wären - sonst gar die Hinterachse abgerissen? Puh, irgendwie schien das noch mal gut gegangen zu sein, die Achsfangbänder lassen sich einfach auswechseln.

Scheinbar ganz nebenbei hat es auch noch beide Nebelscheinwerfer in der ARB-Stoßstange erwischt - Glasbruch. Aber das war dann auch schon die Schadensbilanz für die gesamte Polen-Tour. Es hätte durchaus schlechter kommen können.

Auf der Rückfahrt gab es zusätzlich noch ein für Offroader sehr erwähnenswertes, positives Erlebnis. Nach dem Verlassen des schlammigen Geländes steuerten wir in der Stadt Walcz eine Tanke mit Waschbox an, um den größten Dreck loszuwerden. In Deutschland, so zeigt die traurige Erfahrung, sind in der Umgebung von Offroad-Veranstaltungen normalerweise sämtliche Waschboxen zugenagelt - (berechtigte …) Angst der Tankstellen- oder Waschplatzbesitzer vor massenhaft Schlamm und Dreck. Anders bei der ORLEN-Tankstelle in Walcz - man ließ uns gewähren, war sehr freundlich uns zuvorkommend! Und als wir fertig waren, kam ein freundlich lächelnder Servicemitarbeiter mit Besen und Schaufel zum Zusammenkehren der Schlammrückstände in der Waschbox! Das wäre bei uns unvorstellbar! Als wir uns bei Mr. Service dafür mit einem ‘Pfund’ bedanken wollten, schien er sogar beleidigt und weigerte sich, den Schein anzunehmen. Schade, aber auf jeden Fall war das ein super Service und die Tanke ist jedem zu empfehlen der in der Nähe ist. Also Offroader, wenn Ihr in Nordwestpolen Kraftstoff bunkern müsst, fahrt nach Walcz zu ORLEN (N 53 27.6289, E 16 48.6078)!

Ende Gelände - das war’s dann für uns im polnischen Offroad-Paradies. Insgesamt hatten wir viel Spaß und anspruchsvolle Etappen. Wir haben interessante Leute kennen gelernt und konnten die Grenzen des YellowCruisers wahrhaft erfahren. Mit vielen Endrücken im Kopf und natürlich mit dem festen Plan zur Teilnahme an der MT Series Rallye (www.mtrally.pl) im nächsten Jahr ging es dann nach Hause.

Fazit: Fünf super Tage, jederzeit wieder und jedem zu empfehlen.
Nur eines können die Freunde in unserem östlichen Nachbarland wirklich nicht: Kaffee.

————————–

Dear MT Series Team - dear Tomasz and Moli ,

This is to say thank you for your support and hospitality. It was a great pleasure and a very good experience to meet you guys and to ride our YellowCruiser on your rally tracks. Except the ’sight seeing’ (I’m sure, you know what I mean) it was a perfect event and we enjoyed every mile.

PS: Only one little thing, please - the warm brown liquid stuff  - don’t call it ‘coffee’! ;-)

See you next year!

Thomas & Volker

————————–

Dichter Wald, Schlamm …
… und hohes Gras
Achsfangband vorher …
… und nachher :-(((
Lampenglas kaputt
Danke …
… Tanke!
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Er will doch nur spielen

Heutige Tagesaufgabe: Angriff auf eine ehemalige Russenkaserne, oder das was davon nach Jahren des Verfalls noch übrig geblieben ist. Die Kaserne liegt am Rande einer - für solche Verhältnisse - ziemlich großen Ortschaft namens Borne Sulinowo, in der zu Zeiten des Kalten Krieges offensichtlich etliche tausend Menschen von und mit der ruhmreichen Roten Armee gelebt haben. Luftaufklärung über Google-Maps? Fehlanzeige, keine detaillierte Satellitenkarte für dieses Gebiet verfügbar. Absicht oder Zufall? Macht nichts, erkunden wir das Gelände eben auf allen Vieren.

Rein optisch passen die dunkelgrünen oder schwarzen Land Rover und Jeeps unserer Kollegen natürlich besser in die Ex-Militärlandschaft als unser gelb-bunter Paradiesvogel. Aber unser YellowCruiser kommt ja in friedlicher Absicht, oder sagen wir treffender “Er will doch nur spielen!”.

Nachdem der Generalstab offiziell zum Angriff geblasen hatte, besetzten die allradmotorisierten Truppen in kürzester Zeit den zentralen Panzerspielplatz.  Ohne jegliche Feindberührung und Gegenwehr.

Offensichtlich hatten wir das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Kein Wunder, waren wir doch sowohl farblich aber auch hinsichtlich weiterer markanter Details wie polnische, deutsche, britische (Rechtslenker) und österreichische Nummernschilder sowie diverse Fahrzeugaufkleber mit - für den nicht eingeweihten Betrachter - mehr oder weniger sinnfreien Sprüchen und Losungen ein absolut wirrer Haufen. Ganz abgesehen von den jeweiligen Fahrzeugbesatzungen und deren individueller, unberechenbarer Angriffstaktik.

Irgendwie doch eine skurrile Szenerie. Das Gelände und die darauf wühlenden und hopsenden Offroader erinnerten mich dann doch eher an meine frühkindlichen Sandkasten- und Matchbox-Erlebnisse als an die militärischen ‘Spielchen’ während der Wehrdienstzeit. Nur hatten früher die anderen Kinder immer die schöneren Matchbox-Autos, natürlich aus dem Westen. Aber das ist jetzt vorbei, unser YellowCruiser ist eindeutig der Platzhirsch und die anderen Kinder können jetzt mal was erleben!

Gefreiter Volker wollte diese Situation der Überlegenheit im Buddelkasten richtig auskosten und leerte sogleich genussvoll eine 100mm (Durchmesser!) BE-Powerdrink-Granate, scheinbar so eine Art polnisches Red-Bull. Dermaßen befeuert hüpfte Volker dann auch wie ein junger Landser durch die löchrige Landschaft und schoss Fotos in allen möglichen und unmöglichen, teilweise gefährlichen Lagen. Er wollte unbedingt fotografisch festhalten, wie der YellowCruiser aus einem riesigen Sandloch auf ihn zu gesprungen kommt. Hat er dann auch. Aber nicht dass hier ein falscher Eindruck von jugendlicher Gefahrenunterschätzung entsteht - doch nicht in unserem Alter …

Artillerie von rechts
Alle Achtung - Allradbus kämpft erfolgreich mit
Wer findet das tiefste Sandloch?

Zaubertrank-Granate
Uwaga fotograf! (Achtung Fotograf!)
Wir helfen gestrandetem Land Rover
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Winch Dir was …

… war am nächsten Tag das Tagesmotto, und das aber ordentlich. Los ging es jedoch erst mal ziemlich spannend mit dem Finden - oder sagen wir besser Suchen - der Startposition bzw. der Startrichtung der zweiten Roadbook-Etappe. Wir hatten die Koordinaten der Startposition und das Roadbook zeigte den Startpunkt links neben einem einzeln stehenden Baum. Aber da gab es mindestens zwei Richtungen in die man starten konnte; hier ließ uns das Roadbook ziemlich allein. Also einfach langsam los in die Richtung die vor uns lag, mal sehen was kommt. Das Schicksal schien uns sofort wohl gesonnen - nachdem die nächsten drei Wegpunkte des Roadbooks ziemlich mit dem übereinstimmten, was wir rechts und links erkennen konnten, entschieden wir uns für maximale Kraftstoffzufuhr in die Brennkammern des YellowCruiser-Kraftwerks: Volle Fahrt voraus!

So ging es dann ganz engagiert und mit viel Speed über Sandpisten und Waldwege, bis es von Stunde zu Stunde zunehmend feuchter wurde. Nicht nur von oben, nein auch die Pfützen entwickelten sich zunehmend zu Respekt einflößenden Wasserlöchern, in denen man gut und gerne diverse Fahrzeuge ohne Abwrackprämie hätte versenken können. Urplötzlich schossen mir Bilder mit abgesoffenen Fahrzeugen und bis zum Kinn im Schlamm steckenden Rallye-Piloten von der Dresden-Breslau durch den Kopf, die im Sommer genau diesen Abschnitt befahren hatten.  Hoffentlich holen wir uns hier keine nassen Füße!

Aber die ersten Wasserdurchfahrten machten uns recht optimistisch und ließen auf weiteres gutes Gelingen hoffen. Bis uns der eklig schwarze, knietiefe Schlamm in der Zufahrt zu einer Flussquerung plötzlich festhielt und ohne fremde Hilfe nicht mehr loslassen wollte. Sperren? Waren alle bereits drin. Zusätzlich hatte der YellowCruiser ziemliche Schräglage und ich die Befürchtung, dass wir mit der rechten Seite direkt auf der Uferböschung liegen. Was bei dem Gewicht sicher einige böse Dellen mit sich bringen würde. Mist!

Wohl oder übel musste jetzt die Winde ran. Klar, die im Trockenen stehenden ‘Zaungäste’ hatten gut Lachen und jede Menge superschlaue Kommentare. Na toll, kaum steckst Du fest und schon fangen die anderen an zu feiern!

Dank eines erfahrenen Jeepers kamen wir trotzdem ganz gut wieder aus der schwarzen Soße raus - bzw. in den Fluss hinein, aus dem wir uns dann auf der anderen Seite an einem Baum herauswinchen konnten. Damit war dann auch gleich das neue Equipment von der Winde selbst bis hin zu diversen Gurten standesgemäß eingeweiht und schlammverschmiert. Natürlich haben wir in diesem Zusammenhang auch noch das Windenseil total verknotet aufgewickelt und anschließend beim kompletten Abwickeln aus der Winde gerissen! Saublöd das!

Schaden macht klug, sagt man. Zumindest waren wir nach dieser Aktion um einiges schlauer. Glück im Unglück hatten wir jedoch trotzdem, an der rechte Seite des YellowCruisers war bis auf einige kleine Striemen auf der gelben Folie nichts zu sehen, nicht eine kleine Delle. Na das ging ja noch mal gut …

Es ging bergauf …
… und bergab.
Bis dann nichts mehr ging …
… wegen schwarzer Pampe.
Winde marsch!
Das hat man nun davon :-(
  • Facebook
  • Share/Bookmark

Am Panzer scharf rechts!

Am nächsten Morgen ging es dann direkt ins Gelände. Natürlich erst einmal Briefing durch das MT Series Team, Papierkram unterschreiben, Roadbook fassen usw.

Das Roadbook für die erste Etappe hatte 309 Einträge, verteilt über ca. 140 km. Also 309 mal Aufpassen und die hoffentlich richtige Entscheidung treffen. 309 mal die Möglichkeit falsch abzubiegen. 309 mal Tripmaster zurücksetzen - richtige Rallyenauten sagen dazu “Nullen”. Also sagen wir ab jetzt auch “Nullen”.

Navigator Volker, der noch nie vorher ein Roadbook in der Hand gehalten hatte, geschweige denn danach gefahren war, verstand sofort, worum es ging. Und nach den ersten vier (richtigen) Ansagen waren wir ein eingespieltes Team, woran ich eigentlich vorher nie Zweifel hatte. Und es war zum Glück auch schnell klar, dass “sein” Links identisch mit “meinem” Links ist, was ja zwischen zwei Personen in einem Auto nicht immer der Fall ist. Wobei dies nach meiner Erfahrung und einer abenteuerlichen, gemeinsamen Tour mit einer netten Journalistin vor einigen Jahren rund um den Frankfurter Flughafen trotz Navigationssystem auch recht lustig sein kann. Aber wir hatten zum Glück Spaß von der anderen Sorte, eben für Männer. Manchmal war mein Gasfuß träger als Volkers “jetzt scharf rechts”, dann halfen nur Bremse und sofortiger Rückwärtsgang sowie ein gesundes Gottvertrauen, dass hinter uns kein anderes Fahrzeug stand. Zumindest ist der tote Sichtwinkel nach hinten im YellowCruiser bei mangelnder Bewegungsfreiheit - festgegurtet in den Rennsitzen - dreckverschmierten Spiegeln und schlammverkrusteter Heckscheibe ganz schön groß. Aber es ging alles gut, hatten wir doch einen ganz guten Vorsprung vor unseren Verfolgern aufgebaut.

An mancher Stelle wurde uns aber das leuchtende Gelb des YellowCruisers zum sportlichen ‘Verhängnis’ - irgendwie schienen sich die Qualitäten unseres frisch gebackenen Navigators herum gesprochen zu haben, denn die “Mitbewerber” folgen uns fast bedingungslos und hatten selbst bei großem Vorsprung und komplizierten Roadbook-Einträgen einfaches Spiel. Denn “die Gelben” waren auf dem weitläufigen Militärgelände ganz einfach zu sehen. Also einfach auf “die Gelben” draufhalten schien die Devise. “Da vorne sind die Gelben!”. Na gut, wo wir sind ist vorne!

Ich muss an dieser Stelle aber (ungern…) zugeben, dass wir uns an einem riesigen Schlammloch nicht vorne angestellt haben sondern den Bypass für Mädchen genommen haben. Wir wollten als Greenhorns den YellowCruiser nicht gleich am ersten Tag komplett im schwarzen Schlamm fluten. Mindestens ein Team der MT Series Rally hatte dort wenige Stunden vorher sein Fahrzeug verloren und rechnet damit, dass es in einigen Monaten wieder okay ist - keine Alternative für uns. Das heißt aber nicht, dass nicht genug Zeit war um das Schauspiel der Bergung von zwei festgefahrenen und beinahe abgesoffenen Jeep Cherokee zu beobachten. Einschließlich der netten und aufmunternden Kommentare der umstehenden Akteure - ja wer den Schaden hat …

Und auch um zu sehen, wie ein Kollege ganz selenruhig und mit Feingefühl mit einem (leichten …) Jeep Rubicon Zentimeter für Zentimeter durch die Passage “spazierte”. Alle Achtung!

Irgendwie verging die Zeit auf der Roadbook-Etappe insgesamt wie im Flug. Natürlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn nichts ist schöner als ein fliegender YellowCruiser. Nur - die Landung, oder besser der Aufschlag nach dem kurzen Abheben ist ganz schön hart. Zwar hat das Fahrwerk alles problemlos weggebügelt (Kompliment DAKTEC !!) , aber am Abend tat mir das Popometer und noch einiges andere ziemlich weh. Macht nichts, für ein solches Erlebnis nimmt man einige körperliche Leiden in Kauf. Und beim gemeinsamen Ansehen der Videos der anderen Teilnehmer am Abend im Camp hörten wir hier und da den Spruch “Sieh, da vorne sind die Gelben!”. Na wenn das die Schmerzen nicht vergessen lässt …

Ankunft am MT Series Camp
Die dürfen natürlich nicht fehlen …
Start der Roadbook-Etappe
Am Panzer scharf rechts!
Angreifer von hinten
Matsch voraus
Jeeps stecken im Tiefschlamm fest
Bitte mal das Kinderzimmer aufräumen!

  • Facebook
  • Share/Bookmark

Jedem sein Paradies!

Wo liegt das Paradies? Diese Frage konnte in der Literatur bisher nicht ganz vollständig geklärt werden. Aber - hier kommt die gute Nachricht für Offroader: wir haben es gefunden! Wenn es ein Paradies gibt, dann liegt es exakt bei N 53 27.427, E 015 49.556 bzw. innerhalb der umgebenden 30×30km², ca. 100km östlich von Szczecin (Stettin) im Nordwesten von Polen. Austragungsort einiger berühmt-berüchtigten Etappen der Dresden-Breslau sowie der MT Series Rally in der vergangenen Woche. Wir waren mit dem YellowCruiser dort und sind einige Roadbook-Strecken der MT gefahren. Noch ohne Wertung, aber ganz klar mit dem Ziel die Grenzen von Fahrzeug und Team auszuloten.

Offroadfreuden pur, Sand ohne Ende, Strecken für jeden Geschmack und jede Geschwindigkeit. Huckelpisten, Tiefsand, Flussquerungen, Wasser und Schlamm ganz nach Bedarf. Und freundliche Menschen! Also nicht nur in den Offroadfahrzeugen. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

Am Samstag ging’s los. Knapp 6 Stunden Anfahrt bis zum Basis-Camp, im YellowCruiser wie immer eine bequeme Sache. Kurz hinter der Landesgrenze dann die erste angenehme Erfahrung: der Liter Diesel kostet umgerechnet rund 90 Cent. Da macht das Cruisen doch gleich noch mehr Spaß als zuhause! Aber der Anblick der sehr grauen Ortschaften und der deutlich unter dem für uns gewohnten Lebensstandard lebenden Leute dort stimmte uns ziemlich nachdenklich. Und dann noch der Smog, der über allen Orten hing, qualmende Schornsteine aus denen Kopfschmerzen und Magenumdrehungen verursachender Qualm stieg! Garantiert ein Ergebnis aus der Verbrennung von extrem minderwertiger Braunkohle - ganz wie vor über 20 Jahren bei uns in der Gegend um Leipzig und Espenhain. Aber war das bei uns wirklich so schlimm? Von Paradies kann diesbezüglich keine Rede sein, wie eng liegen Freud und Leid doch manchmal beisammen. Und der unaufhörliche Regen machte alles noch grauer und trostloser. Auf jeden Fall brummte uns mächtig der Schädel, als wir hungrig im Camp ankamen.

Und es war kalt in Polen. 3°C am Abend, Regen und Wind ohne Ende. Gut dass wir uns gegen das Zelt und für ein Hotelzimmer im Camp entschieden hatten. Naja, die Bezeichnung Hotel war etwas übertrieben, aber auf alle Fälle ein festes Dach über dem Kopf zum Schlafen und eine warme Dusche. Was will man mehr.

Gleich beim Ausladen ‘überfielen’ uns die männlichen Gäste einer in den Räumlichkeiten des “Hotels” stattfindenden Hochzeitsgesellschaft und wollten sich vor dem YellowCruiser fotografieren lassen. Scheinbar war unser Gelber attraktiver als die hübsche polnische Braut - was ich eigentlich nicht fand ;-). Oder war das sogar der Bräutigam selbst, der seine Braut in Anbetracht des gelben Race-Cars für einige Momente sitzen ließ? Irgendwie stolz ließen wir sie natürlich gewähren …

Leider waren die im “Hotel”-Prospekt angepriesenen Restaurants nicht vorhanden bzw. geschlossen, so dass wir uns nach einem kurzen Besuch beim örtlichen Supermarkt mit einigen Lebensmitteln für ein artgerechtes Abendessen eindecken konnten. Volker war glücklich, dass wenigstens eine bekannte Biermarke verfügbar war, wenn auch eine aus Holland …

Morgen folgt dann hier der Bericht von der ersten Etappe durchs Offroad-Paradies.

Trostlose Ortsdurchfahrt
Alt-sozialistischer Plattenbau
Hochzeitsgäste vor YellowCruiser
Offroader’s Abendmahl

  • Facebook
  • Share/Bookmark