Samstag, 21 of Oktober of 2017

Tag » Roadbook

Baja Saxonia: Resümee

Einige Tage nach der Baja Saxonia lässt sich mit etwas Abstand ein Resümee ziehen: insgesamt eine super Rallye, perfektes Roadbook, etwas zu trockenes Wetter, fragwürdige Entscheidung der Rennleitung nach der Unterbrechung der zweiten Etappe, interessante Leute, etwas zu wenig Party, viele Zuschauer an der Strecke, trotzdem wenig Interesse in den regionalen Medien - dafür um so mehr bei den Offroad- und Motorsport-Medien. Und wieder viel gelernt. Aber auch durchaus Zufriedenheit mit dem erreichten Ergebnis und den vielen gesammelten Eindrücken auf unserer Seite.

Und die überhaupt wichtigste Erkenntnis der Baja Saxonia 2011: Speed ist eben nicht alles! Navigation is key - oder zu gut deutsch: man muss auch die CPs finden. Für mich geht diese Erkenntnis noch deutlich weiter: was nützt ein hochgezüchtetes Fahrzeug im Wert einer Eigentumswohnung mit Sauna und Dachterrasse nebst hochprofessionellem Service-Team und Ersatzteillager-Truck, wenn letztlich die Navigation  während des Rennens nicht funktioniert? Was nützt ein ständig am Bodenblech klebendes Gaspedal, wenn durch die maximale Belastung ganze Radaufhängungen abreißen oder andere Teile auf der Strecke bersten? Nach der Navigation - oder sogar noch davor - kommt das Ankommen überhaupt. Wir haben während der zwei Etappen etliche technische Ausfälle an der Strecke gesehen, bereits nach dem ersten Tag standen zahlreiche Fahrzeuge bereits wieder auf dem Trailer - ein deutliches Zeichen dass sie nicht noch mal zum Einsatz kommen sollten.

Nach der vergangenen MT Rally hatte ich ernste Zweifel an unserem Toyo, unser Fahrwerk war für die Panzerstrecken in Polen alles andere als perfekt geeignet. Ähnliche Erfahrungen hatten wir auch schon im letzten Jahr bei einigen Rennen gesammelt. Trotzdem sind wir dort und auch bei der diesjährigen Baja Saxonia ganz gut ins Ziel gekommen. War das Zufall? War das weil der Toyo bisher insgesamt noch nicht all zu viele Rallye-Kilometer gesehen hat? War das weil ein Toyota Landcruiser von Hause aus etwas robuster ist? War das weil wir etwas umsichtiger, eher “materialschonend” gefahren sind? Über letzteres hatten sich in der Vergangenheit immer mal einige ‘Kollegen’ lustig gemacht - ach so, die sind übrigens wieder ausgefallen wegen technischer Schäden …

Vielleicht war es wirklich nur Glück, aber sicher kann die Kombination aus guter Navigation und umsichtiger, kontinuierlicher Fahrweise nicht ganz falsch sein. Vielleicht gelingt es uns zusätzlich, den YellowCruiser mit einigen Optimierungen hinsichtlich Gewicht und Federweg doch noch etwas zu verbessern. Ich hatte vor der Baja Saxonia schon mit Gedanken an ein wesentlich standfesteres Fahrzeug gespielt - wenn es das wirklich gibt. Aber die ganzen tollen Hechte  aus dem Karpfenteich - oder sagen wir besser die meisten, also die mit den Suuuper-Rallye-Boliden, haben sich während der Baja Saxonia auf die eine oder andere Art abgeschossen. Sei es aufgrund fehlerhafter Navigation oder aufgrund technischer Ausfälle.  Und dies hat uns im Prinzip mit dem alles andere als einem Rallye-Boliden geltenden YellowCruiser auf einen für uns mehr als zufrieden stellenden 13. Platz gebracht (Vorjahr Platz 35). Trotz einiger eigener Fehler. Ohne diese Fehler - 10 Minuten Zeitverlust in der ersten Etappe durch das Umkippen und dann noch einmal 17 Minuten Verlust durch Festfahren im Sand während der zweiten Etappe - wären wir vielleicht mit etwas Glück sogar unter Platz 10 gerutscht. Was will man mehr?

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Im Fahrerlager …
… wird überall geschraubt …
… und montiert …
… und gekocht …
… und geschlafen …
… und geschrieben …
… und getrunken …
… und viel gelacht!

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MT-Rally: Licht aus …

Der Prolog zur MT-Rally war reichlich kurz. Etwas über 4 Kilometer Buckelpiste, reichlich Bewegungsfreiheit für Federn und Dämpfer. Aber kaum ausreichend um auf Betriebstemperatur zu kommen. Unsere Gedanken waren aber schon viel weiter voraus, bei der gegen 21.00 Uhr startenden Nachtetappe. 100 Kilometer, rundum alles mehr oder weniger grau oder schwarz. Werden unsere Dachscheinwerfer von Nutzen sein oder eher von tief hängenden Ästen abrasiert? Wie gut und wie rechtzeitig sind Hindernisse oder auch tiefe Bodenwellen sichtbar? Werden wir überhaupt die „Wege“ auf dem Panzerübungsplatz als solche identifizieren, geschweige denn an Kreuzungen den richtigen Abzweig zu finden? Auf unserer Anfahrt am Mittwoch hatten wir in den hiesigen Wäldern massenhaft Wild am Straßenrand stehen sehen, kommen uns die Hirsche oder Wisente – die es hier tatsächlich geben soll – in die Quere? Viele wirre Fragen und Gedanken, die mir vor der Etappe durch den Kopf gingen.

Dann ging es los, das Startschauspiel. Irgendwie surrealistisch, die Boliden und Streitwagen mitten auf dem dunklen, schier endlosen Gelände. Mit taghell leuchtenden Scheinwerfern an allen möglichen Positionen, auf dem Dach, auf der Stoßstange oder auf der Motorhaube. Den coolsten Eindruck machte ein 500er Fiat Prototyp, der als 4×4-Kampfmaschine aufgebaut war (Bilder folgen später bei besserer Internetverbindung). Dazu das Dröhnen der Motoren beim Abflug der Teams gleich hinter der Startlinie und wie sich die Race-Cars mit voller Festbeleuchtung in die Dunkelheit und den Wald bohrten. Einen besonders eindrucksvollen Hochstart legte Rolf vom ORC-Team hin, wobei er sich – wie ich später hörte – bei der unvermeidbaren Landung gleich wesentliche Motorteile seines neu aufgebauten Mercedes-G zerstörte und damit nur etwas später aus dem Rennen war. Schade!

Wir kamen gut vom Start weg und ich war begeistert von der Lichtausbeute unserer Dachscheinwerfer. Sehr gute Sicht, wir hatten die vier Scheinwerfer so ausgerichtet dass zwei nach vorn und je einer nach vorn rechts bzw. vorn links leuchtete und somit fanden wir alle Abzweigungen bestens. Hochspritzender Schlamm kam nicht bis auf das Dach und damit blieben die dortigen Scheinwerfer sauber. Das ermöglichte uns insgesamt eine sehr gute Navigation. Nur wenige Fehlentscheidungen oder etwas längere Überlegungen und 360° Zirkel. An manchen Stellen gab es massiven Verkehr in beide Richtungen, obwohl alle das gleiche Roadbook hatten!

Dann Schlamm. Tiefer Schlamm. Vorn, links und rechts. Na und vor allem unten! Alle Sperren drin, Vollgas. Plötzlich wechselte der Vortrieb in eine andere Richtung, nämlich nach unten. Wir saugten uns regelrecht in dem mehr als. 50 cm tiefen Schlamm fest – Ende. Sto djelatsch (was tun)? Ein uns verfolgendes Team hielt und zog uns freundlicherweise am Bergegurt aus dem Schlamassel. Allerdings hatte dabei Hans-Peter das unschöne „Vergnügen“ bis zu den Knien im Schlamm zu versinken, denn der Gurt musste ja vorn am Auto festgemacht werden (leider vor Aufregung keine Fotos gemacht!). Nur wenige Kilometer, danach kam dann Wasser – Flussdurchfahrt voraus. Eigentlich kein Problem, die Fotografen hatten tolle Motive – super Blitzlichtgewitter rundum.

Aber der Fluss schien etwas nachtragend auf die nächtliche Ruhestörung zu reagieren. Einige hundert Meter danach wurde es plötzlich um uns herum dunkel. Also nicht weil die Fotografen weg waren. Es dauerte einige Sekunden, bis ich realisierte, was passiert war. Licht aus! Bis auf die Nebelscheinwerfer – die ich ja erst vor der Rallye hinter Gitter verbannt hatte – leuchtete kein einziges Licht mehr am YellowCruiser. Sicherungscheck? Fehlanzeige, alle Sicherungen okay. Nach ca. 20 Minuten Fehleranalyse entschieden wir uns langsam und auf dem kürzesten Weg zum schon nahe liegenden Ziel durchzuschlagen. Glücklicherweise hatten wir bereits alle Checkpoints absolviert und konnten so die Etappe gerade noch gut beenden. Nicht mit Highspeed, aber immerhin. Allerdings sahen uns die Orga-Leute am Ziel etwas komisch an, und ich glaube das war weil wir von der falschen Seite ins Ziel gefahren kamen …

Trotzdem - Gesamtplatzierung nach einer Etappe: Platz 15 – von mehr als 30 Startern in unserer Klasse!.

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Balkan-Offroad: Endlich Speed!

Am Freitag zeigte das Roadbook zwei Wertungsprüfungen mit jeweils 92 Kilometern und 67 Kilometern sowie drei Liaisons zu je zwei mal 132 Kilometern und ein mal 46 Kilometern. Also ein ziemlich anspruchsvolles Programm. Für die Liaisons - bei denen im Unterschied zu den Wertungsprüfungen die gefahrene Zeit nicht in die Wertung eingeht - jedoch ein maximales Zeitlimit für die Absolvierung der Liaison vorgegeben ist und überwacht wird - waren wieder sehr harte Offroadstrecken ausgewählt. Am Abend hin war es natürlich erwartungsgemäß aufgrund der Gesamtlänge spannend, ob wir das Rennen noch bei Tageslicht beenden konnten.

Nachdem die erste Wertungsprüfung schon ganz gut lief, brachte die zweite Wertungsprüfung endlich sehr schnelle Streckenabschnitte. Einige hundert Kilometern nach unserem Abflug von der Strecke in die stabile Seitenlage hatte ich nun inzwischen wieder gutes Vertrauen in das Zusammenspiel zwischen mir, Fahrzeug und Physik und gleichzeitig begann ich meinen Fahrstiel umzustellen. Zwischen Vollgas und Vollbremsung mit ABS-Einsatz gab es jetzt kaum noch Zwischenstufen. Auch hatte ich inzwischen gelernt, das mehrere Sekunden “tiefe” Turboloch unseres 3 Liter Serien-Diesels nach dem Kickdown besser zu beherrschen und gab dementsprechend schon genau die Zeit vor dem benötigten Schub wieder Gas - also wenn man eigentlich noch vor der scharfen Kurve bremst. Und das alles hat sich gelohnt: wir hatten eine unserer schnellsten Wertungsprüfungen und konnten auch auf die anderen Teilnehmer einige Minuten gut machen. Das fünf Minuten vor uns gestartete und einige Plätze vor uns liegende ORC-Damenteam schaute nicht schlecht, als wir nach nur kurzer Zeit von hinten an- und vorbei geflogen kamen. Das war endlich mal Rallye pur!

Auch landschaftlich - sofern überhaupt Zeit war, aus dem Fenster zu sehen - war die Etappe nach Ioannina sehr schön. Wir kamen durch malerische Bergdörfer und Orte mit solch wohlklingenden Namen wie Grammatika und Monopilo, die uns oft zum schmunzeln brachten.

Nette Verabschiedung am Start
Tiefflug über den Balkan
Achtung - Schafe auf der Strecke …
… und Rinder
Service Check zwischen den WPs …
… und etwas Verschnaufen …
… dann wieder Helm auf und weiter.
Abends wird wieder rundum geschraubt.

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Balkan-Offroad: Prolog

Was hab’ ich da nur los getreten! Ziemlich anstrengend, jeden Abend oder auch mal eben so zwischendurch von unterwegs Beiträge schreiben, fotografieren, Bilder nachbearbeiten, wieder schreiben, WLAN suchen, alles hoch laden, formatieren na und so weiter. Irgendwann braucht man ja auch mal Schlaf und zwischendurch wollen wir hier in Bulgarien und Griechenland ja auch noch eine Rallye fahren!

Genau das haben wir gemacht oder genauer gesagt, heute zunächst mit dem Prolog begonnen. Vorher war aber gestern und heute noch einiges zu erledigen: Sponsoren-Logos anbringen (also die der Sponsoren des Balkan Offroad Marathon), Um- und Ausladen von Kisten, Befestigen diverser Dinge im Auto, Anmeldung im ORGA-Büro, technischer Check, erstes Fahrer-Briefing, Anfreunden mit dem Roadbook und all die anderen notwendigen kleinen und großen Dinge.

Dann der Prolog. Allein der Anblick des Startbereiches mit der unmittelbar hinter dem Start steil in den Wald ansteigenden, ausgewaschenen und steinigen Rinne schlug gleich voll in die Magengrube. Dort hoch? Ist mir schlecht …

Irgendwie haben wir’s aber gemeistert, obwohl die Strecke unwahrscheinlich Material mordend gewesen ist. Der YellowCruiser hat zum Glück – bis auf ein schräg stehendes Lenkrad - keine ernsthaften Schäden davon getragen. Und: kein Navigationsfehler! Sehr guter Einstieg also für unseren Rookie auf dem Beifahrersitz. Am Ende 18. Platz, Prolog eben. Wir sind zu frieden und die drei anderen deutschen Teams scheinen auch gut gestimmt zu sein.

Richtig los geht’s dann aber doch erst morgen mit der ersten “richtigen” und vor allem langen Etappe!

Getränke umladen
Anmeldung bei der ORGA
Sponsoren-Logos anbringen
Briefing
Technische Abnahme
Roadbook checken
Gleich geht’s los …
Dort hoch?!
Endlich die Zielflagge!
Was ist mit der Lenkung?
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Baja Saxonia: 35. Platz!

Geschafft! Nach zwei Wertungsprüfungen sind wir ohne größere technische Schäden durchs Ziel der 3. Baja Saxonia gerollt!

Die erste Etappe fing am Freitag sehr viel versprechend an, zwar war es ungewöhnlich kalt für Mitte Mai aber zum Glück hielt sich der Regen (noch) zurück. Die Strecke war somit gut fahrbar und bestand aus schnellen zu fahrenden Wegen und Schotterpisten aber auch aus sandigen und sehr welligen, steinigen und garantiert Material mordenden Abschnitten. Kein Grund zur Klage, dies hatten wir irgendwie erwartet. Da im Gegensatz zum Prolog vor uns doch schon einige Fahrzeuge mehr gestartet waren, war die Navigation nicht zu kompliziert. Die vielen vor uns fahrenden Fahrzeuge hatten eindeutige Spuren auf der Piste hinterlassen und das Roadbook diente zunehmend zur Bestätigung und zur Vorbereitung auf unerwartete Abbiegungen oder andere Überraschungen. Allmählich begann es dann jedoch zu Regnen und die Strecke wurde zunehmend rutschiger. Erste Teams kamen nicht mehr durch den Schlamm, LKWs blieben an Steigungen stecken.

An einer Steigung, kurz nach dem Beginn unserer dritten ca. 20 km-Runde, kam es dann unmittelbar vor uns zu einem folgenschweren Unfall. Ein verletzter  Teilnehmer, der wohl von einem LKW übersehen und angefahren wurde, musste leider mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Eine ziemlich bedrückende Situation für uns, keiner wusste genau was wirklich passiert war und wie ernst die Situation für den Verletzten war. Den Gesichtern der sehr schnell an der Unfallstelle eintreffenden Ärzten und Orga-Leute konnte man aber deutlich den wohl bestehenden Ernst der Lage ansehen. Erinnerungen an Berichte von der DAKAR mit Toten oder schwer Verletzten kamen auf und die Befürchtung, dass sich hier etwas Ähnliches abgespielt haben könnte. Natürlich mit allen Konsequenzen für das hiesige Event aber auch für den Offroad-Motorsport insgesamt. Etwas schockiert waren wir dann jedoch, als der unmittelbar neben uns landende und bald darauf wieder mit dem Verletzten abhebende Rettungshubschrauber von einigen Teilnehmern offensichtlich als interessanten Foto- oder Video-Motiv entdeckt wurde. In Folge des Unfalls und möglicherweise auch in Anbetracht des Wetters und dessen Auswirkungen auf die Befahrbarkeit bzw. Gefährlichkeit der Strecke ließ die Orga aber dann die Etappe abbrechen. Glücklicherweise wurden wir am späten Abend beim Fahrerbriefing informiert, dass der Verletzte außer Lebensgefahr sei und dass das Rennen am nächsten Tag - mit einigen Streckenänderungen in Anbetracht des Regens - weiter gehen wird.

Trotzdem entschieden einige Teams am nächsten Tag nicht zu starten. Diese Entscheidungen aber auch einige explizite Hinweise der Orga auf sehr glatte Streckenabschnitte brachten uns am späten Abend schon etwas zum Grübeln. Aber jetzt aufgeben? Nein, dafür waren wir nicht hier. Die Zahl derer, die am nächsten Tag starten wollten, war deutlich größer als die Zahl der Abbrecher und damit war unsere Entscheidung klar - wir starten zur zweiten Etappe! Unser Platz nach der ersten Etappe war übrigens Nr. 49. Und damit waren wir mehr als zufrieden.

Nach einer weiteren sehr kalten und lauten Nacht im Fahrerlager reihten wir uns gegen Samstagmittag in die Reihe der Starter zur zweiten Etappe ein. Die ersten drei Runden der Strecke, die nicht weniger anspruchsvoll war als die des Vortages, waren schnell und ohne Probleme gefahren. Die tiefer und tiefer zerwühlten und nicht großräumig umfahrbaren Schlammabschnitte in zwei Waldpassagen aber auch auf einer riesigen sumpfartigen Wiese machten uns jedoch zunehmend Angst, dass wir uns garantiert irgendwann hier fest fahren würden. Gleichzeitig wurde aber unser Kampfgeist wach. Und mit jeder dann doch erfolgreichen Vollgas-Durchquerung dieser Abschnitte unter Einsatz beider Sperren wuchs unser Respekt vor der Kraft und Traktion, die unser YellowCruiser in unaufhörlichen Vortrieb umsetzte.

Im Verlaufe der fünften Runde schien mit dem plötzlichen Aufleuchten einer roten Warnleuchte der kraftvolle Vortrieb doch noch unverhofft enden zu wollen. Schrecklich! Die Warnleuchte signalisierte eine überhöhte Temperatur des Automatik-Öls und ich befürchtete Schlimmes für die verbleibenden Kilometer. Letztlich forderte die Warnleuchte zum Glück aber nur eine deutliche Entlastung und Abkühlung des Getriebes, was wir auf den langen und geraden Streckenabschnitten realisierten konnten, indem wir unser Triebwerk nicht zu stark forderten und eher mit wenig Druck aufs Gaspedal eine einigermaßen erzielbar hohe Geschwindigkeit zur Kühlung des Aggregates wählten. Dieses Problem beschäftigte uns kontinuierlich bis zum Schluss der Etappe, die damit allerdings dann wie im Fluge verging. Ziemlich abgekämpft aber dennoch hocherfreut rollten wir dann nach sechs Runden und einer Fahrzeit von ca. 4,5 Stunden ohne technische Probleme durchs Ziel. Aus dem 41. Platz für die zweite Etappe entwickelte sich dann in der Gesamtwertung insgesamt der 35. Platz, was uns schon etwas stolz machte. Immerhin haben wir damit mehr als 60 Teams hinter uns gelassen, darunter garantiert Teams mit deutlich mehr Rallye-Erfahrung und teilweise technisch weit überlegenen Fahrzeugen.

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Zweikampf
Unimog im Tiefsand
YellowCruiser …
… mit Schlammkruste
schneller Waldtransporter

Am CP
Freude am Ziel
Autowäsche am Tagebau
Abendessen und Abschied
Siegerehrung
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Winch Dir was …

… war am nächsten Tag das Tagesmotto, und das aber ordentlich. Los ging es jedoch erst mal ziemlich spannend mit dem Finden - oder sagen wir besser Suchen - der Startposition bzw. der Startrichtung der zweiten Roadbook-Etappe. Wir hatten die Koordinaten der Startposition und das Roadbook zeigte den Startpunkt links neben einem einzeln stehenden Baum. Aber da gab es mindestens zwei Richtungen in die man starten konnte; hier ließ uns das Roadbook ziemlich allein. Also einfach langsam los in die Richtung die vor uns lag, mal sehen was kommt. Das Schicksal schien uns sofort wohl gesonnen - nachdem die nächsten drei Wegpunkte des Roadbooks ziemlich mit dem übereinstimmten, was wir rechts und links erkennen konnten, entschieden wir uns für maximale Kraftstoffzufuhr in die Brennkammern des YellowCruiser-Kraftwerks: Volle Fahrt voraus!

So ging es dann ganz engagiert und mit viel Speed über Sandpisten und Waldwege, bis es von Stunde zu Stunde zunehmend feuchter wurde. Nicht nur von oben, nein auch die Pfützen entwickelten sich zunehmend zu Respekt einflößenden Wasserlöchern, in denen man gut und gerne diverse Fahrzeuge ohne Abwrackprämie hätte versenken können. Urplötzlich schossen mir Bilder mit abgesoffenen Fahrzeugen und bis zum Kinn im Schlamm steckenden Rallye-Piloten von der Dresden-Breslau durch den Kopf, die im Sommer genau diesen Abschnitt befahren hatten.  Hoffentlich holen wir uns hier keine nassen Füße!

Aber die ersten Wasserdurchfahrten machten uns recht optimistisch und ließen auf weiteres gutes Gelingen hoffen. Bis uns der eklig schwarze, knietiefe Schlamm in der Zufahrt zu einer Flussquerung plötzlich festhielt und ohne fremde Hilfe nicht mehr loslassen wollte. Sperren? Waren alle bereits drin. Zusätzlich hatte der YellowCruiser ziemliche Schräglage und ich die Befürchtung, dass wir mit der rechten Seite direkt auf der Uferböschung liegen. Was bei dem Gewicht sicher einige böse Dellen mit sich bringen würde. Mist!

Wohl oder übel musste jetzt die Winde ran. Klar, die im Trockenen stehenden ‘Zaungäste’ hatten gut Lachen und jede Menge superschlaue Kommentare. Na toll, kaum steckst Du fest und schon fangen die anderen an zu feiern!

Dank eines erfahrenen Jeepers kamen wir trotzdem ganz gut wieder aus der schwarzen Soße raus - bzw. in den Fluss hinein, aus dem wir uns dann auf der anderen Seite an einem Baum herauswinchen konnten. Damit war dann auch gleich das neue Equipment von der Winde selbst bis hin zu diversen Gurten standesgemäß eingeweiht und schlammverschmiert. Natürlich haben wir in diesem Zusammenhang auch noch das Windenseil total verknotet aufgewickelt und anschließend beim kompletten Abwickeln aus der Winde gerissen! Saublöd das!

Schaden macht klug, sagt man. Zumindest waren wir nach dieser Aktion um einiges schlauer. Glück im Unglück hatten wir jedoch trotzdem, an der rechte Seite des YellowCruisers war bis auf einige kleine Striemen auf der gelben Folie nichts zu sehen, nicht eine kleine Delle. Na das ging ja noch mal gut …

Es ging bergauf …
… und bergab.
Bis dann nichts mehr ging …
… wegen schwarzer Pampe.
Winde marsch!
Das hat man nun davon :-(
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Am Panzer scharf rechts!

Am nächsten Morgen ging es dann direkt ins Gelände. Natürlich erst einmal Briefing durch das MT Series Team, Papierkram unterschreiben, Roadbook fassen usw.

Das Roadbook für die erste Etappe hatte 309 Einträge, verteilt über ca. 140 km. Also 309 mal Aufpassen und die hoffentlich richtige Entscheidung treffen. 309 mal die Möglichkeit falsch abzubiegen. 309 mal Tripmaster zurücksetzen - richtige Rallyenauten sagen dazu “Nullen”. Also sagen wir ab jetzt auch “Nullen”.

Navigator Volker, der noch nie vorher ein Roadbook in der Hand gehalten hatte, geschweige denn danach gefahren war, verstand sofort, worum es ging. Und nach den ersten vier (richtigen) Ansagen waren wir ein eingespieltes Team, woran ich eigentlich vorher nie Zweifel hatte. Und es war zum Glück auch schnell klar, dass “sein” Links identisch mit “meinem” Links ist, was ja zwischen zwei Personen in einem Auto nicht immer der Fall ist. Wobei dies nach meiner Erfahrung und einer abenteuerlichen, gemeinsamen Tour mit einer netten Journalistin vor einigen Jahren rund um den Frankfurter Flughafen trotz Navigationssystem auch recht lustig sein kann. Aber wir hatten zum Glück Spaß von der anderen Sorte, eben für Männer. Manchmal war mein Gasfuß träger als Volkers “jetzt scharf rechts”, dann halfen nur Bremse und sofortiger Rückwärtsgang sowie ein gesundes Gottvertrauen, dass hinter uns kein anderes Fahrzeug stand. Zumindest ist der tote Sichtwinkel nach hinten im YellowCruiser bei mangelnder Bewegungsfreiheit - festgegurtet in den Rennsitzen - dreckverschmierten Spiegeln und schlammverkrusteter Heckscheibe ganz schön groß. Aber es ging alles gut, hatten wir doch einen ganz guten Vorsprung vor unseren Verfolgern aufgebaut.

An mancher Stelle wurde uns aber das leuchtende Gelb des YellowCruisers zum sportlichen ‘Verhängnis’ - irgendwie schienen sich die Qualitäten unseres frisch gebackenen Navigators herum gesprochen zu haben, denn die “Mitbewerber” folgen uns fast bedingungslos und hatten selbst bei großem Vorsprung und komplizierten Roadbook-Einträgen einfaches Spiel. Denn “die Gelben” waren auf dem weitläufigen Militärgelände ganz einfach zu sehen. Also einfach auf “die Gelben” draufhalten schien die Devise. “Da vorne sind die Gelben!”. Na gut, wo wir sind ist vorne!

Ich muss an dieser Stelle aber (ungern…) zugeben, dass wir uns an einem riesigen Schlammloch nicht vorne angestellt haben sondern den Bypass für Mädchen genommen haben. Wir wollten als Greenhorns den YellowCruiser nicht gleich am ersten Tag komplett im schwarzen Schlamm fluten. Mindestens ein Team der MT Series Rally hatte dort wenige Stunden vorher sein Fahrzeug verloren und rechnet damit, dass es in einigen Monaten wieder okay ist - keine Alternative für uns. Das heißt aber nicht, dass nicht genug Zeit war um das Schauspiel der Bergung von zwei festgefahrenen und beinahe abgesoffenen Jeep Cherokee zu beobachten. Einschließlich der netten und aufmunternden Kommentare der umstehenden Akteure - ja wer den Schaden hat …

Und auch um zu sehen, wie ein Kollege ganz selenruhig und mit Feingefühl mit einem (leichten …) Jeep Rubicon Zentimeter für Zentimeter durch die Passage “spazierte”. Alle Achtung!

Irgendwie verging die Zeit auf der Roadbook-Etappe insgesamt wie im Flug. Natürlich im wahrsten Sinne des Wortes, denn nichts ist schöner als ein fliegender YellowCruiser. Nur - die Landung, oder besser der Aufschlag nach dem kurzen Abheben ist ganz schön hart. Zwar hat das Fahrwerk alles problemlos weggebügelt (Kompliment DAKTEC !!) , aber am Abend tat mir das Popometer und noch einiges andere ziemlich weh. Macht nichts, für ein solches Erlebnis nimmt man einige körperliche Leiden in Kauf. Und beim gemeinsamen Ansehen der Videos der anderen Teilnehmer am Abend im Camp hörten wir hier und da den Spruch “Sieh, da vorne sind die Gelben!”. Na wenn das die Schmerzen nicht vergessen lässt …

Ankunft am MT Series Camp
Die dürfen natürlich nicht fehlen …
Start der Roadbook-Etappe
Am Panzer scharf rechts!
Angreifer von hinten
Matsch voraus
Jeeps stecken im Tiefschlamm fest
Bitte mal das Kinderzimmer aufräumen!

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Jedem sein Paradies!

Wo liegt das Paradies? Diese Frage konnte in der Literatur bisher nicht ganz vollständig geklärt werden. Aber - hier kommt die gute Nachricht für Offroader: wir haben es gefunden! Wenn es ein Paradies gibt, dann liegt es exakt bei N 53 27.427, E 015 49.556 bzw. innerhalb der umgebenden 30×30km², ca. 100km östlich von Szczecin (Stettin) im Nordwesten von Polen. Austragungsort einiger berühmt-berüchtigten Etappen der Dresden-Breslau sowie der MT Series Rally in der vergangenen Woche. Wir waren mit dem YellowCruiser dort und sind einige Roadbook-Strecken der MT gefahren. Noch ohne Wertung, aber ganz klar mit dem Ziel die Grenzen von Fahrzeug und Team auszuloten.

Offroadfreuden pur, Sand ohne Ende, Strecken für jeden Geschmack und jede Geschwindigkeit. Huckelpisten, Tiefsand, Flussquerungen, Wasser und Schlamm ganz nach Bedarf. Und freundliche Menschen! Also nicht nur in den Offroadfahrzeugen. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

Am Samstag ging’s los. Knapp 6 Stunden Anfahrt bis zum Basis-Camp, im YellowCruiser wie immer eine bequeme Sache. Kurz hinter der Landesgrenze dann die erste angenehme Erfahrung: der Liter Diesel kostet umgerechnet rund 90 Cent. Da macht das Cruisen doch gleich noch mehr Spaß als zuhause! Aber der Anblick der sehr grauen Ortschaften und der deutlich unter dem für uns gewohnten Lebensstandard lebenden Leute dort stimmte uns ziemlich nachdenklich. Und dann noch der Smog, der über allen Orten hing, qualmende Schornsteine aus denen Kopfschmerzen und Magenumdrehungen verursachender Qualm stieg! Garantiert ein Ergebnis aus der Verbrennung von extrem minderwertiger Braunkohle - ganz wie vor über 20 Jahren bei uns in der Gegend um Leipzig und Espenhain. Aber war das bei uns wirklich so schlimm? Von Paradies kann diesbezüglich keine Rede sein, wie eng liegen Freud und Leid doch manchmal beisammen. Und der unaufhörliche Regen machte alles noch grauer und trostloser. Auf jeden Fall brummte uns mächtig der Schädel, als wir hungrig im Camp ankamen.

Und es war kalt in Polen. 3°C am Abend, Regen und Wind ohne Ende. Gut dass wir uns gegen das Zelt und für ein Hotelzimmer im Camp entschieden hatten. Naja, die Bezeichnung Hotel war etwas übertrieben, aber auf alle Fälle ein festes Dach über dem Kopf zum Schlafen und eine warme Dusche. Was will man mehr.

Gleich beim Ausladen ‘überfielen’ uns die männlichen Gäste einer in den Räumlichkeiten des “Hotels” stattfindenden Hochzeitsgesellschaft und wollten sich vor dem YellowCruiser fotografieren lassen. Scheinbar war unser Gelber attraktiver als die hübsche polnische Braut - was ich eigentlich nicht fand ;-). Oder war das sogar der Bräutigam selbst, der seine Braut in Anbetracht des gelben Race-Cars für einige Momente sitzen ließ? Irgendwie stolz ließen wir sie natürlich gewähren …

Leider waren die im “Hotel”-Prospekt angepriesenen Restaurants nicht vorhanden bzw. geschlossen, so dass wir uns nach einem kurzen Besuch beim örtlichen Supermarkt mit einigen Lebensmitteln für ein artgerechtes Abendessen eindecken konnten. Volker war glücklich, dass wenigstens eine bekannte Biermarke verfügbar war, wenn auch eine aus Holland …

Morgen folgt dann hier der Bericht von der ersten Etappe durchs Offroad-Paradies.

Trostlose Ortsdurchfahrt
Alt-sozialistischer Plattenbau
Hochzeitsgäste vor YellowCruiser
Offroader’s Abendmahl

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