Montag, 18 of Dezember of 2017

Tag » Sand

Baja Saxonia: 2. Etappe & Gesamt

Am Ostersonntag gegen Mittag startete die zweite und letzte Etappe der Baja Saxonia 2011 bei sehr sonnigen und warmen Wetter. Die bereits am Vormittag von der Strecke zurückkehrenden Motorrad- und Quad-Fahrer berichteten von einer sehr schnellen Etappe. Schlamm oder Wasserlöcher, die es im Vorjahr zur Genüge gab, waren aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit nicht vorhanden. Somit gab es entweder tiefen, weichen Sand oder trockene, festgefahrene Wege. Sicher hatte der Autor des Roadbooks für diese Etappe wieder mindestens eine kleine “Gemeinheit” eingebaut, so wie es am Vortag ein etwas versteckter CP war, der nur bei sehr genauer Einhaltung eines Kompasskurses zu finden war. Wir waren eines von nur sehr wenigen Teams, die diesen CP gefunden hatten, was ja Ursache für unsere unerwartet gute 7. Platzierung im Ergebnis der ersten Etappe war. Unser darauf natürlich berechtigt stolzer Navigator Peter hätte sich am liebsten von einem im Fahrerlager anwesenden Werbeunternehmen “CP-Finder” oder “Ich hab alle CP’s gefunden!” auf sein T-Shirt drucken lassen.

Vielleicht davon etwas zu stark motiviert gingen wir gleich zu Beginn der zweiten Etappe einen Kompasskurs zu leichtfertig an. Im tiefen Sand, optisch eine Mischung aus Sahara-Dünen und sibirischem Birkenwäldchen, wurde es ziemlich eng und als der ausgefahrene Weg plötzlich weg war meinte Peter, der inzwischen ausgestiegen war um sich einen besseren Überblick über die Lage zu verschaffen, dass ich einfach mal so mit unserem gut 2,3 Tonner über einen Dünenkamm hüpfen sollte, um unten wieder auf einen ausgefahrenen Weg zu kommen. Ja nix war mit hüpfen, wir saßen komplett auf Sand und alle Räder drehten ganz nach Lust und Laune mal hier und da durch. Die Räder, die nicht in der Luft hingen, gruben uns dann noch tiefer in unsere verzweifelte, aussichtslose Lage ein. Peter begann sogleich wie wild hier und da mit der Schaufel zu graben und hoffte uns somit zu befreien. Er hat wirklich gekämpft und gegraben wie ein Mann - als wollte er seine Entscheidung hier so tief wie möglich eingraben, jedoch vergeblich. Musste uns die Winde wieder mal helfen? Leider hatten wir keine Zeit zu warten, bis aus den rund um uns stehenden, dünnen Birken mal stattliche Bäume geworden sind. Keine Möglichkeit zum Ansetzen der Winde, bis auf eine wenigstens etwas dickere Tannengruppe - aber gleich beim ersten Versuch zog es nicht etwa unseren YellowCruiser zur Tanne, sondern die Tannen kam schön langsam auf mich zu. Umsonst, Bäume fällen wollten wir hier eigentlich nicht!

Zum Glück erschien wie gerufen ein Unimog auf dem etwa drei Meter unter uns befindlichen Weg und stoppte als wir winkend auf uns aufmerksam machten - Windenseil eingehangen und nach wenigen Sekunden hatten auch wir wieder einigermaßen festen Boden unter den Rädern. Trotzdem, so 15 bis 20 Minuten waren verloren. In der dritten Runde dann ein gewaltiges Feuer vor uns, schwarzer Rauch und riesige Flammen stiegen auf. Einige Fahrzeuge hielten bereits. Eines der führenden ORC-Teams hatte sich überschlagen und das Fahrzeug war wohl nur Sekunden nach dem Überschlag sofort in Flammen aufgegangen. Zum Glück konnte sich das Team in letzter Sekunde und ohne ernste Verletzungen retten. Das Feuer sah gewaltig aus, der erste Eindruck war hier brennt eine Tankstelle! Inzwischen schlossen weitere Teams von hinten auf und auch Feuerwehr und Rettungskräfte rückten an. Jedoch war von dem brennenden Mercedes G nichts mehr zu retten, nur ein ausgebrannter Klumpen blieb übrig. Ganz schön krass - da macht man sich schon so seine Gedanken über das was wir hier so treiben …

Das Rennen wurde hier angehalten, ging aber nach einigem Warten - schätzungsweise 30…40 Minuten - wieder los. Die Rennunterbrechung sollte uns dann später jedoch noch ganz schön zu Schaffen machen, Thema Reglement …

Während der folgenden drei Tagebau-Runden häuften sich mehr und mehr Fahrzeuge, die mit technischen Defekten wie zum Beispiel komplett abgerissenen Rädern am Streckenrand standen. Ich drückte die Daumen, dass unser Toyo senkrecht und haltbar über die Strecke kommt. Abgesehen von diversen Streckenabschnitten mit Sichtweiten zwischen 50 und Null Metern aufgrund schwarzer Kohlestaub- oder Sandwolken, was einige wohl geisteskranke Teams nicht von riskanten Überholmanövern bei voller Geschwindigkeit abhielt, gab es zum Glück keine größeren Probleme.

Am Ende des Rennens fuhren wir ca. fünf Minuten nach 19:00 Uhr durch den letzten CP und nur eine Minute später durch’s Ziel, wobei man uns und all den vielen noch nach uns ankommenden Teams dort ganz relaxt mitteilte, das das Rennen planmäßig 19:00 beendet wurde. Hallo, wie bitte? Da stehen wir ewig an einer Unfallstelle, kommen dann gut durch die gesamte Etappe und dann fehlt uns plötzlich einfach mal so völlig unverschuldet ein CP (=eine Stunde Strafzeit) und die Zieldurchfahrt (= noch eine Stunde Strafzeit). Das ist ja wohl der Hammer! Großzügig hat man allen Teams 44:30 Minuten Zeitbonus für die Rennunterbrechung gutgeschrieben, aber uns und über dreißig weiteren Teams - also fast die Hälfte der bei dieser Etappe noch im Rennen befindlichen Teams -hat man quasi vor der Nase das Rennen beendet und die Strafzeiten auferlegt. Pech gehabt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wir - und auch sehr viele andere Teilnehmer, darunter echte “Rennhasen”, ja sogar Leute der ORGA sowie Mitglieder der Rennleitung selbst (!) - fanden diese Entscheidung massiv unsportlich, zumal es vom Veranstalter dazu weder im Verlaufe des Rennens noch danach eine offizielle Information gab.

Mit all den Strafzeiten kamen wir in der zweiten Etappe auf Platz 35, was ja grundsätzlich auch nicht so schlecht ist. Ohne die zwei Strafstunden sähe das aber noch deutlich besser aus. Als dann fast gegen Mitternacht die Gesamtergebnisse, also zusammengefasst aus erster und zweiter Etappe, veröffentlicht wurden, konnten wir uns trotzdem riesig und unerwartet über einen 13. Platz freuen!

Platz 13 bei dieser hochkarätigen Konkurrenz und dem riesigen Teilnehmerfeld! Etliche “alte Hasen” mit richtig hochgezüchteten Fahrzeugen, riesigen Service-Crews, tonnenweise Material im Team-eigenen Service-Truck und finanziellem Background in Größenordnungen über unserem Anfänger- und Low-Budget-Niveau, hatten wir mit unserem seriennahen YellowCruiser weit hinter uns gelassen! Und das obwohl wir in der ersten Etappe umgekippt waren und in der zweiten Etappe reichlich Zeit auf der Sanddüne im Birkenwäldchen und dann auch noch aufgrund des komischen Reglements verloren hatten!

Ist doch nicht schlecht für den Anfang, oder?

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Jedem sein Paradies!

Wo liegt das Paradies? Diese Frage konnte in der Literatur bisher nicht ganz vollständig geklärt werden. Aber - hier kommt die gute Nachricht für Offroader: wir haben es gefunden! Wenn es ein Paradies gibt, dann liegt es exakt bei N 53 27.427, E 015 49.556 bzw. innerhalb der umgebenden 30×30km², ca. 100km östlich von Szczecin (Stettin) im Nordwesten von Polen. Austragungsort einiger berühmt-berüchtigten Etappen der Dresden-Breslau sowie der MT Series Rally in der vergangenen Woche. Wir waren mit dem YellowCruiser dort und sind einige Roadbook-Strecken der MT gefahren. Noch ohne Wertung, aber ganz klar mit dem Ziel die Grenzen von Fahrzeug und Team auszuloten.

Offroadfreuden pur, Sand ohne Ende, Strecken für jeden Geschmack und jede Geschwindigkeit. Huckelpisten, Tiefsand, Flussquerungen, Wasser und Schlamm ganz nach Bedarf. Und freundliche Menschen! Also nicht nur in den Offroadfahrzeugen. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen.

Am Samstag ging’s los. Knapp 6 Stunden Anfahrt bis zum Basis-Camp, im YellowCruiser wie immer eine bequeme Sache. Kurz hinter der Landesgrenze dann die erste angenehme Erfahrung: der Liter Diesel kostet umgerechnet rund 90 Cent. Da macht das Cruisen doch gleich noch mehr Spaß als zuhause! Aber der Anblick der sehr grauen Ortschaften und der deutlich unter dem für uns gewohnten Lebensstandard lebenden Leute dort stimmte uns ziemlich nachdenklich. Und dann noch der Smog, der über allen Orten hing, qualmende Schornsteine aus denen Kopfschmerzen und Magenumdrehungen verursachender Qualm stieg! Garantiert ein Ergebnis aus der Verbrennung von extrem minderwertiger Braunkohle - ganz wie vor über 20 Jahren bei uns in der Gegend um Leipzig und Espenhain. Aber war das bei uns wirklich so schlimm? Von Paradies kann diesbezüglich keine Rede sein, wie eng liegen Freud und Leid doch manchmal beisammen. Und der unaufhörliche Regen machte alles noch grauer und trostloser. Auf jeden Fall brummte uns mächtig der Schädel, als wir hungrig im Camp ankamen.

Und es war kalt in Polen. 3°C am Abend, Regen und Wind ohne Ende. Gut dass wir uns gegen das Zelt und für ein Hotelzimmer im Camp entschieden hatten. Naja, die Bezeichnung Hotel war etwas übertrieben, aber auf alle Fälle ein festes Dach über dem Kopf zum Schlafen und eine warme Dusche. Was will man mehr.

Gleich beim Ausladen ‘überfielen’ uns die männlichen Gäste einer in den Räumlichkeiten des “Hotels” stattfindenden Hochzeitsgesellschaft und wollten sich vor dem YellowCruiser fotografieren lassen. Scheinbar war unser Gelber attraktiver als die hübsche polnische Braut - was ich eigentlich nicht fand ;-). Oder war das sogar der Bräutigam selbst, der seine Braut in Anbetracht des gelben Race-Cars für einige Momente sitzen ließ? Irgendwie stolz ließen wir sie natürlich gewähren …

Leider waren die im “Hotel”-Prospekt angepriesenen Restaurants nicht vorhanden bzw. geschlossen, so dass wir uns nach einem kurzen Besuch beim örtlichen Supermarkt mit einigen Lebensmitteln für ein artgerechtes Abendessen eindecken konnten. Volker war glücklich, dass wenigstens eine bekannte Biermarke verfügbar war, wenn auch eine aus Holland …

Morgen folgt dann hier der Bericht von der ersten Etappe durchs Offroad-Paradies.

Trostlose Ortsdurchfahrt
Alt-sozialistischer Plattenbau
Hochzeitsgäste vor YellowCruiser
Offroader’s Abendmahl

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Strand-Nachlese

Quelle: OFF-ROAD 8/09

Die ABENTEUER & ALLRAD 2009 von Bad Kissingen ist nun schon seit einigen Tagen Geschichte. Ich sitze vor mich hin dösend am Ostseestrand und schaue neidisch auf den örtlichen Strandkorbvermieter, der mit seinem Quad tiefe Spuren in den weißen Sand zieht, während er seine Strandkörbe checkt.  Hier mit dem YellowCruiser durch den Sand zu pflügen wäre sicher ein Traum. Aber nicht opportun - der Naturschutz und die hier Ruhe und Erholung suchenden Mitmenschen verbieten das von selbst.  Ansonsten aber kein schlechter Gedanke, dies zumindest theoretisch in Betracht zu ziehen. Dabei scheint mir doch aber irgendwie verdächtig, dass der Quad-Pilot nicht unbedingt den kürzesten Weg zwischen den Strandkörben sucht. Ganz nach dem Motto, die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten ist die Kurve. Sehe ich da gar ein Grinsen in seinem Gesicht, immer wenn er genussvoll und mit viel Gas zum nächsten Strandkorb driftet? Er scheint ziemlich viel Freude bei seinem Job zu haben. Aber so soll es ja auch sein.

Mir bleiben auf jeden Fall heute und hier nur gedankliche Drifts und offroad-Erlebnisse, ganz im Einklang mit Natur und Erholung. Das Lesen der aktuellen Ausgabe der OFF-ROAD sorgt dabei für angenehme Abwechslung und Kurzweil.

Und für eine schöne Überraschung: unser YellowCruiser ist abgebildet! Offensichtlich fand ein Redakteur auf der ABENTEUER & ALLRAD Interesse an unserem Race-Car und brachte somit Bild und Text auf  Seite 12 des beliebten 4×4-Magazins.

Ein erster, kleiner medialer PR-Erfolg? Wie auch immer, die Freude darüber war mir garantiert anzusehen. Und das ganz ohne Drift und Vollgas am Strand.

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