Sonntag, 5 of September of 2010

Tag » Schlamm

Baja Saxonia: 35. Platz!

Geschafft! Nach zwei Wertungsprüfungen sind wir ohne größere technische Schäden durchs Ziel der 3. Baja Saxonia gerollt!

Die erste Etappe fing am Freitag sehr viel versprechend an, zwar war es ungewöhnlich kalt für Mitte Mai aber zum Glück hielt sich der Regen (noch) zurück. Die Strecke war somit gut fahrbar und bestand aus schnellen zu fahrenden Wegen und Schotterpisten aber auch aus sandigen und sehr welligen, steinigen und garantiert Material mordenden Abschnitten. Kein Grund zur Klage, dies hatten wir irgendwie erwartet. Da im Gegensatz zum Prolog vor uns doch schon einige Fahrzeuge mehr gestartet waren, war die Navigation nicht zu kompliziert. Die vielen vor uns fahrenden Fahrzeuge hatten eindeutige Spuren auf der Piste hinterlassen und das Roadbook diente zunehmend zur Bestätigung und zur Vorbereitung auf unerwartete Abbiegungen oder andere Überraschungen. Allmählich begann es dann jedoch zu Regnen und die Strecke wurde zunehmend rutschiger. Erste Teams kamen nicht mehr durch den Schlamm, LKWs blieben an Steigungen stecken.

An einer Steigung, kurz nach dem Beginn unserer dritten ca. 20 km-Runde, kam es dann unmittelbar vor uns zu einem folgenschweren Unfall. Ein verletzter  Teilnehmer, der wohl von einem LKW übersehen und angefahren wurde, musste leider mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden. Eine ziemlich bedrückende Situation für uns, keiner wusste genau was wirklich passiert war und wie ernst die Situation für den Verletzten war. Den Gesichtern der sehr schnell an der Unfallstelle eintreffenden Ärzten und Orga-Leute konnte man aber deutlich den wohl bestehenden Ernst der Lage ansehen. Erinnerungen an Berichte von der DAKAR mit Toten oder schwer Verletzten kamen auf und die Befürchtung, dass sich hier etwas Ähnliches abgespielt haben könnte. Natürlich mit allen Konsequenzen für das hiesige Event aber auch für den Offroad-Motorsport insgesamt. Etwas schockiert waren wir dann jedoch, als der unmittelbar neben uns landende und bald darauf wieder mit dem Verletzten abhebende Rettungshubschrauber von einigen Teilnehmern offensichtlich als interessanten Foto- oder Video-Motiv entdeckt wurde. In Folge des Unfalls und möglicherweise auch in Anbetracht des Wetters und dessen Auswirkungen auf die Befahrbarkeit bzw. Gefährlichkeit der Strecke ließ die Orga aber dann die Etappe abbrechen. Glücklicherweise wurden wir am späten Abend beim Fahrerbriefing informiert, dass der Verletzte außer Lebensgefahr sei und dass das Rennen am nächsten Tag - mit einigen Streckenänderungen in Anbetracht des Regens - weiter gehen wird.

Trotzdem entschieden einige Teams am nächsten Tag nicht zu starten. Diese Entscheidungen aber auch einige explizite Hinweise der Orga auf sehr glatte Streckenabschnitte brachten uns am späten Abend schon etwas zum Grübeln. Aber jetzt aufgeben? Nein, dafür waren wir nicht hier. Die Zahl derer, die am nächsten Tag starten wollten, war deutlich größer als die Zahl der Abbrecher und damit war unsere Entscheidung klar - wir starten zur zweiten Etappe! Unser Platz nach der ersten Etappe war übrigens Nr. 49. Und damit waren wir mehr als zufrieden.

Nach einer weiteren sehr kalten und lauten Nacht im Fahrerlager reihten wir uns gegen Samstagmittag in die Reihe der Starter zur zweiten Etappe ein. Die ersten drei Runden der Strecke, die nicht weniger anspruchsvoll war als die des Vortages, waren schnell und ohne Probleme gefahren. Die tiefer und tiefer zerwühlten und nicht großräumig umfahrbaren Schlammabschnitte in zwei Waldpassagen aber auch auf einer riesigen sumpfartigen Wiese machten uns jedoch zunehmend Angst, dass wir uns garantiert irgendwann hier fest fahren würden. Gleichzeitig wurde aber unser Kampfgeist wach. Und mit jeder dann doch erfolgreichen Vollgas-Durchquerung dieser Abschnitte unter Einsatz beider Sperren wuchs unser Respekt vor der Kraft und Traktion, die unser YellowCruiser in unaufhörlichen Vortrieb umsetzte.

Im Verlaufe der fünften Runde schien mit dem plötzlichen Aufleuchten einer roten Warnleuchte der kraftvolle Vortrieb doch noch unverhofft enden zu wollen. Schrecklich! Die Warnleuchte signalisierte eine überhöhte Temperatur des Automatik-Öls und ich befürchtete Schlimmes für die verbleibenden Kilometer. Letztlich forderte die Warnleuchte zum Glück aber nur eine deutliche Entlastung und Abkühlung des Getriebes, was wir auf den langen und geraden Streckenabschnitten realisierten konnten, indem wir unser Triebwerk nicht zu stark forderten und eher mit wenig Druck aufs Gaspedal eine einigermaßen erzielbar hohe Geschwindigkeit zur Kühlung des Aggregates wählten. Dieses Problem beschäftigte uns kontinuierlich bis zum Schluss der Etappe, die damit allerdings dann wie im Fluge verging. Ziemlich abgekämpft aber dennoch hocherfreut rollten wir dann nach sechs Runden und einer Fahrzeit von ca. 4,5 Stunden ohne technische Probleme durchs Ziel. Aus dem 41. Platz für die zweite Etappe entwickelte sich dann in der Gesamtwertung insgesamt der 35. Platz, was uns schon etwas stolz machte. Immerhin haben wir damit mehr als 60 Teams hinter uns gelassen, darunter garantiert Teams mit deutlich mehr Rallye-Erfahrung und teilweise technisch weit überlegenen Fahrzeugen.

-

Zweikampf
Unimog im Tiefsand
YellowCruiser …
… mit Schlammkruste
schneller Waldtransporter

Am CP
Freude am Ziel
Autowäsche am Tagebau
Abendessen und Abschied
Siegerehrung
  • Share/Bookmark

Don’t call it ‘coffee’!

Kaffee? Bitte nachbessern!

Letzter Tag im polnischen Offroad-Paradies. Natürlich wollen wir es zum Schluss noch mal gehörig krachen lassen. Aber zu viel nun auch wieder nicht. Sind wir doch bis hier ohne nennenswerte technische oder medizinische Probleme gekommen, so wollen wir jetzt so kurz vor Schluss den YellowCruiser nicht noch ernsthaft kaputt machen oder gar schrotten.

Andere Offroader im Team waren leider vereinzelt vom Pech verfolgt, angefangen von einem wohl liebestollen Hirsch, der offensichtlich die Flanke eines Defenders mit seiner Braut verwechselte (=Glasbruch), über einige Reifenschäden bis hin zu Motorausfällen. Also wollten wir den Teiletod nicht unbedingt noch auf der letzten Etappe herausfordern. Und wir mussten ja auch noch auf eigener Achse die knapp 500 Kilometer bis nach Hause zurücklegen.

Trotzdem war es geländemäßig ziemlich anspruchsvoll, Regen und schwarzer Lehmboden hatten sich gegen uns verbündet. Einige hatten jedoch ihre helle Freude beim Sprung in die Pampe und anschließendem Herauswinchen, wobei wir uns aus oben genannten Gründen etwas zurück hielten. An einer ziemlich ‘bösen’ Kuppe kam es dann doch zum bewussten Krachen, zumindest meldete sich irgendetwas mit lautem Knall von unten. Bei der späteren Schadensbegutachtung zeigte sich dann das Übel: beide hinteren Achsfangbänder waren gerissen! Kein Problem fürs Weiterfahren, aber irgendwie trotzdem ein ungutes Gefühl. War der Sprung über die Kuppe und die entstehenden Kräfte so mächtig, dass die dicken Drahtseile reißen? Oder ist das doch schon irgendwo vorher passiert? Hätte es uns - wenn die Fangbänder nicht gewesen wären - sonst gar die Hinterachse abgerissen? Puh, irgendwie schien das noch mal gut gegangen zu sein, die Achsfangbänder lassen sich einfach auswechseln.

Scheinbar ganz nebenbei hat es auch noch beide Nebelscheinwerfer in der ARB-Stoßstange erwischt - Glasbruch. Aber das war dann auch schon die Schadensbilanz für die gesamte Polen-Tour. Es hätte durchaus schlechter kommen können.

Auf der Rückfahrt gab es zusätzlich noch ein für Offroader sehr erwähnenswertes, positives Erlebnis. Nach dem Verlassen des schlammigen Geländes steuerten wir in der Stadt Walcz eine Tanke mit Waschbox an, um den größten Dreck loszuwerden. In Deutschland, so zeigt die traurige Erfahrung, sind in der Umgebung von Offroad-Veranstaltungen normalerweise sämtliche Waschboxen zugenagelt - (berechtigte …) Angst der Tankstellen- oder Waschplatzbesitzer vor massenhaft Schlamm und Dreck. Anders bei der ORLEN-Tankstelle in Walcz - man ließ uns gewähren, war sehr freundlich uns zuvorkommend! Und als wir fertig waren, kam ein freundlich lächelnder Servicemitarbeiter mit Besen und Schaufel zum Zusammenkehren der Schlammrückstände in der Waschbox! Das wäre bei uns unvorstellbar! Als wir uns bei Mr. Service dafür mit einem ‘Pfund’ bedanken wollten, schien er sogar beleidigt und weigerte sich, den Schein anzunehmen. Schade, aber auf jeden Fall war das ein super Service und die Tanke ist jedem zu empfehlen der in der Nähe ist. Also Offroader, wenn Ihr in Nordwestpolen Kraftstoff bunkern müsst, fahrt nach Walcz zu ORLEN (N 53 27.6289, E 16 48.6078)!

Ende Gelände - das war’s dann für uns im polnischen Offroad-Paradies. Insgesamt hatten wir viel Spaß und anspruchsvolle Etappen. Wir haben interessante Leute kennen gelernt und konnten die Grenzen des YellowCruisers wahrhaft erfahren. Mit vielen Endrücken im Kopf und natürlich mit dem festen Plan zur Teilnahme an der MT Series Rallye (www.mtrally.pl) im nächsten Jahr ging es dann nach Hause.

Fazit: Fünf super Tage, jederzeit wieder und jedem zu empfehlen.
Nur eines können die Freunde in unserem östlichen Nachbarland wirklich nicht: Kaffee.

————————–

Dear MT Series Team - dear Tomasz and Moli ,

This is to say thank you for your support and hospitality. It was a great pleasure and a very good experience to meet you guys and to ride our YellowCruiser on your rally tracks. Except the ’sight seeing’ (I’m sure, you know what I mean) it was a perfect event and we enjoyed every mile.

PS: Only one little thing, please - the warm brown liquid stuff  - don’t call it ‘coffee’! ;-)

See you next year!

Thomas & Volker

————————–

Dichter Wald, Schlamm …
… und hohes Gras
Achsfangband vorher …
… und nachher :-(((
Lampenglas kaputt
Danke …
… Tanke!
  • Share/Bookmark