Montag, 18 of Dezember of 2017

Tag » YellowRacer

Balkan Mugge (6)

Die letzten zwei Tage der Balkan Breslau waren dahingehend etwas „entspannter“, als dass der gesamte Rallye-Tross im Camp am Schwarzen Meer blieb und nicht noch einmal umziehen musste. Gestartet wurde jeweils direkt am Strand, „Na hoffentlich bleiben wir nicht gleich wieder im Tiefsand stecken, das wäre mehr als blöd – und irgendwie auch peinlich“, waren jeweils meine Gedanken. Aber alles ging gut. Mit anderen Reifen und etwas weniger Luftdruck kamen wir am vorletzten Tag gut vom Start weg, auch wenn es im Sand ganz schön lange dauerte, bis ich in den dritten Gang hoch schalten konnte. An mehr war gar nicht zu denken. Wir konnten in Anbetracht der vor uns liegenden Etappe, dann fernab vom Strand, unseren Reifenluftdruck ja nicht soweit absenken, dass dieser optimal für den Strand war – und einen Kompressor zum Aufpumpen nach Verlassen des Strandes hatten wir auch nicht. Also galt es einen Kompromiss für den Luftdruck zu finden, der uns half, halbwegs über den Strand zu kommen und anschließend ohne zu geringen Luftdruck über die einzelnen Spezialen. Bloß nicht stehen bleiben!

Als wir den ersten Strandkilometer überwunden und inzwischen auch etwas Speed drauf hatten, machte das „Strandsurfen“ so richtig Spaß. Mir schwante allmählich, warum es die „Afrika-Fraktion“ eben immer wieder dorthin in die Dünen zieht - irgendwie ein geiles Fahren!  Aber wehe wenn man etwas zögerlich am Gas war, dies wurde sofort bestraft, da schien hinten jemand festzuhalten! Ich war dann aber heilfroh, als wir endlich vom Strand auf einigermaßen befestigte Wege abbiegen konnten. Hier ging es zunächst wieder kreuz und quer durch den engen Küstenwald, aber immerhin waren die Wege gerade so ohne größeren Bandscheibenschaden zu befahren. Anschließend wechselnden sich sehr schnelle Feld- und Wiesenwege sowie kleinere Waldpassagen ab. Insgesamt kamen wir gut und schnell voran, bis wir gegen Ende des Tages zunehmend Schwierigkeiten beim Navigieren hatten. Zunächst wieder in einer Ortschaft. Nichts passte, wir drehten Runde um Runde durch das Dorf, fanden aber das Roadbook-Bild nicht. Bis ein anderer Teilnehmer uns mitten auf der Dorfstraße wie aus heiterem Himmel von hinten in die Seite knallte, was die „Stimmung“ im Auto urplötzlich kippen ließ. Die dabei frei werdende „Energie“ half aber irgendwie eine Lösung des Navigationsknotens herbei zu führen und wir kamen wieder einige Kilometer bzw. Roadbook-Seiten voran – bis ich nach längerem Schweigen von rechts plötzlich den Satz „Ich bin raus!“ hörte. Uups, und das gerade mal zwei oder drei Kilometer vor dem Tagesziel …

Und damit wir nicht aus der Übung kamen, ging es am nächsten, letzten Tag bei uns im Auto genauso navigations-chaotisch los. Als wir vom Strand abbogen, erwischten wir offensichtlich eine „Abfahrt“, also einen Weg durch die Düne zu früh – wir folgten fälschlicherweise irgendwie reflexartig einigen tief ausgefahrenen Spuren im Sand und einem anderen Teilnehmerfahrzeug, das neben einem gut einsehbaren Weg nach oben durch die Dünen stand. Das dies der falsche Weg sein musste wurde uns erst ziemlich spät bewusst, noch länger dauerte es bis wir dann wieder zurück auf Roadbook-Kurs waren. Meine anfängliche große Hoffnung, aufgrund unserer aktuellen Platzierung auf Platz 13, des nur geringen Zeitrückstandes auf die drei unmittelbar vor uns liegenden Plätze sowie einiger bekannter technischer Probleme mancher vor uns liegender Teams, am letzten Tag noch ein wenig an der Platzierung zu verbessern, löste sich damit im herrlich blauen bulgarischen Himmel zunehmend in Luft auf.

Unabhängig davon bot die Etappe durch Weinberge, über Sonnenblumenfelder und riesige ausgetrocknete Wiesen eine herrliche Landschaft mit manch traumhaftem Ausblick auf das Schwarze Meer – auch wenn wir diese oft nur kurz aus den Augenwinkeln oder im Rückspiegel registrieren konnten. Im weiteren Verlauf gab es zum Glück keine weiteren Probleme, am Nachmittag erreichten wir dann endlich und einigermaßen erschöpft das letzte Tagesziel.

Nun war sie Geschichte, die Balkan-Breslau 2013! Wir hatten das Ziel erreicht, unser YellowRacer hat uns ohne ernsthafte Probleme über die insgesamt knapp 1.800 Kilometer gebracht! Ich denke das ist bemerkenswert, in den vergangenen Jahren waren wir solche Entfernungen insgesamt nie gefahren: sehr anstrengend, aber doch machbar. Platzierung? Naja, Platz 14. Gutes Mittefeld. Nicht das, was ich erwartet hatte, aber da waren immerhin mehr Teams hinter uns als vor uns. Was hätten wir besser machen können? Besser navigieren – sicher. Und schneller fahren natürlich. Aber dann hätten wir sicher so manche Nacht geschraubt, geflext  und geschweißt, wie so viele der anderen Teams. Und wir wären höchstwahrscheinlich mit einem „zerknitterten“ Auto angekommen, wenn wir angekommen wären. Wie so viele der anderen Teams. Hätten wir dabei mehr Spaß gehabt, als wir jetzt schon hatten? Sicher nicht. Also waren wir ganz zufrieden, die Spaß- und Erlebnisbilanz sah positiv aus. Hatte ich nicht vor einigen Wochen hier gebloggt „wir sind Erlebnissammler“? Ziel erreicht!

Bleibt abschließend zu bemerken, dass die Balkan-Breslau seitens der Organisation hochgradig professionell vorbereitet und durchgeführt wurde. Alle Achtung, die Orga hat hier eine richtig gute Veranstaltung – vom Roadbook über Streckenposten, Camps mit Duschen und (meist) WLAN, Hotels, (manchmal) Möglichkeiten der Fahrzeugwäsche bis hin zur landestypischen Abschlussparty mit Feuerwerk und allem Pipapo – hingezaubert. Respekt! Und danke an alle einzelnen Orga-Leute, die sicher oft wenig Schlaf – aber nach meinem Eindruck meist auch viel Spaß hatten!

Start am Strand …
… bloß nicht wieder eingraben!
Verlockender, aber leider falscher Weg!
Dann aber mit Speed quer durch Weinberge …
… Wald …
… und Felder
Gute Stimmung …
… am Abend im Camp
Bulgarische Abschlussparty
Danke Orga!!
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Baja300

baja300-13-00Inzwischen ist die Baja300 Mitteldeutschland 2013 längst Geschichte. Einige Facebook-Verweigerer haben mich angesprochen wie sie denn war die Baja300: „wolltet Ihr da nicht fahren?“. In diesem Moment wurde mir schlagartig bewusst, dass der Blog hier überhaupt nicht up-to-date war! Im Gegensatz zu unserer Facebook-Seite, auf die wir aus dem Fahrerlager aktuelle Informationen und Bilder geladen hatten. Ich hatte in der Vergangenheit auch schon überlegt, ob neben Facebook dieser Blog hier überhaupt noch Sinn macht, schließlich ist es im Vergleich zu Facebook hier schon deutlich anstrengender, Texte und Bilder einzustellen. Geschweige denn interaktiv und zeitnah – also von unterwegs - diese Informationen mit anderen Usern zu teilen sowie Meinungen und Kommentare einzusammeln. Aber es mach doch Sinn und ich gelobe Besserung!

Im Umfeld der Baja300, sowohl davor als auch unmittelbar danach war so viel los, und ich beruflich heftig unterwegs, so dass leider keine einzige Minute Zeit für den Blog hier war. Nur wenige Stunden vor der Baja300 in Berlin von einem anstrengenden Business-Trip aus London zurück gelandet, ging es unmittelbar danach schon wieder weiter. Business as usual, mal zwischendurch eben kurz eine Schlamm-Rallye fahren mit allem Drum-und-dran! Raus aus dem feinen Zwirn, rein in die Rallye- und Schrauber-Klamotten. Und damit Du Dich nicht zu sehr daran gewöhnst, geht’s danach gleich wieder anders herum. Irgendwie ist das wie zwischen zwei Welten hin und her springen - schön aber auch anstrengend. Kleines Highlight und wirklich keine geringe Herausforderung beim Sprung zurück in die Business-Welt nach einem solchen Motorsport-Event: Hände und Fingernägel bitte wieder so sauber wie vorher! Das macht sich nicht gut im Hobbyschrauber-Styling im Kundenmeeting oder gar im Presseinterview zu sitzen …

Aber fangen wir mal von vorne an. Zum Glück hatte ich zahlreiche Wochenenden vor der Baja300 intensiv damit verbracht, unseren Service-Truck und den YellowRacer entsprechend vorzubereiten. So dass sich unser kleiner Konvoi am Himmelfahrtstag recht schnell in Richtung Tagebau in Bewegung setzen konnte. Dem Wetterbericht vertrauend hatte ich natürlich in Erwartung eines trockenen, schnellen Rennens die entsprechenden Reifen aufgezogen. Dies erwies sich unmittelbar bei Ankunft im Tagebau und der Sichtung erster Streckenabschnitte als großer Fehler. Im Fahrerlager steckten LKWs, Wohnmobile und andere Fahrzeuge im tiefschwarzen Schlamm fest und mussten anstrengend geborgen werden. Der Regen hatte alles hier unter Wasser gesetzt und in Erinnerung an vergangene Veranstaltungen sowohl hier im Tagebau oder auch in Polen schwante mir nichts Gutes. Scheinbar gibt es für uns nur die zwei Extreme: entweder die Strecke ist äußerst trocken und (lebensgefährlich) staubig wie in den vergangenen zwei Jahren oder das Rennen wird zur Schlammschlacht.

Dies bedeutete für uns gleich nach dem Aufbau unseres Zeltes und der Anmeldung im Rennbüro einen kompletten Radwechsel.: alle vier Räder und zwei Ersatzräder mit BFGoodrich Baja T/A Reifen gegen Räder mit BFGoodrich MT Reifen tauschen. Immerhin, gefroren haben wir danach erst mal nicht mehr. Und danach kam dann sogar für einige Minuten die Sonne raus! Nach der technischen Abnahme, die auf dem Marktplatz in Hohenmölsen fast volksfestähnliche Stimmung und Umsatzexplosionen bei den umliegenden Gasthäusern und Eisdielen aufkommen ließ, waren wir dann rennbereit und versprühten Optimismus für die kommenden zwei Renntage. Der hielt leider nur bis zu dem Zeitpunkt an, an dem dann unwetterartige Regeschauer und Sturmböen über dem Fahrerlager niedergingen und jede Hoffnung auf ein Abtrocknen der Strecke ertränkte. Es wurde immer feuchter und schlammiger und ganz nebenbei flogen auch noch Zelte in der Größe eines Zweifamilienhausen umher und begruben das eine oder andere Fahrzeug befreundeter Teams – zum Glück nicht unseres.

Nach ausreichend Schlaf ging es dann am Freitagmittag an den Start in die erste Wertungsprüfung. Sechs Runden á ca. 40 km galt es zu absolvieren, wobei besonders trickreich jede zweite Runde ein wenig anders angelegt war. Im Roadbook war alles bestens dokumentiert und wir wussten um die Problematik, trotzdem bogen wir in der vierten Runde falsch ab und wiederholten dummerweise die dritte Runde – dies kostete uns mindestens einen CP und damit eine Stunde Strafzeit! Verdammt, nur eine Sekunde nicht aufgepasst! Das uns das passieren muss! Na hätte ich mal nicht auf den Navigator gehört … ! Nein, ich glaube Peter hat sich in dem Moment noch mehr geärgert als ich und ich hatte genügend mit der schlammigen, rutschigen Strecke und einer extrem eingeschränkten Sicht aufgrund der schlammverschmierten Scheiben rundum zu tun. Blöd nur, dass uns dies gleich wenige Meter nach der falschen Abbiegung aufgefallen war, aber einfach umkehren und gegen die Strecke fahren war auch nicht drin. Das war mir zu gefährlich. Ich war froh, dass unser YellowRacer in dem Schlamm überhaupt meistens das machte, was ich von ihm wollte und nur manchmal Gas geben und pures Hoffen auf ein Vorankommen in die jeweils avisierte Richtung half. So kamen wir ganz gut voran, auch schien die Strecke von Runde zu Runde etwas abzutrocknen. Dafür waren einige Abschnitte schon extrem von den LKWs ausgefahren und uns half hier nur Lenkrad festhalten und maximales Drehmoment an alle vier Räder zu schicken. Erstaunlich, wie gut sich der YellowRacer durch den Schlamm grub!

Im Laufe der sechsten und letzten Runde merkte ich jedoch dann, dass sich der YellowRacer zunehmend schlechter Lenken ließ. Irgendetwas funktionierte nicht wie es sollte, jeder größere Stein oder andere Unebenheit riss mir das Lenkrad aus der Hand und verursachte eine gefährliche, plötzliche Änderung der Fahrtrichtung. Ich musste höllisch aufpassen, dass wir nicht von der Strecke kamen. Als wir dann endlich glücklich durchs Ziel rollten, war die Lenkung so fest, dass sich das Auto fast gar nicht mehr um irgendeine Kurve bewegen ließ. Aber immerhin, wir hatten die erste WP geschafft!

Und das gar nicht so schlecht! Als gegen Mitternacht die Ergebnisse veröffentlicht wurden, glaubte ich meinen Augen nicht - wir waren in unserer Klasse (T1, mache sagen dazu Profi-Klasse …) auf den dritten Platz gefahren. Mit nur 16 Minuten Rückstand auf den Zweiten (Gelder/Heimans auf Bowler Tomcat) und 1:13 auf den Ersten (Koepp auf Lennson CC). Und das alles mit einer Stunde Strafzeit aufgrund des verpassten CP’s. Heißt Platz zwei mit nur 16 Minuten Rückstand auf Platz eins wäre drin gewesen! Wenn … naja lassen wir das.

unser kleines Camp steht

nach der technischen Abnahme - noch ist er sauber …

dann ziehen Unwetter auf

Startaufstellung zur ersten WP (Foto 4×4 Club)

überall Schlamm! (Foto PDT Offroad)

matt braun anstatt glänzend gelb

Rangliste Klasse FIA T1 SCORE nach 1. WP

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Donuts im Schnee

Während ich vom Polarkreis aus wieder zurück in die „Zivilisation“ fliege, fällt der Blick auf die unter uns liegenden, tausenden Eis- und Schneeflächen der kleinen und großen zugefrorenen Seen und Flüsse des Landes, aber auch auf die endlosen Wälder, die vereinzelt von verschneiten Straßen und Wegen durchzogen werden. Auf so mancher Schnee- oder Eisfläche sieht man selbst von hier oben zahlreiche Spuren, die von diversen Fortbewegungsmitteln wie Skier, Snowmobil, (Allrad-)Auto oder anderem technischem Gerät stammen. Bei uns erzeugen im kurzen Sommer einige wenige „außerirdische“ Spaßvögel mancherorts Kornkreise - hier sieht man nicht wenige, garantiert von driftenden Autos stammende runde oder wellenförmige Spuren im Schnee auf den Gewässerflächen. Da werden der See oder Fluß ganz einfach zum Trainings- oder Spaßgelände gemacht und mit dem Auto ein paar Donuts in den Schnee gemalt – sicher auch ein gutes Mittel gegen die hier wohl im langen und meist dunklen Winter häufig auftretende Depression. Kein Wunder, dass dieses sportbegeisterte Land einige gute Renn- und Rallye-Fahrer hervorgebracht hat.

Bei diesen Gedanken laufen im Kopf auch noch einmal „Filmschnipsel“ der letzten zwei Tage des Rallye-Trainings ab. So mancher gut gelungene Drift taucht da auf, aber auch viele der nicht gelungenen und am zweiten Tag in der Schneewand geendeten Kurvenfahrten. Bei den vielen gefahrenen Kurven und Kehren, insbesondere am zweiten Tag, an dem wir mit hoher Geschwindigkeit auf einer abgesperrten Rallye-Strecke unterwegs waren, fällt mir die Abschätzung der persönlichen Bilanz relativ schwer. Das Stimmungsbarometer während der Rallye-Stage schwankte extrem: war man gerade mit einigen perfekt quer genommenen Kurven zufrieden, kam dann in der nächsten Kurve oft schon der mentale Rückschlag – entweder das Auto untersteuerte stark und war nicht mehr in der Ideallinie um die Kurve zu bekommen oder schlug gleich (in die zum Glück weiche) Schneewand am Rande der Strecke ein. Mal so, mal so; alles in allem aber war ich ganz zufrieden – für’s erste Mal. Zufrieden? Naja, zumindest solange bis einer der „Fahrlehrer“ Armin Schwarz oder Mark Wallenwein zwischendurch immer mal das Steuer übernahm und mir daneben sitzend zeigte, wie Rallye-Driver ihres Schlages den Subaru über die kurvige Distanz schickten. Schluck - OK, reden wir nicht drüber …

Und trotzdem: hat riesigen Spaß gemacht und es bleibt die Hoffnung das Gelernte demnächst im Gelände auch mit dem YellowRacer – zumindest ansatzweise - umzusetzen.

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Braune Brühe überall!

Tomasz und Moli hatten am vergangenen Wochenende wie immer im Herbst zur MT Series gerufen. „MT“, inzwischen das Synonym für tiefe Panzerwellen und Sandstrecken, Nachtetappe(n) = Schlafdefizit und kalte Nächte im polnischen Wald. Aber auch für gute Organisation und für angenehme Leute rund um die Orga – zu einigen hat sich im Laufe der Zeit fast schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Daher war es nach der verletzungsbedingten Absage unserer Teilnahme an der Breslau Balkan im September kein großes Thema, die Entscheidung stand schnell fest: wir fahren zur MT!

Natürlich hatten wir unsere schmerzlichen Fahrwerks-bedingten Ausfälle mit unserem Toyota bei den letzten beiden MT-Veranstaltungen nicht vergessen und waren gespannt, wie sich unser neuer YellowRacer in diesem anspruchsvollen Gelände benehmen würde. Natürlich überwiegte der Optimismus, unterscheiden sich die beiden Fahrzeuge hinsichtlich Fahrwerkskonzept (Starrachse vs. Einzelradaufhängung), Rampenwinkel, Bodenfreiheit und Fahrzeuggewicht bzw. dessen Verteilung / Schwerpunkt doch grundsätzlich. Aber ein gesunder Respekt vor der Strecke und insbesondere vor einem jetzt möglicherweise insgesamt höheren Tempo bleib doch. Was ja nicht schlecht ist, weckt das die Aufmerksamkeit doch ganz besonders.

Auf dem Weg nach Polen lernten wir dann auch mal wieder ganz neue Fans kennen. Beim Reifendienst, der uns nach einem ziemlich lautstarken Reifenplatzer an der Hinterachse unseres Service-Trucks mitten auf dem Berliner Ring nach gut zwei Stunden Aufenthalt und um fast 300 Euro erleichtert, winkend vom Hof verabschiedete…

Man gönnt sich ja sonst nichts und ohne solche Einlagen wäre es doch glatt langweilig! Ohne weitere Ärgernisse meisterten wir dann doch noch die weitere Anfahrt ins Rallye-Camp, wo einige Freunde vom 4×4 Club Leipzig schon unser kleines, aber feines Club-Camp eröffnet hatten. So mit geheiztem Zelt und anderen snobistischen Annehmlichkeiten - bei nächtlichen Temperaturen unter Null war aber auch jede Wärmequelle begehrt! Grippal verseucht gelang es mir dann doch die Nacht mit zwei Schlafsäcken und Wollmütze im LKW-Fahrerhaus zu überstehen.

Der folgende Tag bot noch genügend Zeit für finale Checks am YellowRacer, das möglichst knitterfreie (Peter!) Anbringen der üblichen Aufkleber, technische Abnahme und dann das Warten auf den Prolog. Die knapp fünf Kilometer des Prologs hatten es hinsichtlich Schlamm und nassem Sand ziemlich in sich und ließen für die folgenden Etappen nichts Gutes erwarten. So gut wie jede Panzwerwelle war fast komplett mit Wasser oder Schlamm gefüllt! Der YellowRacer kam extrem schnell ins Rutschen und Schlingern, mit unseren BFGoodrich Baja Reifen, die uns bei der extrem trockenen Baja300 im Frühjahr einen sehr guten Dienst erwiesen hatten, waren wir hier absolut fehl am Platz. Also hieß es nach dem Prolog – den wir trotzdem ganz gut bewältigen konnten - unbedingt Radwechsel: MT-Reifen aufziehen. Aha, daher also der Begriff „MT“ = Mud Terrain = MT Rallye … oder so. Und noch was unangenehmes: Wasser und Schlamm drang von allen Seiten ins Fahrzeuginnere ein, im Fußraum stand die braune Brühe mehrere Zentimeter hoch und sogar die Frontscheibe war von innen (!!) mit Schlamm bespritzt. Wow, was sollte das erst nach mehr als 100 Kilometern werden?

Mit einiger Spannung erwartete ich auch, für wie viel Licht unsere LED-Lichtzeile auf dem Dach des YellowRacers während der anschließenden Nachtetappe über etwas mehr als 90 Kilometer tatsächlich sorgen wird und wie standfest und dreckanfällig die Konstruktion letztlich ist. Und was ist mit Ästen, den natürlichen Feinden der richtig teuren LEDs? Werden wir uns eventuell selbst blenden, entweder im Nebel oder gar über die Motorhaube? Zwar war alles in der heimischen Garage und im Gelände „vor der Haustür“ getestet, aber ein über mehrere Stunden durch viel Schlamm, Wasser und Wald verlaufendes Rennen mit verschmierten Scheiben und Scheinwerfern ist eben doch was anderes. Was soll ich sagen – besser hätte es nicht funktionieren können! Der Wald vor uns wurde taghell und offensichtlich war auch ein riesiges Wiesent – ein gigantischer schwarzer Brocken mit leuchtend grünen Augen, der direkt am Waldweg stand – so von der plötzlich auftauchenden Sonne erschrocken, dass er wie erstarrt stehen blieb. Zum Glück! Nicht auszumalen, wenn der auch nur einen Schritt in unsere Richtung gemacht hätte …

Über drei Viertel der Strecke kamen wir gut und ohne jegliche Navigationsprobleme voran. Wir waren begeistert, wie sich unser Fahrwerk mit den tiefen Panzerwellen arrangierte, nicht ein einziges mal verspürten wir so etwas wie einen Schlag oder eine Bodenberührung – wir wippten ohne Probleme über jede Welle, eine gänzlich neue „Er-Fahrung“! Von einem Roadbook-Bild auf’s andere passte dann aber plötzlich gar nichts mehr. Verdammt, wir waren total raus! Nach mehrfachem Abfahren aller möglichen und unmöglichen Varianten rund um die betreffende Stelle, bei dem fast 40 Minuten ohne jeglichen Fortschritt vergingen, entschieden wir uns dann zwangsläufig, einem anderen Teilnehmer zu folgen. Auch hier gelang es nicht wirklich, wieder unsere Fahrt mit dem Roadbook zu synchronisieren. Was war geschehen? Ohne eine Antwort darauf und ziemlich frustriert darüber – aber trotzdem zufrieden hinsichtlich der Leistungsfähigkeit unseres YellowRacers kamen wir schließlich stark übermüdet ins Ziel. Das – selbst verursachte – Problem konnten wir dann erst am folgenden Tag erkennen und zum Glück beheben …

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Da bist Du platt …
Boxenstop bei Berlin
MT Rally-Camp des 4×4 Club Leipzig
Letzte Checks am YellowRacer
Wie machen sich die LED’s auf dem Dach?
Nächtliche Irrfahrt - wir sind raus …
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Wir sind wieder da …

… also nicht nur in diesem Blog hier, aber dazu später mehr. Auch wenn es hier einige Zeit ziemlich ruhig war, so hat sich doch einiges getan in den letzten Wochen und Monaten. Leider war viel zu wenig Zeit, dies alles zu dokumentieren.

Es gäbe viel zu berichten, angefangen von unserem YellowCruiser. Der Toyo wurde inzwischen Beweisobjekt in einem garantiert spannend werdenden Gerichtsprozess. Allerdings ist hinsichtlich einer öffentlichen Berichterstattung diesbezüglich sicher (zunächst) etwas Zurückhaltung angebracht, Insider wissen aber schon worum es geht. Die gute Nachricht: unsere Rechtsschutzversicherung konnte unseren Argumenten, Beweisen und Gutachten folgen und übernimmt alle Kosten für Anwälte, Gutachter und Gericht. Na dann mal auf in die Schlacht, die Arena wechselt mal eben von der Rallye-Piste in den Gerichtssaal. Bemerkenswert ist aber, dass es hier – fernab von Staub und Schlamm – trotzdem ziemlich „schmutzig“ zuzugehen scheint …

Und dann wäre da auch der Ausbau unseres Service-Trucks: gleichzeitig mobile Werkstatt und „Rallye-Hotel“. Inzwischen ist der Innenausbau vom Doppelstockbett über Regale, Werkbank, Wassertank und Reifenlager bis hin zur Beleuchtung und Solaranlage so gut wie abgeschlossen. Und der Truck hat sich am letzten Wochenende auch bereits perfekt bewährt!

Ach ja, dann gab es auch noch die plötzliche, verletzungsbedingte Absage unserer fest geplanten Teilnahme an der Breslau Balkan Rallye im September. Zu schade, wir hatten uns auf zwei Wochen voller Abenteuer und neuer Eindrücke in Osteuropa gefreut! Mitten in den Vorbereitungen mussten wir aber leider die Reißleine ziehen und daheim bleiben.

Also, doch viel passiert in letzter Zeit. Und was ist eigentlich mit Rallye?

Wie ich schon sagte, wir sind wieder da! Am letzten Wochenende stand die aktuelle Ausgabe der MT Series Rallye in Polen auf dem Programm. Nachdem wir „dank“ der bei Gericht zu besprechenden (…) Probleme am Toyota sowohl bei der MT Series im Vorjahr als auch bei der MT Rally in diesem Frühjahr mit diversen Schäden am Fahrwerk abbrechen mussten, haben wir uns jetzt wieder nach Drawsko Pomorskie gewagt und uns dort mit dem neuen YellowRacer ins schlammige Vergnügen gestürzt. Das haben wir vorher nicht an die große Glocke gehängt, wollten wir doch erst mal ganz für uns allein sehen, wie wir uns schlagen. Wie wir dann trotz zweier massiver Navigationspatzer und „Peter’s Pinkelpausen“ durch die Rallye gekommen sind und mal nebenbei als Sieger im GORM-Finallauf gewertet wurden, lest Ihr dann aber im nächsten Blogeintrag.

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Baja300 MD - Stage 1

Die erste Etappe im Rennen der Baja300 ließ sich für uns erstaunlich gut an. Mit solch gut gemeinten Ratschlägen zu unserem neuen YellowRacer im Ohr wie “das Auto kann mehr als Du denkst”, “Du bist das Limit, nicht das Auto” und auch “Du solltest erst mal nur 60% von dem fahren, was Deiner Meinung nach gehen würde” gingen wir am Freitag Mittag auf die Strecke im Tagebau, um die sieben geforderten Runden á ca. 35 km unter die Räder zu nehmen. Erklärte Strategie war die Sache einigermaßen ruhig anzugehen, erst mal das Auto und die Strecke kennenlernen und dann später etwas mehr Druck aufs Pedal zu schicken.

Drei Fahrzeuge am Start nebeneinander, gleich zu Beginn schien es ums Ganze zu gehen. Mir war klar, wer den Dreier-Start gewinnt, hat die ersten Kilometer mit hoher Wahrscheinlichkeit gute Sicht. Denn es war wieder extrem trocken und staubig im Tagebau und wer hinterher fährt hat die sogenannte A****-Karte gezogen und sieht nix. Allerdings hat der Gewinner des Start-Triells (sagt man doch so für ein Duell zu dritt, oder?) gleich zwei Verfolger am Heck kleben und macht sich sicher keine Freunde als “Anfänger” mit neuem Auto, der sich erst mal an dessen Fahrverhalten gewöhnen und dann auch noch während der ersten Runde  die Strecke lesen will. Also entschied ich mich kurzfristig dafür, die Kollegen los ziehen zu lassen, sollten die doch erst mal richtig los toben. Man sieht sich garantiert in der zweiten oder dritten Runde - und schon waren wir dem Sand- und Kohlenstaub ausgeliefert …

Diese Entscheidung erwies sich als gar nicht so schlecht. Bis auf den Staub kamen wir gut voran und fanden dank unseres “CP-Finders” Peter die Strecke und sämtliche Checkpoints. Die hier tätigen ORGA-Leute waren bei der Hitze und vollständig in Dreck und Kohlestaub umhüllt nicht zu beneiden, Hut ab! Peter kannte die Strecke bald wieder auswendig, einschließlich erster und zweiter mathematischer Ableitung sämtlicher Kurvenradien sowie Tiefe, Breite und geologischer Zusammensetzung fast aller Bodenwellen und Pistenlöcher und konnte mir so sehr gut den Weg weisen. Über die Bodenwellen, denen wir nicht ausweichen konnten oder wollten, hüpfte unser YellowRacer ohne Probleme und schien sogar seine Freude daran zu haben. Na wenigstens einer. Denn schon bald meldete sich mein ‘Popometer’, forderte Gnade und erinnerte mich mit zunehmender Rundenzahl an den Spruch ”Du bist das Limit, nicht das Auto”. Ich ignorierte dies jedoch bis zu letzten Runde - ganz nach dem Motto “Kleinhirn an Hintern: Schnauze, sonst fliegst Du raus!”. Hätte ich nur mal auf die Signale gehört … Aua!

Es gab viele Ausfälle, vom Gefühl her war die Strecke hinsichtlich Waschbrettpisten und Steinen deutlich anspruchsvoller als im Vorjahr, aber vielleicht war die Erinnerung auch nur schon verblasst. Jedenfalls kamen wir insgesamt gut über die Etappe und hatten am Ende nach ca. fünfeinhalb Stunden Platz 18 erreicht. Bis auf einen zum Glück harmlosen Fahrfehler, der uns im tiefen Kohlestaub in eine Situation brachte, die den kurzen Einsatz des Bergegurts (DANKE Team Walcher Nr. 604 auf Unimog, das uns hier zwei Minuten seiner Zeit opferte!!) notwendig machte und uns vielleicht 10-15 Minuten kostete, gab es keine wesentlichen Probleme. Was will man mehr?

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Es geht wieder los!

Das Stromaggregat brummt, Internet läuft, Kaffee ist heiß und lecker. Aber irgendwas ist komisch - ach so, immer diese Umgewöhnung von Apple Mac im “normalen” Leben auf Windows-Notebook im “Lagerleben”. Das Rallye-Notebook fühlt sich Jahrzehnte älter an! Aber solange ein Webbrowser verfügbar ist will ich nicht meckern, nach fünf Minuten hat man sich - zwangsläufig und unter großen Schmerzen - der Windows-Bedienphilosophie wieder unterworfen. Der Blog ist wieder an …

Verdammt kalt war es die letzte Nacht im Camp, die Eisheiligen haben ihrem Namen alle Ehre gemacht! Nachdem wir am Abend mit der wahrscheinlich kürzesten Anfahrt eines teilnehmenden Teams im Fahrerlager der Baja300 Mitteldeutschland bei Hohenmölsen südlich von Leipzig angekommen waren, war unser neuer YellowRacer schnell abgeladen und unser kleines Camp aufgebaut. Ein erster Schwatz, ein zweites Bier, na und so weiter. Und es gab dann noch ein kleines Déjà-vu mit einem “Kfz-Fachunternehmen” der Szene, der absolute Hammer! Aber dem Thema werde ich mich später widmen.

Zwei Schlafsäcke und dicke Socken halfen dann über die Nacht bei Temperaturen nahe der Frostgrenze, die erste Nacht in unserem Service-Truck! Ein Novum, aber es ging trotz Kälte super gut und die erste Nacht der Baja300 war zum Glück auch noch ziemlich leise. Noch keine Serviceteams am Flexen oder Schweißen …

Heute Morgen dann Frühstück, Papierabnahme und technischer Check - kein Thema nach guter Vorbereitung. An unserem neuen YellowRacer wurden noch Sitze eingestellt, Checks einiger Systeme und des Bordwerkzeugs - morgen kann’s dann los gehen! Aber immer schön sachte, wir müssen uns ja erst mal mit dem neuen Racer anfreunden …

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Früstück im Camp

Werkzeugcheck

Sitzwechsel

We are ready to race

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Der Neue im Stall

Alles neu macht der Mai! Oder so. In den letzten Tagen hat sich die Welt für uns extrem schnell gedreht, auch wenn es hier im Blog ziemlich ruhig war. Nachdem es bei einigen Plänen und Aktivitäten in Bezug zu unserem zukünftigen Rallye-Service in den letzten Monaten ziemlich herbe Rückschläge und Enttäuschungen gab - aber das ist eine andere Story, ergab sich fast über Nacht die Chance auf ein neues Pferd für unseren Stall. Ein echtes Rennpferd, mit nachgewiesenem Stammbaum und so!  Und dabei sind es nur noch wenige Tage bis zur Baja300 Mitteldeutschland. Schlaflose Nächte, genervte Familie, im Kopf dreht sich alles - wie macht man(n) es richtig? Und dann ist es passiert …

Da steht er nun und scharrt mit den Rädern. YellowRacer versus YellowCruiser? Vorbei ist das schnelle Cruisen im ’sanften’ Toyota. Der hat uns zwar auch schon mal wie wild abgeworfen, aber der hier ist ein noch härterer Bursche! Minimalismus pur, ein definitives RaceCar und auch von Beginn an als solches konstruiert und gebaut. Kein umgebautes Serienauto. Keine Heizung. Keine Aircondition. Keine Geräuschdämmung. Keine Zentralverrieglung. Kein dies und kein das. Und vor allem, keine Kompromisse! Dafür laut, schnell, leicht, robust. Leistung ohne Ende. Ein AMG Triebwerk schiebt ordentlich Power und Drehmoment an alle vier Räder und sorgt damit für begeisternden Vortrieb. Wir sind gespannt, wie sich der Neue im ersten Rennen mit uns behaupten wird. Sicher werden wir dabei noch einige Zeit brauchen, um uns gegenseitig besser kennenzulernen. Also: auf geht’s zur Baja300 Mitteldeutschland am kommenden Wochenende.

Let’s race, YellowRacer!

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